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Berufungsprozess in Düsseldorf
Urteil gegen Pfefferspray-Lehrerin bestätigt

Berufungsprozess in Düsseldorf: Urteil gegen Pfefferspray-Lehrerin bestätigt
Mit Spray wie diesem ging die Lehrerin auf Mitreisende los. FOTO: dpa, dka htf skm
Düsseldorf. Ein angeblich zu lautes Handy-Telefonat hatte eine Sportlehrerin so in Rage gebracht, dass sie mit im Regionalexpress das Pfefferspray zückte. Das Landgericht hat das Urteil gegen sie am Donnerstag bestätigt. Von Wulf Kannegießer

Im April war die 55-Jährige mit acht Monaten Bewährungsstrafe plus 1000 Euro Buße belegt worden. Verletzt wurden eine Mitfahrerin (34) und zwei andere Fahrgäste. Bei der Berufung der Lehrerin kam das Landgericht am Donnerstag ebenfalls zum Schuldspruch. Der Protest der Frau wurde verworfen, ihre Bestrafung bestätigt.

Die Sportlehrerin, die per Zeitvertrag an einem Gymnasium beschäftigt ist, sah sich selbst als Opfer. Zwischen Hauptbahnhof und dem Halt in Benrath habe eine 34-Jährige hinter ihr im Dezember 2014 so laut via Handy telefoniert, dass die Lehrerin nur ein Gegenmittel wusste: "Ich fing an, laut aus meinem Buch vorzulesen."

Doch dann habe sich jene Handy-Mitreisende zu ihr gebeugt und geraten: "Wenn Sie das Telefonieren stört, sollten Sie mit dem Auto fahren!" Die Angeklagte behauptet, sie sei dann plötzlich von Pfefferspray eingenebelt, selbst verletzt worden.

Lehrerin bestreitet, gesprüht zu haben

"Nur zur Abwehr" habe sie ebenfalls ein Pfefferspray gezückt, es demonstrativ hoch gehalten - ohne zu sprühen. Doch die Handy-Mitreisende und zwei weitere Männer aus dem Großraumwaggon beteuerten, dass nur die Lehrerin gesprüht habe.

Die 34-Jährige, die seitlich an Gesicht und Hals getroffen wurde ("Aus Reflex konnte ich den Kopf gerade noch wegdrehen!") habe lange gerätselt, ob es womöglich sogar Säure gewesen sein könnte, die sie getroffen hatte. Immerhin blieben Wange und Hals tagelang geschwollen.

Gefahr fürs polizeiliche Führungszeugnis

Die Angeklagte sagte gestern, sie habe "niemanden verletzen wollen", trage nun auch kein Pfefferspray mehr bei sich. Und weil sie für den nächsten Zeitvertrag als Lehrerin stets ein blütenweißes Führungszeugnis vorzulegen habe, müsse sie um ihren Job fürchten.

Das Landgericht sah nach Anhörung von drei Zeugen aus dem Regionalexpress trotzdem keine andere Möglichkeit, als das ursprüngliche Urteil gegen die Pädagogin wegen gefährlicher Körperverletzung zu bestätigen.

Quelle: RP
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