| 00.00 Uhr

Kolumne Mein Düsseldorf
Und wieder zieht Köln im Karneval den Schwanz ein

Das sind die Karnevalsumzüge in Düsseldorf
Das sind die Karnevalsumzüge in Düsseldorf FOTO: RP
Düsseldorf. Fast können sie einem leid tun, diese Kölner Pappnasen - irgendwie kriegen sie die Kurve nicht angesichts der alles beherrschenden Themen dieser Zeit: Den Flüchtlingen und der Bedrohung durch Terroristen. Wir erinnern uns: 2015, kurz nach den Anschlägen auf die Zeitschrift Charlie Hebdo, wartete man gespannt auf die Reaktion der Wagenbauer des Rosenmontagszuges. Während Düsseldorfs Jacques Tilly, wie immer, das Thema frontal anging, eierten die Kölner herum: Zuerst ja zu einem Wagen, dann nein, am Ende ein wachsweicher Kompromiss, der das blamable Narrenstück schließlich noch peinlicher machte.

Seitdem ist viel passiert - die neuen Anschläge von Paris, die unfassbare Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof. Rechte Rattenfänger reiben sich die Hände, endlich sehen sie ihre Hass-Parolen über Flüchtlinge bestätigt.

Und was macht der Kölner Karneval? Könnte man auf diese Frage nun schlicht "Nichts!" sagen, wäre es vielleicht noch nachvollziehbar. Immerhin machen sich dort wie hier viele Menschen Sorgen, zweifeln daran, ob sie überhaupt auf der Straße feiern und schunkeln sollen, fürchten vielleicht, potenzielle Täter können sich provoziert fühlen.

Aber die Kölner haben sich - konsequent inkonsequent - dazu durchgerungen, das Thema anzugehen. Und dafür haben sie eine Idee entwickelt, mit der sie ganz sicher in die Schlagzeilen kommen werden: Die Verbrechen der Silvesternacht werden - sagen wir: in Szene gesetzt mit dem Bild der deprimiert am Boden hockenden Mutter Colonia (die Jungfrau im Karneval), die verstört durch ihre rosarote Brille guckt. Eine Allegorie, sozusagen.

Christoph Kuckelkorn, kluger Kopf des Zochs am Dom, und daher kritische Reaktionen ahnend, lieferte vorsichtshalber gleich Erklärungshilfe: Das Bild lasse Raum für Interpretationen. Nun, da hat der Mann recht - vor allem könnte man versuchen, die mentale Struktur jener zu interpretieren, die auf solche um die Ecke gedachten Ideen kommen. Klar, Köln ist seit Silvester um einige Illusionen ärmer geworden. Aber das musste die Stadt auch bereits beim Einsturz des Stadtarchivs, den Pannen vor der OB-Wahl, Problemen beim Opernbau und dem Attentat auf die spätere Oberbürgermeisterin erleben.

Die Übergriffe auf Hunderte Frauen aber völlig zu ignorieren und mit einem bestenfalls netten Bild anzudeuten, ist nichts anderes als den Schwanz einzukneifen vor - ja, wovor eigentlich? Will man mögliche Mörder nicht provozieren und meint naiverweise, so den Zug sicherer zu machen? Oder hält man den Kölner an sich für zu sensibel, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen? Jedenfalls ist diese verkrampfte Lösung vor allem eins - Kapitulation. Eine sinnlose zudem, weil sie die Gefahr des Irren mit Sprengstoff unter dem Clownshut nicht mindert.

Es ist schade: Diese großartige Stadt 40 Kilometer südlich von uns hätte die Chance gehabt, ihre große Aktion "Asch hu, Zäng auseinander" (1992 gegen Rassismus und Neo-Nazis) in einer 2.0-Version aufleben zu lassen.

Stattdessen überlässt man das den Düsseldorfern und begeht die große Sünde, mit dem Kölner Zoch, der die üblichen politischen Themen eher piefig aufgreift, zu langweilen. Das hat Köln nicht verdient.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kolumne Mein Düsseldorf: Und wieder zieht Köln im Karneval den Schwanz ein


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.