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Kolumne Auf Ein Wort
Unser Vorbild St. Martin

Düsseldorf. In diesen Tagen ziehen überall in unserer Stadt die Martinszüge durch die Straßen. Die Kirche feiert heute das Fest des Heiligen Martin. Die Kinder in unseren Kindertagesstätten und den Schulen erinnern sich, wie jedes Jahr, an den Soldaten, der zum Bischof wurde. Er ist dem Beispiel Jesu Christi gefolgt. Er hat sich denen zugewandt, die menschliche Zuwendung und Hilfe bei ganz konkreten Sorgen des alltäglichen Lebens brauchten. Die Menschen damals haben gespürt, dass dieser Mann sie ernst nimmt. Darum wollten sie genau ihn zu ihrem Bischof machen. Der heilige Mann, der mit dem Bettler seinen Mantel teilte, soll uns ein Vorbild sein. Er soll uns aufmerksam und sensibel machen, dort hin zu schauen, wo Menschen hier und heute unsere Zuwendung brauchen. Da ist es mit dem Teilen eines Weckmanns oder dem freigiebigen Beschenken der Kinder mit süßen Sachen am Martinsabend nicht getan.

Die Menschen in Politik und Gesellschaft halten nach der Präsidentenwahl in den USA den Atem an. Menschen sind über den deutlichen Wahlsieg von Donald Trump erstaunt, viele sind schockiert. Andere freuen sich, es dem "Establishment gezeigt zu haben".

In der Politik werden die Töne lauter, die fordern, die Stimmung in Amerika auch als Mahnung für unsere Gesellschaften in Europa zu werten. Menschen wenden sich ab, weil sie sich abgehängt oder nicht ernst genommen fühlen. Sie suchen sich andere Kräfte, denen sie ihr Vertrauen schenken und in die sie ihre Hoffnung setzen. Die Politik sollte und will sich daher auf die Fahne schreiben, die Menschen mit ihren Sorgen ernst zu nehmen.

Auch die Kirchen, deren Kerngeschäfte Hoffnung und Vertrauen sind, erleben, dass sich Menschen abwenden, weil sie sich von uns in ihren Lebenssituationen und mit ihren Anliegen nicht ernst genommen fühlen. Der Heilige Martin könnte dieser Tage also nicht nur ein Vorbild sein, der den Kindern zeigt, wie wichtig es ist, mit anderen zu teilen. Er kann uns erinnern, wie wichtig es ist, gerade die Menschen ernst zu nehmen, die Angst vor dem Abgehängt-Sein haben. Ich glaube fest an eine integrierende Kraft der Botschaft Jesu Christi und dem damit verbundenen Menschenbild.

An diese Kraft erinnert uns der Heilige Martin in einer Zeit, in der weltweit die Sehnsucht nach gegenseitiger Zugewandtheit, Frieden und Respekt wieder einmal am größten zu sein scheint.

Quelle: RP
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