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Düsseldorf
Verein will Regierungssitz am Rheinturm

Düsseldorf: Verein will Regierungssitz am Rheinturm
Der Entwurf von Christoph Ingenhoven sieht zwei Wohntürme mit versetzten Etagen und begrünten Terrassen vor. FOTO: Ingenhoven architects
Düsseldorf. Heimatverein Bilker Heimatfreunde und Dachorganisation AGD kritisieren die Pläne, neben dem Rheinturm Hochhäuser zu bauen. Von Denisa Richters

Der städtischen Tochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) gehören viele Gebäude und Grundstücke. Aber eine Immobilie ist besonders begehrt: der Rheinturm, wichtiges Wahrzeichen von Düsseldorf, und vor allem der direkt daneben liegende Parkplatz. Ein Grundstück mit bestem Rheinblick. Das hat schon bei mehreren Rathaus-Chefs die Fantasie angeregt.

Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) dachte ernsthaft darüber nach, das Areal mit einer Baugenehmigung zu versehen und lukrativ zu verkaufen. Sein Amtsnachfolger Dirk Elbers (CDU) hatte ähnliche Gedanken. Beide nahmen jedoch rasch wieder Abstand davon, angesichts des Protests, der sich in der Bürgerschaft zusammenbraute.

Kämpfen gegen die Wohntürme (v.l.): Bernhard von Kries (AGD), Erich Pliszka und Susanne Versen (beide Heimatverein Bilker Heimatfreunde). FOTO: H.-J. Bauer

OB Thomas Geisel (SPD) macht einen neuen, ganz konkreten Vorstoß. Auf der Immobilienmesse in Cannes gab er im März bekannt, das Grundstück verkaufen zu wollen, und präsentierte dafür gleich einen Entwurf des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven. Der sieht 13 beziehungsweise 17 Geschosse mit versetzt übereinandergestapelten Etagen vor.

Dagegen formiert sich erneut Protest. Die Auslobung für das Bieterverfahren wurde vom Planungsausschuss auf den Weg gebracht, obwohl die zuständige Bezirksvertretung die Wohntürme zuvor einstimmig abgelehnt hatte. Ungeheuerlich finden das Erich Pliszka, Präsident des Heimatvereins Bilker Heimatfreunde (365 Mitglieder), und Bernhard von Kries, Vorsitzender der Aktions Gemeinschaft der Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (ca. 30.000 Mitglieder).

Die gelb markierte Fläche neben dem Rheinturm soll verkauft und mit zwei Hochhäusern bebaut werden. FOTO: Stadt Düsseldorf, Bearbeitung: nic

"Eine Bebauung an einer städtebaulich so bedeutenden Stelle erfordert zwingend, die Bürger mit einzubeziehen", sagt von Kries, selbst Architekt. Die Bezirksvertretung wisse am besten, was im Sinne der Menschen vor Ort sei. Als Landtag, Stadttor, WDR-Gebäude und Bürgerpark Bilk als stimmiges Ensemble angelegt worden seien, sei es klares Ziel gewesen, die Freifläche nicht zu bebauen. Nicht nur aus städtebaulichen Gründen wie Sichtachsen, auch wegen der Frischluftschneise vom Rhein zur Innenstadt.

"Herr Geisel war vor der Wahl bei uns, hat Bürgernähe, Transparenz und eine Stärkung der Stadtteile versprochen. Aber er macht doch nur, was er will", sagt Pliszka. Offenbar gebe es für Geisel nur noch Ingenhoven als Architekten - und dessen Entwurf sehe aus "wie aufgestapelte Schuhkartons". Die Düsseldorfer Jonges haben Unterstützung signalisiert, selbst Landtagspräsidentin Carina Gödecke habe sich in einem Gespräch nicht begeistert von den Plänen gezeigt.

Aus dem Gespräch haben Pliszka und van Kries eine Idee entwickelt, schließlich wollten sie im Dialog eine konstruktive Lösung anbieten. Vor dem Hintergrund, dass die Stadt ein Regierungsviertel anstrebe, sollte die Fläche dafür ins Auge gefasst werden: "Der Mietvertrag der Staatskanzlei im Stadttor läuft bald aus, dann könnte neben dem Rheinturm ein repräsentativer Ministerpräsidenten-Sitz entstehen", sagt Pliszka. Dieser sollte aber weit niedriger als die Wohntürme sein. Dass damit nicht die angestrebten 25 Millionen Euro zu erzielen sind, stört von Kries nicht: "Bei der städtebaulichen Bewertung sollte der Wert eines Grundstücks hinten stehen." Mit all dem soll Geisel am 6. Oktober konfrontiert werden: beim OB-Dialog im Bürgersaal Bilk (18.30 Uhr, Bachstraße 145).

Quelle: RP
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