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Düsseldorf
Uni-Spanner: Techniker soll Fotos prüfen

Düsseldorf: Uni-Spanner: Techniker soll Fotos prüfen
Der 50-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Amtsgericht. FOTO: wuk
Düsseldorf. Heimliche Handy-Aufnahmen in Damentoiletten der Uni bleiben womöglich ungesühnt. Das ergab sich am Mittwoch vorm Amtsgericht aus einem Prozessversuch gegen einen 50-jährigen Verdächtigen. Von Wulf Kannegießer

2013 soll er sich mehrfach in die Damentoiletten diverser Uni-Gebäude eingeschlichen, soll dort sein Handy unter der Trennwand hindurch in die Nachbarkabine gehalten und Studentinnen beim Toilettengang heimlich aufgezeichnet haben. Für solche Verletzungen des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Film- oder Fotoaufnahmen drohen Haftstrafen bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen. Da hier aber fraglich ist, ob ein Tatnachweis gelingt, brach die Richterin die Verhandlung am Mittwoch ab, will nun einen Computerexperten als Gutachter befragen.

Drei Studentinnen und ein Uni-Hausmeister waren anhand der Anklage als Zeugen benannt, um den 50-Jährigen am Mittwoch als Täter zu überführen. Die drei Frauen hatten damals jeweils die Handy-Aufnahmen aus der Nachbarkabine bemerkt und Anzeigen erstattet. Der Hausmeister soll das Auto-Kennzeichen des Angeklagten notiert haben, als der angeblich von einem der Tatorte flüchtete.

Zu den Vorwürfen der Anklage sagte der 50-Jährige am Mittwoch aber kein Wort. Dabei waren auch auf seinem Computer diverse Fotos entdeckt worden, die junge Frauen beim Toilettengang zeigten. Anhand der Time-Codes auf diesen Aufnahmen wollte die Anklage jene beschlagnahmten Bilder jetzt den Anzeigen der drei Studentinnen zuordnen. Doch der Anwalt des Angeklagten kritisierte, dass die angeblichen Tatzeiten und die Time-Codes der Aufnahmen nicht zwangsläufig zusammen passen. So sei nicht sicher, ob die Zeitangaben auf den Fotos wirklich zutreffend sind.

Manche der Aufnahmen müssten laut Kennung sogar nachbearbeitet worden sein - und womöglich stammt der Time-Code nicht vom Tag der Aufnahme, sondern von der Nachbearbeitung. Zumal die Opfer auf keiner dieser Aufnahmen erkennbar sind. Rat will die Richterin jetzt bei einem Computer-Experten des Landeskriminalamts einholen, der die Fotos des Angeklagten damals gesichtet und ausgewertet hatte. Wann der Prozess fortgesetzt werden kann, ist ungewiss. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

Quelle: RP
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