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Vergibt die Sparkasse zu wenig Kredite?

Analyse: Vergibt die Sparkasse zu wenig Kredite?
Arndt Hallmann, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf. Er gilt als extrem risikoavers. Die Zahl der Wertberichtigungen auf faule Kredite hat er von 55 Millionen auf unter drei Millionen reduziert. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Im Umfeld der Stadtsparkasse Düsseldorf rumort es. Aus der SPD ist zu hören, die Bank sei zu restriktiv bei der Kreditvergabe. Dem Auftrag, Mittelständler zu finanzieren, komme die Bank nicht nach. Allerdings konten die Risiken massiv eingedämmt werden. Von Thorsten Breitkopf

Wenn heute der Verwaltungsrat, das mit Politikern und Arbeitnehmervertretern besetzte Aufsichtsgremium der Stadtsparkasse Düsseldorf, tagt, dürfte es heiß hergehen. Denn über die Geschäftspolitik der öffentlich-rechtlichen Bank gibt es einen erbitterten Richtungsstreit. Vor allem die Sozialdemokraten kritisieren den Kurs des Vorstands und ihres Chefs Arndt Hallmann.

Der Vorwurf: Die Stadtsparkasse vergibt zu wenige Kredite an die heimische Wirtschaft. Besonders Gewerbetreibende und kleine Mittelständler müssten mit Absagen rechnen, wenn sie Kredite anfragten. Hallmann werfen die SPD-Politiker vor, die Bank mit angezogener Handbremse zu fahren. Damit aber käme die Bank nicht dem Auftrag nach, die Düsseldorfer Wirtschaft entsprechend zu fördern. "Hallmann führt die Bank wie eine Privatbank. Dabei ist die Sparkasse doch dazu da, auch den Geschäftsleuten Kredit zu geben, die bei Deutscher Bank und Co. leer ausgehen", sagt ein SPD-Politiker

Mit dieser Beobachtung steht die SPD nicht allein da. Vertreter mehrerer Düsseldorfer Banken beobachten eine Zurückhaltung der Sparkasse beim Kreditgeschäft. So verkündete vor weniger als einem Monat die Düsseldorfer Niederlassung der Commerzbank, im Firmenkundengeschäft 11,4 Prozent mehr an Krediten ausgelegt und nun 6000 Firmenkunden zu haben. Offiziell sagt bei der Bank niemand, woher die Kunden kommen.

Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass viele darunter sind, die früher bei der Stadtsparkasse ihre Darlehen bekamen. "Wir spüren die Sparkasse am Markt nicht", sagt der Vertreter einer anderen Bank. Und ein weiterer ranghoher Vertreter einer Düsseldorfer Bank beobachtet, dass die Sparkasse Engagements im Mittelstand sogar abbaue.

Dem spricht entgegen, dass die Sparkasse 2014 ein 20 Prozent größeres Volumen an Firmenkundenkrediten herausgegeben hat als 2013. 818 Millionen Euro Neukredit waren es 2014, 2013 nur 684 Millionen. Bei genauerer Betrachtung fällt auf: Der Zuwachs stammt allein aus Krediten an gewerbliche Immobilienkunden und Institutionelle Investoren. "Der klassische unternehmerische Mittelstand hat kaum größere Volumina nachgefragt. Auch die den Unternehmen eingeräumten Kreditlinien wurden deutlich weniger in Anspruch genommen", sagte Arndt Hallmann kürzlich und machte keinen Hehl aus dem schwachen Mittelstandsgeschäft. Ursache sei die Konjunktur. Auch Industrieverbände berichten von einer Investitionsunsicherheit der Firmen wegen Euro- und Ukrainekrise. Auch die Commerzbank hatte lange darüber geklagt, auf ihren Krediten sitzenzubleiben. Das stützen die Zahlen der IHK im Konjunkturgutachten. "Die Investitionsneigung der Unternehmen bleibt verhalten, ist aber seit Herbst 2014 gestiegen", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann.

Wer hat nun recht? Es ist eine fast schon philosophische Frage. Die SPD sieht die Sparkasse als Förderbank, eine KfW für Düsseldorf. Die soll in erster Linie fördern, und nur in zweiter Linie Geld verdienen. Dem gegenüber steht die Auffassung von Sparkassenchef Hallmann. Er ist ein Banker, der nach den Bankencrashs 2007/2008 Karriere machte. Er und sein Risikovorstand Martin van Gemmeren kommen von Landesbanken, die bitter erfahren mussten, welche Folgen eine riskante Geschäftspolitik hat. Beide sind geprägt von dem Gedanken, dass eine Bank vor allem sichere Geschäfte machen soll. Und das heißt, Kredite, und seien die dahinter stehenden Ziele noch so rührend, nur dann zu vergeben, wenn eine realistische Chance auf Rückzahlung besteht. Schließlich verleiht die Sparkasse nur das Geld ihrer Sparer. Misst man Hallmann an seiner Risikopolitik, dann sprechen die Zahlen für ihn. Für 2013 und 2014 musste die Sparkasse Wertberichtigungen von zusammen 2,5 Millionen Euro vornehmen. 2012 waren es 55 Millionen, in den Vorjahren stets 20 bis 30 Millionen.

Es liegen grundverschiedene Vorstellungen von der Aufgabe einer Sparkasse vor. Der Verwaltungsrat mit OB Thomas Geisel an der Spitze muss wissen: Will er eine Sparkasse vom Typ Förderbank, oder will er eine sichere Bank?

Quelle: RP
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