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Düsseldorf
Venetien-Zoff könnte Zoch-Wagen werden

Das ist der Venetienclub in Düsseldorf
Das ist der Venetienclub in Düsseldorf
Düsseldorf. Die nicht beteiligten Jecken reagieren belustigt und betroffen auf die Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand des Venetienclubs und der früheren Präsidentin Angela Erwin. Das Ganze könnte ein kreatives Nachspiel haben. Von Christian Herrendorf, Denisa Richters und Jan Wiefels

Normalerweise ist Wagenbauer Jacques Tilly kein Freund davon, Karnevals-Interna zum Thema eines Mottowagens zu machen - schließlich ist seine wichtigste Bedingung, dass die Menschen am Straßenrand sofort verstehen, was Ziel seiner Satire ist. Mit Blick auf den aktuellen Streit des Venetien-Clubs aber sagt er: "Es ist eine Option." Mehr verrät er traditionell nicht, liefert aber zumindest noch eine Erklärung für den Fall, dass dieser Gedanke Wirklichkeit wird: "Selbstironie ist die edelste aller Tugenden des Humoristen."

Die Auseinandersetzung zwischen Vereinsspitze und der ehemaligen Präsidentin Angela Erwin ging gestern weiter: Im Namen des gesamten Clubs wurde eine Mitteilung veröffentlicht, in der es heißt, dass die Mitglieder hinter dem Vorstand stehen und der Club "nie besser aufgestellt war als heute". Ein Beleg dafür sei auch die Rückkehr von vier Venetien (Dagmar Pagalies, Dagmar Müller-Klug, Manuela Fehling, Jasmin Hauck), die den Club schon verlassen hatten.

Ausgangspunkt des Streits war eine Mitgliederversammlung des Vereins in der vergangenen Woche. Dabei beschlossen die Anwesenden mit zwölf Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen ein Ausschlussverfahren gegen Erwin einzuleiten, weil sie sich vereinsschädigend verhalten haben soll. Die Betroffene konnte wegen eines Todesfalls in der Familie nicht bei der Sitzung dabei sein und kam dem Ausschluss anschließend durch Rücktritt zuvor.

Die Venetien legten gestern auch Wert darauf, dass der Club nicht auf Angela Erwin zurückzuführen sei. Ein Zusammenschluss der ehemaligen Venetien sei von Engelbert Oxenfort 1987 initiiert worden, dieser Club sei 2003 von Erwin dann in einen Verein überführt worden. Auf der Internetseite des Vereins stand das gestern allerdings noch ganz anders: Auf "Anregung von Ex-Venetia Angela Erwin" und auf Wunsch anderer ehemaliger Venetien sei 2003 der Club entstanden. "Sie legten damit den Grundstein für die zukünftige Frauen-Power im Karneval", heißt es weiter. Und unter der Rubrik Chronik ist zu lesen, dass es Erwins Idee gewesen sei, "den ehemaligen Venetien eine Heimat zu geben". Sie habe den Venetienclub "zu einem etablierten angesehenen Verein" geführt.

Der Venetienclub (v.l.) vor seiner Sitzung Mitte Januar (v.l.): Claudia Keime, Ulla Imdahl, Gisela Bellwied, Karin Hohenstein, Irene Heinen, Angela Erwin, Anke Conti Mica, Heidrun Leinenbach, Renate Höhe, Alena Raths, Dagmar Bahners, Ute Heierz-Krings, Marion Riesenfeld, Dagmar Pagalies, Claudia Monréal, Janine Kemmer, Jasmin Hauck, Sandra Jachmann und Manuela Fehling. FOTO: Jürgen Markus

Im Umfeld des Clubs herrscht Kopfschütteln und Hoffnung auf baldige Ruhe. Michael Laumen, Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC), sagte, der Streit sei eine "interne Angelegenheit" des Venetienclubs, auf die das CC keinen Einfluss hat. "In jeder Familie gibt es mal Streit, das gilt auch für jeden Verein." CC-Ehrenpräsident Engelbert Oxenfort erklärte, die aktuelle Entwicklung stimme ihn traurig. Der 80-Jährige wünscht sich "ein bisschen Demut" von den Beteiligten. "Wer miteinander redet, kann vieles auf den Weg bringen."

Zumindest auf der Internetseite ist der Club Oxenforts Meinung. Dort ist zu lesen: "Der Zusammenhalt ist, entgegen aller üblichen Betrachtungsweisen, wenn viele Frauen zusammen sind, ausgesprochen stark." Die Realität sieht anders aus.

Quelle: RP
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