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Kolumne Auf Ein Wort
Vom Segen Gottes

Düsseldorf. Das christliche Abendland hat es nicht so mit Erfolg und Fortschritt - damit hat es eher das vermeintlich aufgeklärte, das technische, das clevere Europa. Anders setzt das - seinen jüdischen und christlichen Wurzeln verpflichtete - Europa auf Gottes Segen. Martin Luther, dessen Geburtstag man in dieser Woche u.a. gedachte, nannte den Segen schlicht Mehrung. Wer Gottes Segen hat, hat ein Mehr an Leben: Kraft, Mut, Zuversicht und auch ein Mehr an erkennbarer Fülle: Kinder, Familie und Güter, Gesundheit. Es wundert nicht, dass der Segen Gottes attraktiv war und ist. Es wundert auch nicht, dass Erfolg und Fortschritt mit Segen leicht zu verwechseln sind. Sie bringen mehr. Aber umgekehrt geht es nicht: Wer mehr hat, hat der auch Segen? Wer mehr hat, ist der näher bei Gott? Klarer Irrtum.

Gottes Segen ist ein Geschenk vom Paradies her, stammt aus den Tagen, als Gott im Blick auf alle Welt sagen konnte: "Siehe, es war sehr gut." Diese Tage sind vorüber. Sie sind auch vorüber, weil Menschen meinen, mehr sei immer auch besser; augenzwinkernd behaupten: mehr für mich, das ist auch mehr für dich. Oft gesagt und wiederholt wird dieser Satz nicht wahr. Sein Lügengesicht steht vor Augen: Wer ohne Rücksicht auf andere, auf Welt und Umwelt immer mehr an sich bringt, der bringt die Welt nicht weiter - wenn überhaupt, dann weiter an den Abgrund. Ein Geheimnis des Segens: Weniger kann durchaus deutlich mehr sein. Das mag sich auch Jakob am Ende seines Lebens gedacht haben. Eben jener Jakob, der von Gott den Namen Israel bekommt. Jakob hat den Segen nicht ganz astrein an sich gebracht, Jakob, der den Segen in immer Mehr umzumünzen versucht und am Ende feststellen muss, dass er den Segen - was gut war in seinem Leben -ganz und gar unverdient bekommen hat. Am Ende seines Lebens mehrt er den Segen auf jene Weise, in der alleine Segen zu vermehren ist. Er gibt ihn weiter. Sicher, er gibt den Segen auch an seine Kinder weiter. Zuvor bekommt aber ein Fremder den Segen: "Jakob segnete den Pharao."

Auf den Spuren Jakobs und Israels geht es Europa immer dann gut, wenn es den von Gott unverdient empfangenen Segen weitergibt und nicht für sich selbst behält. Anders wird nicht Gutes draus.

Quelle: RP
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