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Düsseldorf
Video soll Polizeigewalt bei Party beweisen

Video: Polizeigewalt in Düsseldorf? Szenen zeigen Einsatz
Düsseldorf. Mit einem Hochdruck-Wasserstrahl setzten Polizisten Partygäste in einer Wohnung außer Gefecht - um wegen Ruhestörung Personalien festzustellen. Ein Video, das unserer Redaktion vorliegt, stellt den Einsatz in Frage. Von Wulf Kannegiesser und Stefani Geilhausen

Überlaute Musik und Partylärm aus einer Dachwohnung, die dem Ordnungsamt und der Polizei aus zahlreichen Einsätzen bekannt war - damit begann im vorigen August ein Polizeieinsatz, den nun die Justiz aufklären soll. Rechtsanwalt Joachim Müller, der zwei damalige Partygäste vertritt, bereitet gegen die Beamten eine Strafanzeige vor. Denn der Einsatz, bei dem die Polizei mit einem Wasserstrahl aus einem C-Rohr der Feuerwehr gegen Partygäste vorging, wurde von einer Computerkamera aufgezeichnet. Von den Bildern weichen die Angaben der Polizisten ab, so der Anwalt.

Die Strafanzeige liegt der Polizei zwar noch nicht vor. Aufgrund der Informationen, die am Mittwoch über die Medien an das Präsidium gelangten, leitete die Polizei aber von Amts wegen ein Strafverfahren gegen die Beamten ein und wird dies der Staatsanwaltschaft vorlegen. "Es besteht der Anfangsverdacht von Straftaten durch Düsseldorfer Polizisten", sagte ein Polizeisprecher.

Ordnungsamt und Polizei waren in jener Nacht in eine verzwickte Lage geraten. Als gegen 23 Uhr die Feiernden in der Wohnung trotz Aufforderung des Ordnungsamts weder Ruhe gaben noch ihre Personalien nannten, kam die Polizei dazu. Beamte der Wache Wersten brauchten kein Navi, um die Party zu orten. Dort seien Gäste ihnen "aggressiv" begegnet, eine Stahltür an der Treppe zur Dachwohnung sei verriegelt und von innen nicht mehr geöffnet worden. Um wegen weiterer Bedrohungen und Beleidigungen die Personalien festzustellen, musste schließlich die Feuerwehr die Tür aufflexen. Im Einsatzbericht der Polizei heißt es dazu: "Da die Personen in der Wohnung sich zuvor kampfbereit und "bewaffnet" zeigten, wurde als milderes Mittel zu Pfefferspray von der Feuerwehr ein C-Rohr zur Verfügung gestellt."

Mit rund zehn Bar Wasserdruck wurde demnach ein Verdächtiger beiseite gedrückt - weil er "ohne Anweisungen zu befolgen, aggressiv auf die Beamten" zuging. Auch fünf weitere Gäste ("welche ebenfalls keine Anweisungen befolgten") bekamen den Wasserstrahl zu spüren. Ein "nicht bekannter Beamter" habe "versehentlich ein Pfefferspray ausgelöst".

Polizeigewalt in Düsseldorf? Szenen des Videos FOTO: Screenshot

Zwei der 19 seinerzeit abgeführten Personen, unter denen zwei Schwangere waren, kamen wegen Widerstands, Beleidigung und Bedrohung vor Gericht. Die Verfahren wurden gegen geringe Auflagen eingestellt. Anwalt Müller stützt nun seine Gegenanzeige auf die Filmaufnahmen, die unserer Redaktion vorliegen. Sie zeigen niemanden, der aggressiv auf Beamte zugeht, wohl aber einen auf einem Stuhl sitzenden Mann, der vom Wasserstrahl vom Sitz gerissen wird. Weitere Personen sitzen auf einem Sofa, werden erst vom Wasserstrahl getroffen. Dann geht ein Polizist mit ausgestrecktem Arm auf sie zu und nebelt alle mit Pfefferspray ein. Nach einigen Minuten wird der Computer zugeklappt, doch der Ton wird weiter aufgezeichnet. Eine männliche Stimme sagt: "Das war eine geile Aktion." Einer anderer: "Eines ist wichtig, dass die kleinen A...löcher wissen, dass man so nicht davonkommt!" Später ist zu hören, wie einer den Einsatz beschreibt: "Der kam auf uns zu, aber nicht bedrohlich..."

Anwalt Müller sieht darin klare Beweise für einen völlig überzogenen Einsatz der Beamten: "Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass Polizisten mit einem C-Rohr in eine Wohnung eindringen, um Personalien festzustellen, und noch die Einrichtung verwüsten." So hätten Partygäste Prellungen und Hautabschürfungen erlitten. "Und vom Wasserdruck ist teils der Putz von Wänden geplatzt!"

Quelle: RP
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