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Dolche, Drogen, Flughunde
Unterwegs mit dem Zoll am Düsseldorfer Flughafen

Ein ganz normaler Tag beim Düsseldorfer Zollamt
Hitler bekommt Einreiseverbot - da sind die Beamten des Flughafen-Zolls streng. Und auch sonst sehen die Zöllner jeden Tag allerhand Kurioses. Wir haben sie in der Frühschicht begleitet. Von Tim Specks und Andreas Bretz (Fotos), Düsseldorf

Der Mann mit den Nazidolchen kommt mit dem Flieger aus Atlanta. Am Gepäckband hebt er einen Koffer und einen Pappkarton auf den silbernen Rollwagen, dann steuert er zielgerichtet auf die Männer vom Zoll zu. "Guten Tag", sagt er. "Ich habe etwas anzumelden."

Es ist kurz nach zehn Uhr. Marcel Spreyer und Ingo Klinkhammer sind seit vier Stunden im Dienst, als der Mann indischer Herkunft vor ihnen steht. Die beiden arbeiten beim Düsseldorfer Zollamt und suchen am Flughafen nach Waren, die unerlaubt in die Bundesrepublik eingeführt werden sollen.

Waffen, Medikamente - und ein Krokodil

Allein im Jahr 2015 stellten der 39-Jährige und seine Kollegen 286 Waffen sicher. Hauptsächlich waren das Messer, Schlagringe, Wurfsterne oder als Taschenlampen getarnte Elektroschocker. Spreyer und Klinkhammer schützen die Passagiere aber auch vor sich selbst.

Unterwegs mit den Beamten vom Düsseldorfer Zoll FOTO: Bretz Andreas

Gerade im Fall von Medikamenten sei vielen Reisenden nicht bewusst, was sie da eigentlich aus dem Ausland mitbringen: "In Deutschland kauft man Medikamente in der Apotheke, im Ausland gibt es Antidepressiva auf dem Basar. Was die Leute einführen, kann ein Placebo sein, oder aber anders dosierte Medizin, als es die Leute von zu Hause kennen."

Zurück zum Ankömmling aus Atlanta. Er habe Ausstellungsstücke für eine Messe in Kassel in seinen Taschen, erklärt er. Als einer der Zollbeamten den ersten Koffer öffnet, holt er ein in Folie eingepacktes Schwert hervor, dann noch eins, später eine Reihe von Dolchen. Nach dem Waffengesetz ist deren Einfuhr erlaubt. Auf einem großen, eingerollten Stück Papier, das der Passagier bei sich hat, steht in schwarzen Buchstaben "world map", Weltkarte, - auch kein Grund zur Beunruhigung. Vorerst.

Spreyer und Klinkhammer wirken bei ihrer Arbeit abgeklärt. Waffen, Drogen oder andere Schmuggelware im Gepäck von Reisenden zu entdecken, ist für sie Routine. Im Laufe der Jahre haben die beiden allerhand kuriose Funde gemacht.

"Letztes Jahr haben wir ein ausgestopftes Krokodil entdeckt", erzählt Klinkhammer. Rund einen Meter lang, von allen Innereien befreit und getrocknet, hatte es ein Passagier von Mauritius über St. Petersburg nach Düsseldorf mitgebracht: "Als Geschenk für seine Mutter." Noch am Morgen, bevor der indische Passagier vor sie trat, waren dem Zoll am Flughafen geröstete Flughunde untergekommen, die ein Reisender bei sich trug - als Snack.

Drogen im Rollstuhl: Zöllner brauchen ein gutes Auge

Für deutlich mehr Arbeit sorgen Drogen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte der Zoll am Flughafen rund 150 Kilogramm Betäubungsmittel mit einem Wert von rund 6,6 Millionen Euro. Den größten Anteil habe mit 148,11 Kilogramm Kokain ausgemacht, sagt Zollsprecher Michael Walk.

Gerade Drogenschmuggler legen bei ihren Versuchen, Kokain oder andere illegale Substanzen nach Deutschland zu bringen, eine erstaunliche Kreativität an den Tag. So versuchte ein Reisender in Düsseldorf, Betäubungsmittel in einem Rollstuhl versteckt einzuschleusen. In solchen Fällen kommen den Beamten ihr geschultes Auge und ihre Erfahrung zugute.

Kontrollen werden meist stichprobenartig durchgeführt, allerdings mit einem Augenmerk auf wahrscheinliche Schmuggelware. "Risikoorientiertes Kontrollieren", nennt der Zoll das. Soll heißen: Kommt ein Flieger aus einem als Drogenumschlagplatz bekannten Ort wie Curaçao oder Kolumbien, werden häufiger Drogenschnelltests bei Passagieren durchgeführt. Bei Reisenden aus den USA oder Asien hingegen wird verstärkt das Gepäck kontrolliert - es könnten Warenmengen eingeführt werden, die verzollt werden müssen.

Hakenkreuz auf Dolchen? Ein No Go - genau wie ein Hitler-Fanplakat

Ein ganz anderes Problem stellt sich beim Reisenden aus Atlanta heraus. Auf einem der Dolche entdecken die Beamten ein kleines Hakenkreuz. "Jetzt müssen wir das gesamte Gepäck durchsuchen", sagt Klinkhammer. Das Verbreiten oder Verwenden verfassungswidriger Symbole ist in Deutschland eine Straftat.

Und: Es bleibt nicht bei einem Dolch, auf dem Klinkhammer und sein Kollege ein Hakenkreuz entdecken. Gleich eine Handvoll Waffen sind damit gekennzeichnet - die Beamten wirken alarmiert. Noch einmal fällt ihr Blick auf die vermeintliche Weltkarte. Als sie das Papier entrollen, verschlägt es ihnen die Sprache.

Das Plakat zeigt ein Abbild von Adolf Hitler vor einem Hakenkreuz. Während es ob der vielen Nazisymbole im Kontrollbereich langsam unruhig wird, bleibt der Passagier, der sie mitbrachte, gelassen. "Ich wusste nicht, dass sie hier verboten sind", sagt er.

Michael Walk kennt dieses Problem. "Vielen ausländischen Reisenden fehlt der Bezug zu diesen Symbolen", sagt er. So würden in Osteuropa etwa Tassen mit dem Konterfei Hitlers an Reisende verkauft. Das böse Erwachen folgt dann, wenn sie vor Spreyer, Klinkhammer und ihren Kollegen stehen.

Da helfen dann auch keine Unschuldsbeteuerungen mehr, erklärt Walk: "Wir stellen in jedem Fall einen Strafbefehl aus. Wissen oder nicht wissen - das spielt hier keine Rolle." Das weiß jetzt auch der Mann mit den Nazidolchen.

Quelle: RP
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