| 00.00 Uhr

Horst A. Wessel
"Umbenennung wäre ein Fehler"

Düsseldorf. Der Historiker kritisiert die Idee, aus dem Mannesmann-Hochhaus das Richard-von-Weizsäcker-Haus zu machen.

Herr Wessel, Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat vor, das Mannesmann-Hochhaus in Richard-von-Weizsäcker-Haus umzubenennen. Sie waren 25 Jahre lang Leiter des Mannesmannarchivs. Was halten Sie von dem Plan?

Wessel Ich halte gar nichts davon, den Namen Mannesmann dort zu streichen. Von den verschiedenen Gebäuden, die einst zu Mannesmann gehörten, ist es das einzige, das den Namen der Firma bis heute trägt. Die andere frühere Mannesmann-Zentrale in direkter Nachbarschaft zum Hochhaus etwa wird nach dem Architekten heute Behrensbau genannt. Übrigens ist der Name "Mannesmann-Hochhaus" nicht, wie es aus dem Wirtschaftsministerium hieß, ein Name aus dem Volksmund. Das Gebäude hieß von der ersten Stunde an offiziell so.

Aber was ist so besonders an dem Bau?

Wessel Das Hochhaus war enorm identitätsstiftend für Mannesmann und für Düsseldorf. Es war der erste große Neubau der Stadt nach dem Kriegsende. Das Gebäude war nach dem Marxhaus, das konventionell errichtet worden war, das erste Hochhaus Düsseldorfs. Und es war das erste Gebäude in ganz Europa, das in Stahl-Skelett-Bauweise errichtet wurde, der erste moderne Hochbau, entworfen vom heute berühmten Architekten Schneider-Esleben. Gebaut wurde es fast ausschließlich mit Materialien, die Mannesmann selbst herstellte, beispielsweise nahtlose Rohre. Dadurch wurde unter Beweis gestellt, was das Unternehmen gut zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder konnte. Das Signal des Baus war: Hier sind wir wieder!

Welche Bedeutung hatte Mannesmann für Düsseldorf?

Wessel Der Name ist untrennbar mit der Stadt verbunden. Die Mannesmann-Brüder, eigentlich aus Remscheid, sind in Düsseldorf zur Schule gegangen und haben hier Abitur gemacht. Später erfanden sie das nach ihnen benannte Verfahren, bei dem nahtlose Rohre allein durch walzen aus einem Stahlblock gefertigt werden können. Bereits kurz nach der Gründung der Röhrenwerke wurde der Firmensitz von Berlin nach Düsseldorf verlegt worden.

Warum ausgerechnet das damals eher provinzielle Düsseldorf?

Wessel Düsseldorf war damals, was die Röhrenindustrie angeht das Zentrum Europas, ja vielleicht der Welt. Den Grundstein legten 1860 die Brüder Poensgen mit geschweißten Rohren. Um die Jahrhundertwende gab es 20 namhafte Röhrenhersteller in und um Düsseldorf. Auch die Branchenverbände hatten hier ihren Sitz, und nicht im Ruhrgebiet oder gar in Berlin. Mannesmann hat dann als Branchenführer die Stadt maßgeblich mitgeprägt, noch heute gibt es ja die Vallourec-Werke in Rath und Benrath.

Was ist das Besondere an Mannesmann?

Wessel Dort zu arbeiten, das war wie ein Adelsprädikat. Diverse kulturelle Einrichtungen in der Stadt wurden von Mannesmann finanziert. Die zurzeit so umstrittenen Gaslaternen sind samt Leitungen von Mannesmann. Der Schützenumzug im Sommer machte an der Konzernzentrale Halt.

Was raten Sie Minister Duin?

Wessel Ich rate ihm, den Plan zur Umbenennung in Richard-von-Weizsäcker-Haus fallenzulassen. Es gibt keine richtigen Gründe, das Mannesmann-Hochhaus nach ihm zu benennen. Als er vor 1958 bei Mannesmann in Düsseldorf arbeitete, hat er den Bau vielleicht beobachtet. Aber das ist ja kein Grund, gleich das Haus nach ihm zu benennen. Weizsäckers Wirken ist meines Erachtens eher mit Berlin verbunden, auch wenn er sich, das weiß ich aus persönlichen Gesprächen mit ihm, gern an seine Düsseldorfer Zeit erinnerte. Ich glaube auch nicht, dass es in seinem Sinne gewesen wäre. Da das Mannesmann-Hochhaus in seiner Zeit hier gebaut wurde, vielleicht fühlte er sich ja auch vom Baulärm gestört. Man sollte vielleicht eher in Berlin eine öffentliche Straße nach ihm benennen.

Mannesmann existiert nicht mehr. Warum tun sich die Ehemaligen - viele haben sich in Briefen und per Telefon echauffiert über die Umbenennung - so schwer damit?

Wessel Die ehemaligen Mannesmänner beklagen, dass der Name immer mehr verschwindet. Der Konzern hatte zu seinen Hochzeiten 130.000 Mitarbeiter. Mit 10.000 in Düsseldorf war Mannesmann der größte Arbeitgeber. Der Name Mannesmann-Hochhaus sollte beibehalten werden, aus Respekt vor der Geschichte des Unternehmens und seiner vielen Tausend Mitarbeiter. Umbenennungen sind kritisch. Der Name ist eine Ehrung für den Düsseldorf prägenden Konzern.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Horst A. Wessel: "Umbenennung wäre ein Fehler"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.