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Düsseldorf
Versicherung verliert gegen Stadt

15 Meter Baum fällt auf drei Fahrzeuge
15 Meter Baum fällt auf drei Fahrzeuge FOTO: Gerhard Berger
Düsseldorf. Auch städtische Mitarbeiter haben nur zwei Hände. Darauf hat das Landgericht jetzt eine Autoversicherung hingewiesen. Der Kasko-Versicherer wollte die Stadt für einen umgestürzten Baum nach dem Jahrhundertsturm "Ela" in Regress nehmen, weil jener Ahorn im Juli 2014 im Zooviertel auf das Auto einer Kundin gestürzt war. Von Wulf Kannegiesser

Die Versicherung führte an, die Stadt habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt, weil der angeblich schon sturmgeschädigte Ahorn nicht rechtzeitig entfernt worden sei. Das Gericht wies diese Klage über 4.424,88 Euro allerdings zurück. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Ela 2014: Sturmschäden in Düsseldorf von oben FOTO: Hans Blossey

Ob jener Baum wirklich so offenkundig marode war, dass beim damaligen Großaufräumen sofortige Gegenmaßnahmen hätten eingeleitet werden müssen, konnte die Versicherung im Prozess nicht beweisen. Zur Erinnerung: Wochenlang waren damals städtische Mitarbeiter, teils sogar unterstützt von schwerem Räumgerät der Bundeswehr, nach dem Pfingststurm "Ela" damit beschäftigt, zigtausende von umgestürzten oder schrägstehenden Bäumen im gesamten Stadtgebiet ab- und wegzuräumen.

Als drei Wochen nach "Ela" erneut eine winddurchtoste Nacht folgte, war an der Mathildenstraße dann jener etwa 20 bis 30 Jahre alte Ahornbaum umgekippt, hatte den parkenden Ford Focus einer Anwohnerin getroffen und schwer beschädigt. Formell war das Auto wegen tiefer Dellen in der Frontscheibe und auf der Motorhaube sogar als wirtschaftlicher Totalschaden bewertet worden mit einem Restwert von 3080 Euro.

Vorher-Nachher: Sturm Ela wütete in Düsseldorf FOTO: Andreas Endermann

Die Versicherung hat der Kundin diesen Sachschaden ersetzt, wollte dafür nun aber die Stadt haftbar machen. Jener Ahorn habe ja angeblich schon durch "Ela" derart gelitten, dass er von städtischen Mitarbeitern sofort hätte entfernt werden müssen, so die Klage. Nur belegen konnte die Versicherung diese Behauptung im Zivilprozess jetzt nicht. Zumal der Baumrest inzwischen längst geschreddert wurde und deshalb verlässliche Überprüfungen, wie marode der Ahorn wirklich gewesen sein mag, jetzt nicht mehr möglich sind. Zudem hatten die Stadt-Kräfte damals alle Hände voll damit zu tun, die schweren Baumschäden in der ganzen Stadt zu beseitigen. Um sämtliche Bäume im Zooviertel zu kontrollieren, brauchte die Stadt damals noch weitere neun Monate.

Dass das Auto jener Anwohnerin vor Abschluss der Nachkontrollen von dem Ahorn getroffen wurde, heißt laut Landgericht aber nicht, dass die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht schuldhaft verletzt habe. D

Soldaten starten mit den Aufräumarbeiten FOTO: Bretz, Andreas
Quelle: RP
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