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Stille Helfer
Vom Küchenhelfer zum Taufpaten

Stille Helfer: Vom Küchenhelfer zum Taufpaten
Herbert Gülpers war viele Jahre Betriebsrat. Der 67-Jährige sagt: "Wenn sich jemand bedankt und im Dialekt sagt ,Jung, dat war lecker!', dann geht das runter wie Öl." FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Herbert Gülpers hilft in der Armenküche am Burgplatz bei der Essensausgabe. Dabei machte er bedeutsame Bekanntschaften und lernte, was kleine Gesten und Engagement den Menschen bedeuten können. Von Oliver Burwig

Herbert Gülpers hat einen einfachen Wunsch. Er will, dass Obdachlose als Menschen akzeptiert werden. Er wünscht sich Blickkontakt statt Ignoranz und weiß aus Erfahrung, was ein Lächeln und ein freundliches Wort bewirken können. Seit sechs Jahren hilft er bei der Essensausgabe in der Armenküche der Dominikaner.

Mit einigen der Bedürftigen, denen er die dampfenden Teller reicht, verbindet den 67-Jährigen eine Beziehung, die über die regelmäßige Begegnung an der Theke weit hinausgeht. "Einmal kam ein 55-Jähriger auf mich zu und sagte, er wolle sich in St. Lambertus taufen lassen", erzählt Gülpers. "Er fragte, ob ich Pate stehen will. Da stand mir der Mund offen."

Er sagte zu. Kein halbes Jahr ist diese Begegnung her, die zeigt, wie viel Gülpers den Menschen, die sich täglich ihre warme Mahlzeit hinter dem großen Holzportal am Burgplatz abholen, bedeutet. Er weiß: Für einige der Besucher ist es die einzige Mahlzeit am Tag. Wer nicht mehr kommt, hat es entweder in ein neues Leben geschafft - oder taucht wenige Tage später auf einem der Zettel auf, die an der Eingangstür zur Armenküche hängen. Dort erfahren die Helfer und Gäste, wenn jemand gestorben ist. Von "ganz jung" bis "ziemlich alt" sei unter den Frauen und Männern, die Gülpers bedient, alles vertreten.

Unter ihnen sind Drogenabhängige, Alkoholiker, Menschen, die viele Jahre älter aussehen, als sie sind. Mehrfach habe er erlebt, dass jemand für zwei Wochen verschwand und dann auf einmal "wie das blühende Leben" wieder vor der Tür stand: sauber, rasiert und mit gewaschener Kleidung. Er kam gerade aus dem Gefängnis. Mehr als zehn Jahre arbeitete Gülpers im Betriebsrat eines großen Unternehmens. Obwohl die Probleme, mit denen er sich in seinem Beruf beschäftigte, ganz andere waren, sieht er es als ein Bedürfnis an, auch diesen Menschen zu helfen. "Ich bin es gewohnt, mit Problemen umzugehen", sagt Gülpers. "Der Weg hat sich abgezeichnet."

Nach dem Job wollte er sich weiter engagieren, kam über seine Frau, die auch seit längerer Zeit in der Armenküche hilft, an den Burgplatz. Durch die Hilfe könne er zwar nichts an den gesellschaftlichen Umständen ändern, jedoch einen Teil dazu beitragen, dass die Besucher nicht nur einen vollen Magen bekommen, sondern auch als Menschen wahrgenommen werden. "Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute ihr Herz für Obdachlose öffnen", sagt Gülpers. Blickkontakt aufzubauen und zu zeigen, dass man sie akzeptiert, sei dabei schon ein guter Anfang.

Zudem könne man im Umgang mit Armen und Obdachlosen auch viel für sich selbst mitnehmen: "Wenn man mit diesen Menschen umgeht, dann merkt man, dass sie gar nicht so schlimm sind." Außerdem ist da auch noch das Erfolgserlebnis, das nur verstehen kann, wer einmal in der besonderen Küche gestanden hat: "Wenn sich jemand bedankt und im Dialekt sagt ,Jung, dat war lecker!', das geht runter wie Öl", sagt Gülpers.

Quelle: RP
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