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Düsseldorf
Uni-Bibliothek soll mehr Service bieten

Düsseldorf: Uni-Bibliothek soll mehr Service bieten
Die Universitäts- und Landesbibliothek ist im Wandel. Von 132 Stellen sollen langfristig 25 abgebaut werden. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Bücherei der Heinrich-Heine-Universität wird umstrukturiert. Es gibt Streit zwischen Rektorin und ULB-Chefin. Von Uwe-Jens Ruhnau

Die Heinrich-Heine-Universität (HHU) muss sparen, gleichzeitig will sie ihr Angebot verbessern. Ein großes Projekt ist in diesem Zusammenhang die Neuausrichtung der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB). Diese geht nicht ohne Konflikte vonstatten, der Dissens zwischen Rektorin Anja Steinbeck und der langjährigen ULB-Direktorin Irmgard Siebert steht vor der Eskalation. Sogar der Landtag befasst sich in Kürze mit dem Fall.

Es geht beim Umbau der ULB nicht nur um Strukturen, Prozesse, Digitalisierung und geändertes Nutzerverhalten, sondern auch um die Führungskultur. Wichtigstes Ziel: Die ULB soll sich stärker als Serviceeinrichtung für die Studierenden und Forschenden verstehen. Von den 132 Stellen sollen 25 abgebaut werden, die Mitarbeiter an anderer Stelle für Forschung und Lehre eingesetzt werden. "Das geschieht ohne Entlassungen innerhalb der nächsten zehn Jahre", sagt Professor Stefan Süß, der Prorektor für Studienqualität und Personalmanagement. Man nutze dafür die natürliche Fluktuation. Die Personalausstattung der ULB sei mit Blick auf vergleichbare Hochschulen überdurchschnittlich, Süß nennt eine Quote von aktuell 120 Prozent.

Hintergrund des Spardrucks ist zum einen das strukturelle Defizit der Hochschule, das auf 20 Millionen Euro beziffert wird, und das Auslaufen des Hochschulpakts 2023, der zusätzliche Mittel bringt (siehe Kasten). Reagiert wird darauf unter anderem mit einem Personalabbau von fünf Prozent in allen Bereichen.

Vor einem Jahr ist mit der ULB ein "Change-Prozess" (Prozess des Wandels) gestartet worden, in den Fakultäten, Personalrat und Rektorat einbezogen sind. Er ist bislang mit mehreren Arbeitsgruppen sowie zwei Personalversammlungen durchgeführt worden. Im Juli ist eigens ein "Change-Manager" eingestellt worden. Bei den Mitarbeitern kommen die Ideen für die ULB trotz des Spardrucks unter dem Strich gut an, das bestätigen Mitglieder des Personalrats.

Einen Konflikt gibt es aber mit der Leiterin der ULB, Irmgard Siebert. Sie führt die Bibliothek seit dem Jahr 2000 und konnte mehrfach stolz Spitzenplätze beim Deutschen Bibliotheks-Index vermelden. Sie setzt auf eine wissenschaftliche Ausrichtung und soll sich dem Veränderungsprozess verweigern, ihre Teilnahme an der Struktur AG hat sie nach Informationen unserer Redaktion bereits zwei Mal in Folge abgesagt. Auch soll sie Aussagen des Rektorats zur Arbeitsweise der ULB ignorieren. Siebert selbst will all dies "weder bestätigen noch dementieren".

Die Rolle der ULB wird in Kürze auch den Landtag beschäftigen. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Sternberg, hat nach einer Berichterstattung in der "FAZ" eine Anfrage gestellt. Hintergrund: Die ULB ist auch Landesbibliothek, ein Fünftel ihrer 2,5 Millionen Medien stammt aus der Übernahme der Bestände der ehemaligen Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf. Das hat Auswirkungen bis heute - mit einem Kundenausweis der Stadtbibliothek kann man auch bei der ULB Bücher ausleihen.

Alle Pflichten, die sich aus der Funktion als Landesbibliothek ergeben, bleiben laut Prorektor Süß vom "Change-Prozess" jedoch unberührt. Auch habe niemand die Absicht, bei der ULB mehrere hunderttausend Bände auszusondern, wie behauptet worden sei. Zuletzt seien 25.000 Monographien und Zeitschriften aus den Regalen genommen worden, ein normaler Vorgang. Die Direktorin der Bibliothek sei jedoch gebeten worden, ein neues Konzept zur Aussonderung zu erstellen und eine transparente Strategie zu entwerfen. Die Mittel für die Literaturbeschaffung seien parallel sogar um acht Prozent angehoben worden.

Quelle: RP
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