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Düsseldorf
Und sonntags auf dem Ananasberg

Düsseldorf. Der Roman "Das Spiel der Täuschung" entführt in das Jahr 1834, als Schadow, Immermann und Mendelssohn die Kunst und das gesellschaftliche Leben prägten. Von Ute Rasch

Es war die Zeit, als eine Fahrt nach Berlin eine Woche dauerte. Per Kutsche. Hinterm Mond aber lebte man in Düsseldorf deshalb noch lange nicht. Denn in der zwar beschaulichen, aber aufstrebenden Handelsstadt mit ihren 30 000 Einwohnern, blühte die Kunst. Wilhelm Schadow inspirierte die Maler der Kunstakademie, Karl Immermann revolutionierte das Theater, Felix Mendelssohn Bartholdy gab in der Musik den Ton an - und betörte die Damenwelt. In einem Jahr trafen sie alle zusammen: 1834. Diese Epoche lässt die Autorin Christa Holtei im Rückspiegel wieder lebendig werden in ihrem Roman "Das Spiel der Täuschung."

"Man kann noch vieles wieder finden von der einstigen Stadt", meint Christa Holtei, die für ihre Recherchen wieder und wieder durch die Straßen der Altstadt schlenderte. Folgt man den Protagonisten ihres Buches, allen voran dem Malerschüler Clemens Papenstiel und der schönen Emma, Kaufmannstochter mit eigenen künstlerischen Ambitionen, wird schnell klar, wie klein der eigentliche Stadtkern im frühen 19. Jahrhundert war. Die heutige Königsallee lag weit vor den Toren der Stadt und war einen Ausflug wert, zumal in "Schnabels Lustgarten" ein lebendiges Kamel die große Attraktion war. Holtei: "Ein Arzt, dem dort ein Grundstück für 10.000 Taler angeboten wurde, lehnte den Kauf mit der Begründung ab, dass seine Patienten ihn so weit draußen ja nicht finden würden."

Drei Jahre recherchierte die Autorin für ihren faktenreichen Roman, las Briefe, Tagebuchnotizen und Reiseberichte. Langsam entstand so eine präzise Vorstellung vom alten Düsseldorf, fügten sich die Bilder zu einer literarischen Stadt-Collage. Der Roman bietet Geschichtsunterricht und pures Lesevergnügen gleichermaßen, folgt dem Dreigestirn Schadow, Immermann, Mendelssohn, die das gesellschaftliche Leben mit ihrer Kunst prägten. Und zwischendurch Details des Alltags: Im Hofgarten hat soeben die Kirmes begonnen - mit Gauklern und einem tanzenden Bären. Der Karneval aber wird auch in diesem Jahr wieder von der preußischen Regierung verboten - Menschenansammlungen sind ihr ein Graus, wer weiß, ob bei den närrischen Aufmärschen nicht ein gefährlicher Funke glimmt. Meinungsfreiheit ist im Biedermeier nicht erwünscht. Also andere Vergnügungen: Am Sonntagmorgen nach der Kirche schlendert ganz Düsseldorf zur Akademie in die Ateliers der Maler. Und danach auf einen Apfelkuchen zu Hofkonditor Geissler auf den Ananasberg im Hofgarten. Die Damenwelt trägt dabei nach neuester Mode die Bänder der Hauben offen. Woher die Autorin das weiß? "Von Bildern, es ist eben ein Glück, wenn man über Maler schreibt."

Je mehr die Handlung an Fahrt gewinnt, desto dichter wird die Geschichte, desto mehr Konturen gewinnen die Charaktere - vor allem die "Frauenzimmer". Emma, die begabte Bürgerstochter, darf nicht an der Akademie studieren. Sie muss sich ihren Weg gegen die Zwänge ihrer Zeit und ihre schwadronierende Mutter hart erkämpfen. Und ihr Glück. Hätte die Autorin gern in jener Zeit gelebt? "Sicher nicht." Frauen sei es vorbehalten gewesen, "wie ein mildes Gestirn am Himmel" zu sein. Sie lebten in einem starren Korsett aus Konventionen. "Das hätte mir sicher nicht behagt."

Wie die Geschichte im alten Düsseldorf ausgeht, wird hier nicht verraten. Nur so viel: "Ich wollte das Ende nicht so süßlich schreiben. Das Biedermeier ist schon beschaulich genug." Das ist ihr zweifellos gelungen.

Quelle: RP
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