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Serie So Wohnt Düsseldorf
Viel Holz in der Hütte

Düsseldorf. Wo früher Gewächshäuser standen, hat Tischlermeister Michael Korfmacher in Flehe sein ganzes Können entfaltet. Von Ute Rasch und Andreas Bretz (Fotos)

Sie haben ihre Wurzeln hier. Ihr Vater ist schon nebenan in die alte Grundschule gegangen, wie später auch ihre drei Kinder. Und sie selbst natürlich auch. Claudia Korfmacher wurde hier geboren - wie ihr Mann Michael ("ich bin ein Fleher Jong"). Sie wollten nie woanders hin. Als ihre Familie wuchs und sie irgendwann planten, ein eigenes Haus zu bauen, stand fest: nur in Flehe. Der Rest ist eine glückliche Fügung, denn nun steht ihr Zuhause dort, wo früher die alten Gewächshäuser der familieneigenen Gärtnerei waren.

Ein schmaler Weg mit alten Pflastersteinen und einer Efeuwand biegt von der Fleher Straße ab und führt direkt zum Haus, einem strengen, hellen Würfel - irgendwie unspektakulär, wäre da nicht der besondere Eingang: eine gläserne Wand über zwei Etagen, 5,60 Meter hoch, davor ein Pfeiler, auf dem sich das Haus abstützt, und eine schlichte Tür. Dieser Eingang lässt viel Licht ins Haus, und gewährt von innen Ausblicke auf das alte Schulgebäude nebenan.

Die strenge Bauhausform war ein Wunsch des Hausherrn, überhaupt trägt vor allem das Innenleben seine Handschrift. Detailversessen plante er Raum für Raum, immer in enger Abstimmung mit der Architektin Annette Bonin. In diesem Objekt treffen sich Profession und Passion des Tischlermeisters Michael Korfmacher, die Gestaltung seines Hauses ist sozusagen sein zweites Meisterstück. Oder wie er das lachend formuliert: "Wir haben hier viel Holz in der Hütte."

Tatsächlich sind Eichendielen eines der prägenden Elemente. In der luftigen Eingangshalle mit der offenen Küche sind sie gleichzeitig Fußboden und Decke. Direkt neben der Haustür wacht ein moderner Christus über die Familie, ein polnischer Künstler hat ihn aus einer Astgabel geschnitzt. Der Esstisch, an dem sich bis zu 14 Menschen zu fröhlichen Abenden treffen, ist kein Eigenbau, sondern ein altes Stück aus Frankreich. Aus der eigenen Werkstatt aber stammen sämtliche Einbauschränke, von denen manche gar keine sind - wie die geheime Tür, die sich zum Gäste-WC und der angrenzenden Garage öffnet. An der Wand der Hinweis an mögliche Einbrecher, dass dieses Haus alarmgesichert ist - für alle Fälle in acht Sprachen.

Diese Eingangshalle ist ein offener Raum über die gesamte Höhe des Hauses, in ihrem Zentrum führt eine Treppe aus Holz, Stahl und Glas ins Obergeschoss, von einer Galerie öffnen sich Decken hohe Türen zu drei Schlafzimmern und zwei Bädern. Räume, in denen Michael Korfmacher seine wochenlange Planung in handfeste Innenarchitektur umsetzte: Die Kinder bekamen Spielburgen mit Türmchen, Zinnen und Hochbetten, das Elternschlafzimmer raffinierte Raumteiler, hinter denen sich eine Ankleide verbirgt. Das Bad setzt auf Wirkung durch Kontraste: gestrichene Wände im satten Ton von Auberginen treffen auf matt-graue Steinfliesen aus Italien.

Dieser Stein, dessen Oberfläche sich überraschend weich und warm anfühlt, ist neben dem Holz zweites zentrales Material des Hauses. Auch im Wohnzimmer, zu dem von der Eingangshalle drei Stufen hinab führen und das sich hinter einer Schiebetür verbirgt - ein Raum für Mußestunden. Hinter der Wohnlandschaft wieder ein Eigenbau: Podeste, Lieblingsplatz der Kinder als sie jünger waren, Abstellfläche und Stauraum für Weihnachtsschmuck. Durch eine verglaste Wand ist zu ahnen, dass dieses Haus auch draußen Verlockungen zu bieten hat: eine hundert Quadratmeter große Wasserfläche, teils Naturteich mit Schilf und Seerosen, teils Schwimmbad.

Von hier aus winkt Claudia Korfmacher gerade ihrer Mutter zu, die auf der Terrasse des Vorderhauses sitzt. Die Eltern hatten damals zugestimmt, ihre alten Gewächshäuser im Hinterhof abreißen zu lassen, für das nächste Familiendomizil. "Das ist ein großes Glück für uns, so nah beieinander zu wohnen, die Kinder können im Schlafanzug mal eben rüber laufen, um den Großeltern Gute Nacht zu sagen", so Claudia Korfmacher. Seitdem sie hier wohnen, habe sie gar keine Lust mehr, in Urlaub zu fahren. Andererseits, wenn sie nach einer Reise nach Hause kommen, wissen sie umso mehr: "Wie schön wir es hier haben."

Quelle: RP
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