| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Unterwegs auf der Straße

Düsseldorf. Seit zwei Jahren ist Nabil Hagui im Stadtbezirk 6 Ansprechpartner für Jugendliche. Er versucht, diese mit ansprechenden Angeboten von der Straße zu holen. Jetzt kümmert er sich auch um junge Flüchtlinge. Von Julia Brabeck

Wenn Nabil Hagui durch den Stadtbezirk 6 (Rath, Unterrath, Lichtenbroich, Mörsenbroich) läuft, dauert es nicht lange, bis er von Jugendlichen gegrüßt wird. Der 35-Jährige ist dort für das Jugendamt im Bereich der aufsuchenden Arbeit tätig. Das bedeutet: Der studierte Sozialpädagoge und Sozialarbeiter wartet nicht auf die jungen Menschen, um mit ihnen in Kontakt zu kommen, sondern er geht dorthin, wo sich die Jugendlichen aufhalten. "Ich treffe sie beispielsweise im Bus und an den Haltestellen, ich stelle mich in Schulklassen vor und gehe auf die Schulhöfe, und ich besuche die Freizeiteinrichtungen im Bezirk."

Haguis Tätigkeit ist an die Freizeiteinrichtung Ammerweg in Unterrath angegliedert. Dort übernimmt er auch Projekte und betreut als Urlaubsvertretung Angebote wie Billardturniere oder mal einen Discoabend. "Das Wichtigste ist aber, als Ansprechpartner vor Ort zu sein, mit den Jugendlichen beispielsweise Gespräche über ihre Zukunft zu führen." Den Großteil seiner Arbeitszeit ist Hagui dafür auf der Straße unterwegs. Bis zu zehn Kilometer legt er täglich zu Fuß zurück, um ganz nah an den Menschen zu sein. Was ihm dabei sehr zugutekommt: Hagui spricht fließend Arabisch, Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch und noch ein wenig Spanisch - und er will auch noch Türkisch lernen. "Wenn ich die Jugendlichen in ihrer Muttersprache anspreche, sind sie sofort viel offener. Dadurch fällt es leichter, einen Kontakt aufzubauen und Vertrauen herzustellen."

Zudem sähen die Jugendlichen das auch als Wertschätzung. "Das ist sowieso sehr wichtig, die Jugendlichen ernst zu nehmen. Man darf sie auf gar keinen Fall vorab in eine Schublade stecken, sie nach dem Äußeren beurteilen." Er entdecke oft viele gute Seiten an den jungen Menschen. "Die sind bloß häufig sehr orientierungslos, sehen keine Perspektive und erhalten keine Unterstützung aus dem Elternhaus." Für einige sei er eine Art Vorbild, weil sie sähen, was er selbst erreicht hat. Denn Hagui wurde zwar in Deutschland geboren, wuchs aber in Tunesien auf und kam vor neun Jahren nach Deutschland zurück. "Ich weiß also, wie man sich fühlt, wenn man die Sprache nicht spricht, viel Neues lernen muss." Als Brennpunkt im Bezirk sieht er den Stadtteil Rath. Dort fehle es vor allen Dingen an Treffpunkten für Jugendliche, denen dann nur noch der öffentliche Raum bleibe. Der Sozialarbeiter versucht deshalb, die Jugendlichen mit vorhanden Angeboten vertraut zu machen oder neue Angebote zu schaffen. Erfolgreich ist er etwa mit einem Box-Projekt. Diejenigen, die dabei ein Jahr lang durchgehalten haben, hätten sich positiv verändert. "Sie haben nun Disziplin, Respekt und sind pünktlicher geworden."

Neue Aufgabenbereiche für Hagui sind durch die vielen Flüchtlinge im Stadtbezirk hinzugekommen, die er in den verschiedenen Unterkünften besucht. Einmal in der Woche sorgt er dafür, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in die Jugendfreizeiteinrichtung Ekkehardstraße in Rath kommen, um die dortigen Angebote kennenzulernen. Inzwischen kommen viele Flüchtlinge an den anderen Tagen auch selbstständig dorthin. Zudem bietet er gemeinsames Fußballspielen in der Schulturnhalle Beedstraße an. Denn ihm ist es wichtig, dass Flüchtlinge und Jugendliche aus dem Stadtbezirk gemeinsam ihre Freizeit gestalten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Unterwegs auf der Straße


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.