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Düsseldorf
Urteil: Aufsatz schreiben wegen Hakenkreuz-Graffiti

Düsseldorf. Ein großes Hakenkreuz schmierte ein 15-Jähriger auf die Rückseite seiner Schule in Vennhausen. Jetzt muss er einen Aufsatz über ein wichtiges Thema schreiben.

Ein Amtsrichter ließ sich eine besondere Sanktion einfallen. Formell wurde der Schüler für die Verwendung des verbotenen Nazi-Symbols am Donnerstag schuldig gesprochen und verurteilt.

Als erzieherische Maßnahme muss er jetzt laut Richterspruch aber nicht bloß 20 Sozialstunden ableisten, sondern muss außerdem seine politische Bildung aufbessern. Der Richter verdonnerte ihn nämlich dazu, einen umfangreichen Aufsatz über das nationalsozialistische Terrorregime zu schreiben und dem Gericht vorzulegen.

Und damit der 15-Jährige überhaupt einmal erfährt, wie menschenverachtend es damals zuging, muss er sich vorher nach Weisung des Gerichts eine ausführliche Film-Dokumentation über die Verbrechen unter der Herrschaft der Nationalsozialisten und dem Hakenkreuz anschauen. Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte dafür plädiert, dass der Schüler sich den Hollywood-Streifen "Schindlers Liste" ansehen müsse. Diesem Vorschlag ist der Richter allerdings nicht gefolgt.

Im Prozess (der nach Jugendrecht und mit Rücksicht auf das jugendliche Alter des Angeklagten hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde) gab der Junge seine Fassaden-Schmiererei zu. Eine klare Begründung dafür konnte er aber nicht nennen. Und gestehen musste er auch, dass er weder die genaue Bedeutung dieses verbotenen Symbols kannte noch irgendetwas über die Gräueltaten jener Zeit wusste. So wenig hatte er sich mit der Nazi-Zeit auseinandergesetzt, dass er das Hakenkreuz-Symbol sogar verkehrt herum an die Schul-Rückseite geschmiert hatte.

(wuk)
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