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Düsseldorf
Vereine suchen ehrenamtliche Trainer

Düsseldorf: Vereine suchen ehrenamtliche Trainer
Calven Bräuer absolviert bis zum Studienbeginn ein freiwilliges soziales Jahr beim CfR Links in Heerdt. Auch danach möchte er die Kinder trainieren, denn die Bambini bräuchten Stabilität, findet er. FOTO: Jana Bauch
Düsseldorf. Beim CfR Links hat man Glück: Dort absolviert Calven Bräuer ein freiwilliges soziales Jahr und trainiert 13 Bambini. In anderen Sportvereinen in der Stadt sieht es mit freiwilligen Helfern schlechter aus. Von Manfred Johann und Semiha Ünlü

Es ist viel los an den Nachmittagen in der Woche auf der Sportanlage des CfR Links an der Pariser Straße. Auf dem großen Platz trainieren Jugendteams, einige üben das Schießen von Eckbällen oder Torschüsse aus allen Lagen. Noch lebhafter geht es aber auf dem kleinen Übungsplatz neben dem Vereinsgebäude zu: Dort beginnt gerade das Training der ganz kleinen Fußballer des linksrheinischen Vereins. 13 Bambini des Jahrgangs 2011, zum Teil schon mit schwarzer Hose und rotem Hemd in den Vereinsfarben des CfR, scharen sich um ihren jungen Trainer Calven Bräuer, selbst Kreisliga-Kicker bei Eintracht Hoeningen. Nach bestandenem Abitur will er Sportwissenschaften studieren und absolviert nun bis zum Studienbeginn ein freiwilliges soziales Jahr in dem Fußballclub. "Wir sind sehr froh, das wir die Möglichkeit bekommen, auf diese Art und Weise unseren Mangel an ehrenamtlichen Helfern kompensieren zu können", sagt Jugendobmann Wolfgang Mense. Denn händeringend suche man zurzeit Trainer zwischen 18 und 80. Ein Problem, mit dem auch viele andere Vereine zu kämpfen haben.

Beim Heerdter Verein haben in den vergangenen sechs Monaten vier ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer ihre Arbeit niedergelegt. "Der häufigste Grund dafür ist die schwierige zeitliche Vereinbarkeit von Beruf, Familie und ehrenamtlicher Trainertätigkeit in der Freizeit", sagt CfR-Sprecherin Karo Haller, die selbst versucht hat, in dieser Notlage zu helfen. Sie hat den Trainerschein gemacht und leitet nun die Übungsstunden der Mannschaft, in der ihr Sohn mitspielt.

Auch beim Allgemeinen Rather Turnverein (ART) könnte man mehr freiwillige Helfer brauchen, gerade im Kindersportbereich. "Vier Trainer könnten sofort anfangen", sagt Claudia Näckel, die in der Geschäftsstelle des Vereins arbeitet. Doch es werde immer schwieriger, Düsseldorfer für die Sache zu gewinnen. Denn man verlange ihnen schließlich auch viel ab: Vorgeschrieben seien etwa die Teilnahme an der Ausbildung zum Trainer (kostenpflichtig) und an Erste-Hilfe-Kursen, die in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden müssten. Wer mit Kindern arbeiten will, müsse zudem ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis beantragen und vorlegen. Die rund 2400 Euro, die Trainer pro Jahr als steuerfreie Übungsleiterpauschale erhalten würden, wären angesichts dessen und der vielen Trainingsstunden pro Woche letztlich nicht viel mehr als eine kleine Aufwandsentschädigung, meint Näckel.

Beim Gerresheimer Turnverein sieht man aber auch die Sportvereine selbst in der Pflicht. Mit einer "professionellen Mitarbeiterpolitik", engen Netzwerken zum Beispiel zum Bildungsbereich (etwa Berufskollegs) gelinge es dem Verein, der zurzeit 2500 Mitglieder und 60 Übungsleiter hat, sehr gut, Nachwuchs für Praktika und andere Aufgaben und Positionen zu gewinnen, sagt die hauptamtliche Geschäftsführerin Gabriele Jaik. Teilweise finanziere der Verein dem Nachwuchs sogar die Ausbildung zum Übungsleiter. Gerade in kleinen Vereinen sei das alles aber eben nicht ohne Weiteres möglich.

Calven Bräuer jedenfalls gefällt seine Arbeit in Heerdt so sehr, dass er nach Ablauf seines freiwilligen Jahres, für das er vom Landessportbund eine Aufwandsentschädigung bekommt, ehrenamtlich weiter für den CfR arbeiten möchte. "Es ist auch für die Kinder besser, wenn nicht nach einem Jahr bereits wieder ein neuer Trainer kommt." Dieser Meinung ist auch Bambini-Torhüter Jonathan, der stolz sagt, dass er schon sieben Schüsse gehalten hat und dabei seine Original "Manuel-Neuer-Handschuhe" hochhält. "Calven ist der beste Trainer der Welt!"

Quelle: RP
 
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