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Manuel Thumm Und Petra Jungen
Viele Wohnungen für Hartz-IV zu teuer

Manuel Thumm Und Petra Jungen: Viele Wohnungen für Hartz-IV zu teuer
Petra Jungen übergibt nach drei Jahrzehnten die Leitung des Arbeitslosenzentrums an Manuel Thumm. FOTO: Thorsten Breitkopf
Düsseldorf. An der Spitze des Arbeitslosenzentrums gibt es einen Führungswechsel. Düsseldorfs Wohnungen sind oft so teuer, dass Hartz-IV-Empfänger lieber selbst Geld zuschießen, statt sich auf einen ohnehin meist aussichtslosen Wohnungswechsel einzulassen.

Frau Jungen, Sie haben viele Jahre das Arbeitslosenzentrum der Zukunftswerkstatt Düsseldorf geleitet. Wer sind Ihre Kunden?

Petra Jungen Wir beraten und unterstützen Arbeitssuchende oder langzeitarbeitslose Arbeitslosengeld-II-Beziehende und Geringverdienende. Heute haben mehr als 50 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, einen Migrationshintergrund.

In welcher Sprache werden die Gespräche geführt?

Manuel Thumm Die Ratsuchenden, wir haben das mal abgefragt, sprechen insgesamt 51 verschiedene Sprachen. Die allermeisten Gespräche aber führen wir auf Deutsch, im Bedarfsfall vermitteln wir zu Migrationsdiensten.

Was sind die typischen Probleme der Hilfesuchenden?

Jungen Das typischste Problem ist, dass die finanziellen Mittel knapp sind. Die Mittel des Jobcenters reichen für viele nicht aus. Es liegt nicht unbedingt am Ausgabeverhalten, sondern daran, dass davon so viele Fixkosten wie Strom oder Fahrkarten zu decken sind.

Wie sehen die Missverständnisse in Ihrem Berufsalltag denn konkret aus?

Thumm Wir erleben es, dass Menschen die Bescheide im Behördendeutsch völlig falsch verstehen. Wenn da etwa steht, "Ihrem Widerspruch wurde in vollem Umfang abgeholfen", denken manche, es drohe Ärger. Dann muss man den Ratsuchenden erst mal klar machen, dass es heißt, das alles gut ist. Viele reagieren erst einmal sehr emotional, dabei sind die Bescheide ja alles andere als persönlich gemeint.

Wie kam es zur Gründung des Arbeitslosenzentrums in Düsseldorf?

Jungen In den 1980er Jahren herrschte Massenarbeitslosigkeit in Düsseldorf. Erst kam damals von Arbeitsloseninitiativen in der Landeshauptstadt die Forderung, eine solche Beratungsstelle einzurichten. Mit Unterstützung der Stadt und in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden wurde sie dann umgesetzt. Seit 1989 ist das Arbeitslosenzentrum Bestandteil der Zukunftswerkstatt Düsseldorf. Und zu unserer großen Freude wird unsere Beratungsstelle, anders als in anderen großen Städten, seit 1984 von der Stadt Düsseldorf im Wesentlichen getragen.

Hat sich die Lage durch die Hartz-Gesetze, insbesondere in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, verschärft?

Jungen Ja, das kann man sagen. Früher waren die Arbeitslosen länger abgesichert, mehr als zwei Jahre lang nach Beginn der Arbeitslosigkeit orientierten sich die Bezüge noch am früheren Gehalt. Heute ist man nach einem Jahr Arbeitslosigkeit bereits auf dem Sozialhilfe- oder Hartz-IV-Niveau von 409 Euro pro Person im Monat, da sind schon 50 Euro drin, die gespart werden sollen. Es geht bei den Menschen, die zu uns kommen, um die nackte wirtschaftliche Existenz. Die Betroffenen sind deutlich näher am Existenzminimum.

Ist Düsseldorf für Hartz-IV-Bezieher zu teuer?

Thumm Bei vielen übernimmt das Jobcenter nicht die volle Düsseldorfer Miete, deswegen zahlen manche aus den 409 Euro drauf, weil sie gar keine preiswertere Wohnung finden würden. Das verschärft die Lage. Vielen, die zu uns kommen, droht die Stromsperre oder eine Wohnungskündigung.

Wie werden die Menschen auf Ihre Beratungsstelle an der Bolkerstraße aufmerksam?

Jungen Manche über das Internet, sicherlich mehr als 40 Prozent über Mundpropaganda aus dem Familienumfeld oder dem Freundeskreis.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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