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Düsseldorf
Uniklinik verklagt Imtech auf 27 Millionen

Düsseldorf. Gebäudetechnik-Firma war an Klinikneubau beteiligt, der am Ende 180 statt 100 Millionen Euro kostete. Von Semiha Ünlü

Mit gut drei Jahren Verspätung und einer Kostenexplosion von 80 Millionen Euro schaffte es der Klinikneubau "Zentrum für Operative Medizin II" (ZOM) an der Uniklinik im vergangenen Jahr ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes und wurde dort als Beispiel für Steuergeldverschwendung aufgeführt. Für die erhebliche zeitliche Verzögerung und Kostensteigerung (statt 100 Millionen Euro kostete der Neubau mit Platz für fünf Kliniken und eine zentrale Notfallambulanz am Ende 180 Millionen) macht die Uniklinik als Bauherrin des Projekts, an dem auch der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) beteiligt war, zum Teil den inzwischen insolventen Gebäudetechnikausstatter Imtech verantwortlich. Wie die Uniklinik auf RP-Anfrage bestätigte, ist eine Klage gegen die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudeausstatters Imtech am Landgericht Düsseldorf eingereicht worden.

"Dabei geht es um Schadenersatzansprüche wegen der um drei Jahre verzögerten Inbetriebnahme des ZOM aufgrund der mangelhaften Brandfallsteuerung", teilte Uniklinik-Sprecherin Susanne Dopheide mit. Nach Angaben eines Sprechers des Landgerichts liegt der Streitwert bei 27 Millionen Euro.

Im Klinikneubau, der im Sommer 2014 eröffnet worden war, hatte es Probleme beim Brandschutz gegeben. So mussten etwa Fahrstühle gegen das Eindringen von Rauch abgeschottet werden und Entrauchungs-/Rauchschutzklappen ausgetauscht werden, weil sie sich im Falle eines Brandes nicht wie vorgeschrieben bei 90 Grad Celsius schlossen. Mit ihrer Klage reagiert die Uniklinik auf eine Klage von Imtech: Denn der Gebäudetechnikausstatter, der auch am Bau des Hauptstadtflughafens beteiligt ist, hatte die Klinik wiederum auf Zahlung von Werklohn für die Arbeiten am ZOM II in Höhe von 9,87 Millionen Euro verklagt. Für eine Stellungnahme war die Firma gestern nicht zu erreichen. Sollte das Insolvenzverfahren des Gebäudetechnikausstatters in Hamburg eröffnet werden, könnten die Verfahren am Düsseldorfer Landgericht nach Angaben eines Gerichtssprechers ausgesetzt werden.

Die Auswirkungen der Imtech-Pleite auf den Campus-Neubau in Derendorf bewertet man an der Hochschule als "überschaubar". Die Firma kümmert sich dort um Elektroarbeiten in einem Gebäude und der Tiefgarage mit Platz für 1000 Stellplätze. "Beide Aufträge sind größtenteils fertiggestellt worden. Die Firma ist nach Angaben des BLB gestern unverändert auf der Baustelle vertreten", so Sprecherin Simone Fischer. BLB-Niederlassungsleiterin Therese Yserentant sagte auf RP-Anfrage, dass mit dem Insolvenzverwalter aber Fragen wie Gewährleistung und Mängelbeseitigung geklärt werden müssten.

Details zu den Auswirkungen der Insolvenz auf den Campus-Bau sollen auf Antrag der SPD-Fraktion im Landtag zudem in der Sitzung des Unterausschusses Landesbetriebe am 26. August geklärt werden.

Quelle: RP
 
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