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Düsseldorf
Unser Dorf soll schön sauber werden

Düsseldorf: Unser Dorf soll schön sauber werden
Drei leidenschaftliche Unterstützer des Dreck-weg-Tages: Seit 2006 sammelt Yousef Dawwas (l.) jedes Jahr mit seiner Frau Maram el Fauri (r.) und Tochter Shams Dawwas Müll. Ihr Highlight war eine Tüte Gummibärchen. FOTO: Hans-jürgen Bauer
Düsseldorf. Ein Drittel weniger Müll als im Vorjahr sammelten die Akteure des 17. Düsseldorfer Dreck-Weg-Tages. Ein gutes Zeichen? 7300 Kinder, Vereine, Firmen und Familien fanden eine Tresortür, Kühlschränke und Autoreifen im Gebüsch. Von Henning Rasche

Peter beugt sich über das Geländer. Sein Blick wandert in der trüben Brühe zwischen Seepflanzen und Schaumhäufchen hin und her. "Da sind ja gar keine Stühle mehr drin", sagt er nach einem Moment fast erstaunt. Vorige Woche schwammen sie noch in diesem Tümpel im Volksgarten. Peter regt sich auf. Wie kommt man auf die Idee, seinen Sperrmüll ins Wasser zu werfen? Einen Einkaufstrolley zieht Peter hinter sich her. Plastikbecher ragen heraus, Limoflaschen wackeln darin. Der Oberbilker Schützenverein Sankt Sebastianus hat in Peter einen fürsorglichen Begleiter gefunden.

Es ist Dreck-weg-Tag. Zum 17. Mal schon sammeln in ganz Düsseldorf Bürger Müll, Abfall und Dreck auf. Die Aktion von Pro Düsseldorf und Awista findet immer mehr Begeisterte für die Idee des Reinemachens. Einen Tag später wird der Vorsitzende von Pro Düsseldorf, Ingo Lentz, Bilanz ziehen: "7300 Helden waren in Düsseldorf aktiv." 20,3 Tonnen Müll kamen dabei zusammen - ein Drittel weniger als im Vorjahr. Ist die Stadt nun sauberer geworden?

Ein Schritt zurück. Wer sind diese Helden, von denen Ingo Lentz spricht? Da sind Peters Schützen, die den Volksgarten aufräumen. Da sind Unternehmen, die mit orange leuchtender Warnweste und Müllsäcken durch die Stadt ziehen. 29 Schulen, 20 Kindergärten, ganz viele Einzelkämpfer. Und da ist die Familie Dawwas.

Noch sind die Säcke leer: Der Nachwuchs des Oberbilker Schützenvereins St. Sebastianus suchte im Volksgarten nach Müll. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Yousef Dawwas steht an den Niederkasseler Rheinwiesen und blickt umher. Er trägt Kapuze, einen Schal und Handschuhe. Nieselregen peitscht im Rhythmus des Winds ins Gesicht. Zwei Stunden lang hat der Träger des "Goldenen Besens" das Gebiet nach Abfall durchforstet. Seine sechsjährige Tochter, die Yousef schon ihr Leben lang mit zum Dreck-weg-Tag nimmt, erzählt, was sie gefunden hat. "Eine Tüte Gummibärchen. Aber noch geschlossen!", grinst sie. Yousef Dawwas und seine Frau Maram el Fauri finden es wichtig, dass ihre Tochter dabei ist: "So lernt sie, dass man nicht einfach etwas fallen lassen kann." Als Yousef 2006 aus Stuttgart kommt, wird er sofort zum blühenden Fan des Dreck-weg-Tages.

Im Vereinshaus der DJK Agon 08 in Mörsenbroich steht Manfred Novacek am Tresen und nippt am Kaffee. Um 8 Uhr hat er mit 60 jungen Fußballern zwischen fünf und elf Jahren angefangen und deutlich über ein Dutzend Müllsäcke gefüllt. "Wir wollen Kinder sensibilisieren, was sie in die Büsche werfen", sagt Novacek. Draußen auf dem Platz rennen eben diese Kinder schon wieder umher, treten gegen den Fußball, lachen, haben Spaß. Es ist bizarr, was man so alles im Gebüsch findet. "Wir haben Elektrogeräte, Kühlschränke und Kacheln entdeckt", berichtet der Vorsitzende des Vereins. "Und ganz viel Abfall eines großen Fast-Food-Konzerns."

Im Medienhafen trifft man Mitarbeiter des Intercontinental Hotels. Von ihnen selbst ging vor Jahren die Initiative aus, sich am Dreck-weg-Tag zu beteiligen. "Auf der Kö ist es immer recht sauber, also haben wir uns in der Stadt verteilt", erzählt Assistant Manager Oliver Kurscheid. Aber ohnehin mache Düsseldorf einen eher sauberen Eindruck.

20,3 Tonnen Müll in drei Stunden. So sauber ist es dann doch nicht.

Quelle: RP
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