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Düsseldorf
Uniklinik stellt spanische Pflegekräfte ein
Düsseldorf. Jedes dritte Krankenhaus hat Probleme, Stellen im Pflegebereich zu besetzen. Auch die Uniklinik ist vom Fachkräftemangel betroffen und war deswegen auf Mitarbeitersuche in Madrid – und das erfolgreich. Von Semiha Ünlü

Monatelang wartete man an der Düsseldorfer Uniklinik auf Bewerbungen für die ausgeschriebenen Stellen in der Pflege – doch vergebens. In Spanien wiederum waren wegen der hohen Arbeitslosigkeit Tausende qualifizierte Krankenpfleger und -schwestern verzweifelt auf Jobsuche. Die Uniklinik machte das Beste aus der Notlage: Sie inserierte ihre Jobs in Spanien, fuhr mit einer Delegation nach Madrid, führte dort mit einer Übersetzerin Bewerbungsgespräche und stellte am Ende 19 Pflegekräfte ein.

Marta Gil Rojo ist eine von ihnen. Die 23-Jährige war nach ihrer vierjährigen Krankenhausausbildung an einer spanischen Universität und einer Weiterbildung im Bereich Intensiv- und OP-Medizin fast zwei Jahre lang arbeitslos. "In Spanien gab es keine Perspektive. Viele Krankenhäuser suchen, wenn überhaupt, nur aushilfsweise Pflegekräfte und ich wusste, dass sich die Situation auf lange Sicht nicht bessern würde", sagt die 23-Jährige. Als sie die Annonce der Düsseldorfer Uniklinik im Internet las, musste sie daher nicht lange überlegen.

Während es in Spanien Massenarbeitslosigkeit gibt, sucht man in Deutschland in vielen Branchen nach Fachkräften, inzwischen auch für den Pflegebereich in Krankenhäusern. So gab bei einer aktuellen Prognos-Umfrage fast jedes Dritte an, Schwierigkeiten bei der Besetzung von Pflegestellen zu haben. Und in den kommenden fünf Jahren soll sich die Situation verschärfen: Dann rechnen fast 89 Prozent aller Krankenhäuser mit Engpässen bei der Besetzung der Stellen.

Mit der Entscheidung, Pflegekräfte aus Spanien anzuwerben, ist man an der Düsseldorfer Uniklinik zufrieden. "Unsere Bilanz nach einem guten halben Jahr ist ausgesprochen positiv", sagt Pflege-Direktor Torsten Rantzsch, "das sehen wir als Vorstand und Klinik genauso wie unsere neuen spanischen Mitarbeiter."

Damit die bi-nationale Zusammenarbeit so gut funktioniert, hat man von Anfang an viel Wert auf eine gute Betreuung der Spanier gelegt. "Wir haben bei der Wohnungssuche geholfen, haben sie zu Ämtern wie dem Einwohnermelde- und dem Finanzamt begleitet und haben auch nach der Arbeit und am Wochenende viel mit ihnen unternommen", sagt Elisabeth Schreurs von der Pflegedirektion.

Marta Gil Rojo weiß das Engagement zu schätzen und fühlt sich inzwischen beruflich und privat sehr wohl: "Ich möchte gerne auf Dauer hier bleiben. Mir macht die Arbeit mit den Patienten viel Spaß und in meiner Freizeit gehe ich gerne in die Oper und in die Tonhalle: Ich liebe klassische Musik, auch deswegen ist Düsseldorf perfekt für mich."

Auch sprachlich kommt die 23-Jährige inzwischen sehr gut zurecht. Sie besucht – wie auch alle anderen – einen Deutschkurs. "Nur manchmal suche ich noch nach Wörtern oder bitte einen Patienten, etwas langsamer zu sprechen", sagt sie.

Der Erfolg des bi-nationalen Modells hat sich inzwischen herumgesprochen. "Wir haben Anfragen von anderen Krankenhäusern bekommen, die wissen wollen, wie wir das geschafft haben", sagt Schreurs.

Quelle: RP
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