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Interview Rainer Mellis
"Volksbank schließt keine Filialen"

Düsseldorf. Der Vorstandschef der Volksbank spricht über Filialschließungen von Sparkasse und Deutscher Bank sowie über Bankgeschäfte im Internet.

Herr Mellis, Ihr größter lokaler Wettbewerber, die Stadtsparkasse Düsseldorf, schließt 18 Filialen. Auch die Deutsche Bank will jede dritte Niederlassung dichtmachen. Wann ziehen Sie nach?

Mellis Es wird bei der Volksbank Düsseldorf Neuss keine Filialschließungen geben, es gibt keine Schließungspläne, da kann ich Sie beruhigen, ehrlich. Unsere 23 Filialen in Düsseldorf und Umgebung sind der Gen-Code der Volksbank. Wie Sie wissen, sind wir eine Genossenschaftsbank. Die Kunden haben unsere Bank selbst gegründet. Und die Kunden der Volksbank wollen Filialen, mit echten Mitarbeitern zum Ansprechen. Wir haben ein anderes Geschäftsmodell als die privaten oder die öffentlichen Banken.

Aber Ihre Mitbewerber schließen ihre Filialen ja nicht, weil sie Lust darauf haben. Das Kundenverhalten hat sich geändert, weil die Menschen vieles per Online-Banking erledigen. Die Kosten für die Filialen sind unverhältnismäßig hoch ...

Mellis Dass die Digitalisierung des Bankings mit einer Schließung von Niederlassungen einhergehen muss, ist meines Erachtens ein großes Märchen. Filialschließungen kommen einer Kapitulation in der wirtschaftlich besten und prosperierendsten Region Westdeutschlands gleich. Eine Schließung am besten Wirtschaftsstandort, das passt nicht zusammen, nach Meinung unseres Instituts.

Also nutzen Ihre Kunden als einzige kein Online-Banking?

Mellis Nein. Natürlich nutzen auch unsere Kunden Online-Banking. Es kommt auf die Mischung an. Kleinere Überweisungen etwa werden per Internet erledigt. Aber nach unseren Erfahrungen kommen die Kunden für große Überweisungen immer noch in die Filiale. Oder denken Sie an Immobilienfinanzierung: Da werden Grundbuchauszüge gebraucht, Verträge gehen über viele Seiten mit viel Kleingedrucktem. So etwas lässt sich doch mit einem individuellen Berater in der Filiale viel besser durchgehen als per Mail oder Internet-Banking. In Australien dominiert das Online-Banking, auch mit Video-Beratungen. Da macht das auch Sinn, weil die nächste Bankstelle vielleicht 1000 Kilometer entfernt ist. Aber wir hier leben nicht im Outback, sondern in einem Ballungsraum. Da ist der Gang zur Bank ein Klacks.

Deutsche Bank und Stadtsparkasse begründen ihre Schließungen mit den hohen Kosten, die in keinem Verhältnis zu den sinkenden Erträgen durch niedrigste Zinsen liegen...

Mellis Das Problem sind doch nicht die Mieten für die Niederlassungen. Die Kosten entstehen durch die Mitarbeiter, und die werden ja durch Zusammenlegungen der Filialen nicht verringert. Genossenschaftsbanken setzen auch im Internetzeitalter auf das persönliche Gespräch. Berater wollen nicht nur Verkäufer sein, nicht auf einen Abschluss pochen. So stellt man langfristige vertrauensvolle Beziehungen her, die sich auf lange Sicht auszahlen. Wir verbuchen einen Anlagen-Zuwachs, und das trotz niedrigster Zinsen auf dem Sparbuch.

Was machen die anderen Banken aus Ihrer Sicht falsch?

Mellis Also da kann ich nur von uns reden. Und wir haben kein anonymes Call-Center mit Warteschleife oder ein Service-Center in Polen. Das wollen unsere Kunden auch nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob es die Kunden der Commerzbank oder der Deutschen Bank wirklich wollen.

Banken haben seit der Krise 2008 und 2009 ein denkbar schlechtes Image. Zurecht?

Mellis Als Folge dieser Krise werden die Banken in Deutschland wegen jeder Kleinigkeit angezählt. Die Regularien sind überbordend. Jede Beratung muss schriftlich dokumentiert werden, als wollte man den Kunden permanent über den Tisch ziehen. Da wird in Deutschland inzwischen mit zweierlei Maß gemessen. Gleichzeitig werden Start-up-Unternehmen gehypt, als wären sie die Heilsbringer der Zukunft. Denken Sie beispielsweise an den Schuhversender Zalando. Der ist ein Medienphänomen. Da redet man seit sieben Jahren nur über Umsätze und nicht über versteuerte Gewinne. Wir versteuern unsere Gewinne hier vor Ort.

Das Image der Banker hat gelitten. Haben Sie Probleme, Nachwuchs zu bekommen?

Mellis Früher überstieg die Zahl der Bewerber auf eine Ausbildungsstelle zum Bankkaufmann bei weitem die Zahl der verfügbaren Stellen. Das war bei den Großbanken so, bei den Sparkassen und auch in unserem Institut. Das hat sich grundlegend gewandelt. Es wird zunehmend schwierig, gute Leute zu bekommen. Wir konnten im letzten Lehrjahr nicht einmal alle Stellen besetzen.

Bei der Sparkasse ist unklar, ob die Azubis übernommen werden. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Mellis Die fertigen Bankkaufleute werden in der Regel immer übernommen. Wir erkunden frühzeitig, wo sie am besten eingesetzt werden können, nicht nur im Vertrieb.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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