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Sparmaßnahmen zeigen drastische Wirkung
Uniklinik: Druck auf Pfleger wächst
Sparmaßnahmen zeigen drastische Wirkung: Uniklinik: Druck auf Pfleger wächst
Oft fehlt den Pflegekräften im Uniklinikum die Zeit, um bei einem Patienten beispielsweise Blut abzunehmen. Der Druck auf Krankenschwestern und Pfleger wächst, da sich zahlreiche Kollegen krankmelden. FOTO: RP/Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Sparmaßnahmen im Uniklinikum zeigen drastische Wirkung: Knapp 90 Stellen wurden laut Personalrat innerhalb von zwei Jahren in der Pflege abgebaut. Die Folge: Versorgungslöcher müssen gestopft werden, oft auf Kosten von Pflegern und Patienten. Von Julia Nakötter

Für Pflegerin Ulrike B. (Name geändert) ist die Arbeit im Uniklinikum zur nervenaufreibenden Pflicht geworden. „Sobald ich auf die Station komme, erfahre ich, dass zwei Kollegen sich krank gemeldet haben und ich alleine für mehr als 30 Betten und Patienten zuständig bin. Das zerrt an den Nerven.“ Als „gefährlicher“ empfindet die examinierte Krankenschwester zudem die Praxis, dass sie und ihre rund 1300 Kollegen sowohl nachts als auch tagsüber auf „fachfremden“ Stationen Patienten versorgen müssen.

„Es kommt regelmäßig vor, dass wir zur Pausenablösung von Klinik zu Klinik geschickt werden“, sagt Ulrike B., die für einige hundert Pfleger spricht. Diese fänden sich mehrfach pro Woche anstatt beispielsweise auf der Kinderstation in der Kardiologie wieder. „Kollegen, die seit Jahren in ihrem Fachbereich arbeiten, sind damit überfordert. Man hat Angst, einen Fehler zu machen“, erzählt B. Berichte, die auch Martin Koerbel-Landwehr vom Personalrat der Uniklinik kennt: „Die Pfleger stehen unter einem enormen psychischen Stress. Sie haben nicht genügend Zeit, die Patienten zu versorgen und gehen abends mit dem Gefühl nach Hause, den Kranken nicht gerecht geworden zu sein. Dies frisst an der Konstitution derjenigen, deren Job es ist zu helfen.“ Burn-Out-Syndrome und Krankmeldungen seien daher keine Seltenheit im Klinikum.

Grund für die „Zustände“ sind laut Personalrat die Sparmaßnahmen der Pflegedirektion. Knapp 90Stellen seien in den vergangenen zwei Jahren abgebaut worden. „Die Stellen der Kräfte, die gekündigt haben oder in Rente gingen, sind nicht mehr besetzt worden“, sagt Koerbel-Landwehr. Hinzu kämen Umstrukturierungen, die weitere Versorgungslöcher gerissen hätten. „Gab es früher drei Stationen mit je zehn Patienten, gibt es heute nur zwei Stationen mit je 13 Patienten, die von der gleichen Anzahl Pfleger betreut werden müssen. Zudem ist die Versorgung durch eine kürzere Verweildauer intensiver.“

Pflegedirektorin Inge Schwarz spricht dagegen von einer „Reorganisation“. Durch Stationsschließungen und Kooperationen seien die Arbeitsplätze von 84 Pflegekräften innerhalb der Klinik verlagert worden: „Die Summe Mensch ist geblieben, sie wird nur anders eingesetzt.“ Betriebsbedingte Kündigungen habe es nicht gegeben. Zudem würden regelmäßig neue Pflegekräfte gesucht. „Jährlich stellen wir 100 ein“, sagt Schwarz. Dennoch räumt die Pflegedirektorin ein: „Es gibt eine Arbeitsverdichtung auf den Stationen. Die Liegezeiten sind kürzer. Der Zeittakt, in dem Patienten versorgt werden müssen, hat sich erhöht.“ Eng werde es, wenn Pfleger krankheitsbedingt ausfallen oder sich eine Auszeit nehmen würden. „Einen Zusammenhang zwischen Krankmeldungen und einem erhöhten Arbeitsdruck gibt es nicht.“ Auch die Pausenablösung innerhalb des Klinikums sei Tagesgeschehen. „Wir weisen den Pflegern keinen neuen Arbeitsplatz zu.“

„Im Moment werden Löcher gestopft, die durch Krankmeldungen entstehen“, sagt Martin Koerbel-Landwehr. Sogar aus der freien Ausgleichszeit würden die Kräfte gerufen. Einige Pfleger würden sogar Überlastungsanzeigen anfertigen, in denen sie alles notieren, was sie während einer Schicht nicht erledigten konnten.

Quelle: RP
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