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Düsseldorf-Süd
Vierbeiner erschnüffeln sich die Kämpe

Düsseldorf-Süd. Zweieinhalb Stunden dauert die Erlebnistour "Mit Mensch und Hund durch die Urdenbacher Kämpe". Elke Loepke, Leiterin der Biologischen Station, will so Multiplikatoren finden, die um Verständnis für den Schutz der Natur werben. Von Beate Gostincar-Walther

"Herr Schröder", Ruby, Schuschu und Belinda stehen im bunten Herbstlaub an der Altrheinbrücke in Hellerhof und warten auf den Beginn eines ausgiebigen Ausflugs. Die Vierbeiner sind mit Herrchen und Frauchen zur Auenführung "Mit Mensch und Hund durch die Urdenbacher Kämpe" gekommen. Zweieinhalb Stunden dauert die Erlebnistour für Hund und Mensch, Kurzweil für beide und Verständnis für den Naturschutz bestimmen das Programm.

Unmittelbar dort, wo der Garather Mühlenbach in die Kämpe fließt, übernimmt Auen-Erlebnisbegleiter Otto Bremm zunächst einen Exkurs zu Grundlegendem über das Gebiet, in dem mit der EU-Richtlinie Flora- und Fauna-Habitat (FFH) besondere Verpflichtungen für den Naturschutz gelten. "Heute geht es um den Konflikt Natur und Hund, Verbotsschilder nutzen da so ziemlich gar nichts", meint Bremm.

Derweil stellen sich die Vierbeiner einander vor. Die kleine Russkiy-Toi-Hündin Schuschu geht mutig auf Begrüßungstour zu den erheblich Größeren. Herrn Schröder, den gemütlichen, etwa zwölfjährigen Beagle treibt es nicht auf Entdeckungstour. Und Belinda, die junge Hundedame aus Rumänien, ist schlicht aufgeregt. Hundetrainerin Sylvia Spelsberg kommt schnell zur Sache: "Eine Viertelstunde Schnüffeln ist für den Hund wie eineinhalb Stunden laufen." Nasenarbeit sei gefragt, denn die unzähligen Gerüche empfinde der Vierbeiner wie eine Droge, die neben anderen Hormonen auch Endorphine und damit Glücksgefühle freisetze.

Die Hundetrainerin vermittelt Wissen über die Vierbeiner, ihren Jagdtrieb und spannende Spiele an der Leine. Ehepaar Stüeken aus Benrath mit Schuschu ist vollauf begeistert. "Die Kombination aus Informationen über Natur und Hund ist rundherum gelungen", meint Birgit Stüeken. Hinweise auf Blumen und Felder, die Wasserwelt und die Vögel seien spannend.

Dort, wo ein Weg das Ackerland von der Kämpe abgrenzt, verteilt Sylvia Spelsberg Hundekekse kreuz und quer, um zu demonstrieren, welchen Spaß Schnüffelarbeit machen kann. "Du sollst nicht darauf latschen, Du sollst schnüffeln", kommentiert Herrn Schröders Begleiter lachend die Aktion des gemächlichen Beagle. Am Weg ist eigentlich bei Fuß laufen angesagt, doch Belinda rückt aus, sie muss noch lernen. "Winken und Schreien bringt nichts, es hilft nur Warten", meint Spelsberg. Die Leine sollte nach der Rückkehr des Ausreißers keinesfalls als Strafe eingesetzt werden, sie sei eine Verbindung zwischen Mensch und Hund.

Elke Loepke von der Biologischen Station auf Haus Bürgel lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf den Naturschutz. Selbst hier, wo Hunde eingeschränkt frei laufen dürfen, sei Rücksicht geboten. "Wenn sie in den Hecken stöbern, verlassen Neuntöter oder Rotkehlchen ihr Nest und trauen sich nicht wieder zurück", erklärt sie. Zurück geht's über den Altrheinlauf am Dammweg mit Hinweisen zu den Wasservögeln. "Hier leben im Winter Krickenten, sie sind sehr scheu und gehören zu den gefährdeten Arten", erklärt Loepke. Stöckchen ins Wasser werfen oder die Hunde schwimmen lassen, sei tabu, denn das würde diese sensiblen Wintergäste nachhaltig vertreiben. Ein weiteres beharrliches und leidiges Thema: der Hundekot. Die Landwirte seien besorgt, weil ihre Nutzwiesen - und damit natürlich das Tierfutter- stark betroffen seien.

"Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die mit ihren Hunden unterwegs sind, schnell ins Gespräch kommen", erklärt Elke Loepke. Sie hoffe, durch diese Führung Multiplikatoren zu finden, die um Verständnis für den Schutz der Natur werben. Ehepaar Stüeken hat jedenfalls Lust auf mehr Kämpe bekommen - gemeinsam mit Schuschu, und das natürlich an der Leine.

Quelle: RP
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