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Düsseldorf
Verhärtete Fronten beim Schulstreik

Düsseldorf: Verhärtete Fronten beim Schulstreik
Bilder vom Streik haben die Schüler in einer dafür eingerichteten Facebook-Gruppe gepostet. FOTO: Nick Meyer/Facebook "FCGS für Freiheit"
Düsseldorf. An der Freien Christlichen Gesamtschule in Hassels herrscht dicke Luft: Mit einem Sitzstreik protestierten die Schüler am Montagmorgen lautstark gegen den Vorstand des "Rheinisch-Bergischen Vereins Freie Christliche Schulen" (RBV-FCS). Von Jörg Janssen, Maximilian Krone und Ines Räpple

Der Verein betreibt die an den evangelischen Freikirchen orientierte, staatlich anerkannte Ersatzschule, die von Jungen und Mädchen unterschiedlicher Konfessionen besucht wird. Im Namen des Trägervereins wehrte sich Verwaltungsleiter Herbert Dannert gegen die Vorwürfe. Einige Angaben der Schüler hätten als "Gerüchte, Halb- und Teilwahrheiten über soziale Medien eine unglückliche Eigendynamik entwickelt". Dass es massive Probleme gibt, leugnet er aber nicht. "Die Stimmung ist sehr reizbar, in Krisensitzungen versuchen wir, Ruhe da hinein zu kriegen." Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Worum geht es im Kern? Carsten Gaede, Vorsitzender des Elternrates (also der Schulpflegschaft), wurde Hausverbot erteilt, seinen vier in Hassels unterrichteten Kindern drohte die Kündigung ihres Schulvertrages oder das Auslaufen desselben zum Schuljahresende. Vor allem für Letzteres hatten viele Schüler und Eltern kein Verständnis. Außerdem sorgte die Annahme für Aufregung, man wolle sich von Schulleiter Stephan Schilbach trennen oder dränge ihn zum Rücktritt. Kein Verständnis zeigten die protestierenden Schüler auch für zahlreiche Lehrerwechsel.

Welche Forderungen gibt es? Viele Schüler - und auch einige Eltern - hatten sich vor diesem Hintergrund in der Eingangshalle versammelt. Auf Plakaten forderten sie den Rücktritt des Vereins-Vorstandes sowie eine Weiterbeschäftigung des Schulleiters auch in der Zukunft. Dem Vorstand des Trägervereins warfen sie mangelnde Transparenz, Willkür sowie die Einschüchterung von Lehrkräften vor.

Gab es bereits Konflikte im Umfeld des RBV-FCS? Ja. Vor allem der Streit um den Schulleiter hat ein Vorbild: Bei dem auch vom RBV getragenen freien christlichen Gymnasium in Reisholz wollte der RBV-Vorstand den als charismatisch geltenden Schulleiter Uli Marienfeld des Amtes entheben und ihn nur noch als normalen Lehrer weiterbeschäftigen. Erst massiver Protest der Schüler ließ den Verein zurückrudern. Marienfeld blieb Leiter. Doch wenig später wechselte er nach Berlin. Ein neuer Rektor wird noch gesucht.

Worüber geraten Schulleiter und Trägerverein aneinander? Es geht vor allem um die Frage, wie eigenständig und unabhängig der jeweilige Schulleiter handeln darf. Dannert sagt: "Wir streiten nicht um inhaltliche und pädagogische Vorgaben, sondern meist um bürokratische Dinge. Als Beispiel nennt er das Abzeichnen von Sonderurlaubsanträgen. "Stephan Schilbach wollte so etwas selbst entscheiden, wir waren aus rechtlichen Gründen der Ansicht, dass der Vorstand das mitentscheiden muss."

Was wurde gestern entschieden? Am Nachmittag verkündete Dannert, dass die vier Kinder des Elternratsvorsitzenden die Schule weiterbesuchen dürfen. Ob das Hausverbot gegen ihn selbst aufgehoben wird, blieb gestern offen. Als "Alptraum" hatte Schulleiter Schilbach die Situation am Morgen bezeichnet. Er betonte, dass er selber nicht freiwillig gehen wolle. Die Schüler jubeln, als Dannert sagt, dass dem Pädagogen nicht gekündigt werde. Dass es auch keine entsprechende Drohung gegeben habe, glauben die Streikenden indes nicht. Dannert wiederum meint in einem der Gespräche, dass Schilbach selber gehen wolle. Dies zumindest ist ein Widerspruch. Zur Fluktuation bei den Lehrern erklärt Dannert, dass "im letzten Schuljahr vier Lehrer die Schule verlassen haben" - nicht zehn, wie die Schüler sagen. Zwei davon, weil sie an einem Gymnasium besser verdienen können.

Was fordern die Eltern? "Uns fehlt es an Transparenz, was der Vorstand macht und wofür er das Geld ausgibt. Wir zahlen für gute Lehrkräfte und kleine Klassen je nach Einkommen bis zu 500 Euro", sagt Evelyne Saalbach. Die Realität sehe aber anders aus. Statt der versprochenen 19 Schüler pro Klasse, seien es meist mehr als 25. Gemeinsam mit den anderen fordert sie die Einstellung von vernünftig bezahlten Lehrern sowie kleinere Klassen. Eines machen Schüler, die auch über Unterrichtsausfall klagen, und Eltern deutlich: Sie wollen sich nicht mehr vertrösten lassen und fordern "konkrete Antworten des Vorstandes".

Quelle: RP
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