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Düsseldorf
Verdächtiger schießt auf Drogenfahnder in Mörsenbroich

Schüsse bei Polizei-Durchsuchung
Düsseldorf. Die Kriminalpolizei wollte am Mittwoch eine Wohnung in Mörsenbroich durchsuchen, in der sich ein 25-Jähriger häufig aufhielt. Als er das Feuer eröffnete, schoss ein Polizist zurück - und traf den Mann an der Hüfte. Von Stefani Geilhausen

In der Düsseldorfer Uni-Klinik liegt Justin L.*) derzeit in der Obhut der Justiz. Der 25-Jährige ist festgenommen, steht im Verdacht, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein und mit einer scharfen Waffe auf Polizisten geschossen zu haben. Einen Bewacher braucht der junge Mann zunächst wohl nicht: Eine Polizeikugel hat seine Hüfte durchschlagen, sein Gehvermögen ist dadurch erst einmal eingeschränkt.

In der Nachbarschaft im gepflegten Wohnviertel an der Wrangelstraße ist das dramatische Geschehen gestern am frühen Morgen nahezu unbemerkt geblieben. Erst als immer mehr Polizeifahrzeuge und der Rettungsdienst mit Blaulicht vorfuhren, guckten die Ersten aus dem Fenster. Justin L. kennen die meisten nur vom Sehen; er soll in der Wohnung, die die Polizei gestern um 6.45 Uhr durchsuchen wollte, auch nur ein häufiger Gast, aber nicht dort gemeldet sein.

Fest steht, dass die Adresse bereits vor einiger Zeit auf dem Radar der Drogenfahndung aufgetaucht ist. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Durchsuchungsbefehl für die Wohnung erwirkt, mit dem vier Kriminalbeamte gestern früh dort auftauchten. Als auf ihr Klingeln niemand reagierte, setzten sie eine Ramme ein, öffneten die Tür gewaltsam. Im selben Moment habe der 25-Jährige das Feuer auf die Beamten eröffnet, von denen einer zurückschoss und den Schützen am Oberschenkel traf. Rettungsdienst und Notarzt kümmerten sich um den Verletzten, der ansprechbar und augenscheinlich nicht lebensgefährlich verletzt war.

Schusswechsel bei Durchsuchung in Mörsenbroich FOTO: Gerhard Berger

Wohnung mit Ramme aufgebrochen

Wohnungstüren mit Gewalt zu öffnen, ist nicht nur Spezialeinheiten der Polizei vorbehalten. Gerade Drogenermittler müssen immer damit rechnen, dass Verdächtige nach dem ersten Klingeln schnell noch die Beweismittel entsorgen. So soll auch gestern in Mörsenbroich die Ramme erst eingesetzt worden sein, als auf das Läuten in der Wohnung nicht reagiert wurde.

Justin L.s Waffe wurde sichergestellt. Warum und woher er sie hat, ob er sie besitzen darf und war für eine Art Schusswaffe es ist, muss nun die Polizei in Wuppertal klären, die im Auftrag der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft die Untersuchung des Schusswechsels übernommen hat. Auch die Dienstwaffe des Kriminalbeamten ist beschlagnahmt - sie dürften die Wuppertaler Kollegen auch ohne Waffenexperten als Walther P99 identifizieren können - mit ihr schießt die Polizei in ganz NRW. In der Regel allerdings nur zu Trainingszwecken - die Schussabgabe im Einsatz ist eher selten und zieht jedes Mal Ermittlungen nach sich. Die werden in der Regel nicht im eigenen Haus geführt, sondern zur Vermeidung eines Interessenkonflikts an eine andere Dienststelle abgegeben. Zuletzt hatte im vergangenen Jahr ein Polizeibeamter von der Waffe Gebrauch gemacht, als er und ein Kollege im Einsatz mit einem Messer angegriffen wurden. Die Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft schnell eingestellt, weil der Schuss offensichtlich in Notwehr abgegeben worden war.

*) Name geändert

Quelle: RP
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