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Von Düsseldorf in die USA
Vom Traum, Tellerwäscher im Land der Millionäre zu werden

Von Düsseldorf in die USA: Vom Traum, Tellerwäscher im Land der Millionäre zu werden
Matthias Eck vor dem Café "Schicke Mütze". Wenn er in die USA auswandert, will der leidenschaftliche Radfahrer zwei Fahrräder mitnehmen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Millionen von Menschen gehen jedes Jahr bei der Greencard-Lotterie der USA leer aus - Matthias Eck aus Heerdt dagegen hat gleich beim ersten Versuch gewonnen. Treffen mit einem ungewöhnlichen Amerika-Auswanderer. Von Alexandra Wehrmann

Eck ist mit dem Radl da. Obwohl es den ganzen Tag wie aus Kübeln schüttet. In der "Schicken Mütze", der Zweirad-Werkstatt mit angeschlossenem Café, muss er sich also erst mal aus seiner Regenkluft schälen. "Da hätten wir schon den ersten Grund auszuwandern", scherzt er - und bestellt einen Lungo. Den Traum vom Land der angeblich so unbegrenzten Möglichkeiten träumt der 36-Jährige schon seit einigen Jahren. "Damals habe ich realisiert, dass mir die Welt offensteht", so Eck. Wenn er das sagt, klingt das nicht nach unbändiger Begeisterung, eher nüchtern und sachlich.

Die ersten knapp 30 Jahre seines Lebens war Matthias Eck sesshaft. Nach der Schule blieb er in seinem Heimatort Wipperfürth im Bergischen Land. Eck absolvierte eine Ausbildung zum Maler. "Zehn Jahre habe ich in dem Beruf gearbeitet, die Hälfte der Zeit war ich arbeitslos", erzählt er. Irgendwann wollte er an seiner Situation etwas ändern. Er begann ein Architektur-Studium an der Hochschule Düsseldorf, zog in ein Bilker Studentenwohnheim. Im Rahmen des Studiums absolvierte er 2015 ein Auslandssemester in Los Angeles. L.A. gefiel ihm, obwohl er passionierter Radfahrer ist und Los Angeles eine Auto-Stadt.

Den Plan auszuwandern hatte er schon vorher im Kopf. Weniger konkret, mehr als fixe Idee. Ins englischsprachige Ausland sollte es auf jeden Fall gehen. Warum ausgerechnet die USA? "Wegen der Natur", sagt er. Zu dem Zeitpunkt kannte er das Land nur aus der Ferne. Trotzdem versuchte er sein Glück, bewarb sich 2012 für die offizielle Greencard-Lotterie. 50.000 Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen werden jährlich verlost. Unter Millionen von Bewerbern. Manche probieren es ihr ganzes Leben lang - und gehen immer leer aus. Matthias Eck hatte gleich im ersten Versuch Glück.

"Als die Benachrichtigung aus den USA kam, war ich erst mal geschockt", sagt er. Aus der ursprünglich fixen Idee wurde langsam Ernst. Eck war allerdings zu dem Zeitpunkt noch mitten im Studium. Problem: "Von dem Moment an, da man die Greencard hat, darf man sich offiziell nicht länger als ein Jahr am Stück außerhalb der USA aufhalten." Eck reiste also regelmäßig über den großen Teich, mal nach New York, mal nach Miami, Chicago oder San Francisco, um den Anspruch nicht zu verlieren. Ein teures Vergnügen für einen Studenten. 15.000 Euro, so schätzt Eck heute, hat er wohl im Laufe der Jahre für die Reisen ausgegeben.

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In den kommenden "ein bis zwei Monaten" will er den großen Schritt nun endgültig wagen. Vor anderthalb Jahren hat er an der HS Düsseldorf seinen Master in Architektur gemacht. In dem Beruf gearbeitet hat er seitdem allerdings nicht. Momentan verdient er sein Geld beim Lieferdienst Foodora. Für ihn als Fahrradverrückten sei das ein Traumjob, auch wenn die Bezahlung nur knapp über dem Mindestlohn liege.

Matthias Eck stellt keine großen Ansprüche an das Leben. Derzeit wohnt er in einem "feuchten Keller mit niedrigen Decken in Heerdt". Seine Wohnung habe nicht einmal ein Bett. Er schläft auf einer Matratze. In Los Angeles wird das Dasein ähnlich bescheiden aussehen, aber wesentlich kostspieliger. "Für ein winziges Zimmer mit angeschlossenem Bad, das mir Bekannte überlassen, zahle ich monatlich 1200 Dollar." Wie er das Geld aufbringen soll, weiß Eck momentan noch nicht genau. Rücklagen konnte er über die Jahre nicht bilden. Alles, was er verdient hat, ist ja für die USA-Flüge draufgegangen. "Ich werde also wohl drei Nebenjobs gleichzeitig annehmen", sagt er und lacht. Was das sein könnte? "Tellerwäscher vielleicht." Er zuckt mit den Schultern.

Dafür, dass seine Zukunft so ungewiss ist, wirkt Matthias Eck beim Treffen noch ziemlich entspannt. Man könnte ihn cool nennen. Oder auch naiv. Wo andere einen zweiwöchigen Urlaub generalstabsmäßig durchplanen, lässt Eck die Dinge eher auf sich zukommen. Momentan ist er damit beschäftigt, sein Hab und Gut über Ebay zu verkaufen. In die neue Heimat mitnehmen wird er fast nichts. "Zwei Fahrräder und zwei Koffer." Einen Laptop wird er im Gepäck haben, die Utensilien, die er zum Zeichnen braucht, Fachbücher, ein paar Modelle, Fahrradsachen und natürlich Kleidung. "Aber ich habe ja sowieso in L.A. keinen Platz", sagt er. Das winzige Apartment wird einer ehemaligen Kommilitonin und ihm gleichzeitig als Arbeitsplatz dienen. Langfristig möchte Eck nämlich in den USA als selbständiger Architekt arbeiten. Schwerpunkt: Visualisierung.

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Bleibt die Präsidentenfrage. Als Trump ins Amt gewählt wurde, weilte Eck gerade in Los Angeles. Seine kalifornischen Bekannten seien vom Ausgang der Wahl genauso geschockt gewesen wie die meisten in Deutschland. Auch Eck sieht den mittlerweile amtierenden Präsidenten kritisch, dennoch will er den langgehegten Plan jetzt durchziehen. Oder es zumindest versuchen. Aufgrund der langen Zeit, die er seit seinem letzten USA-Besuch außer Landes verbracht hat, sei es nämlich durchaus möglich, dass er gar nicht erst einreisen dürfe. Das liege im Ermessen des jeweiligen US-Grenzbeamten. Wenn der "no" sagt, habe das allerdings auch was für sich, findet Eck. "Dann hat das ganze Hin und Her ein Ende." Einen Plan B hat er nicht. Er lässt die Dinge auf sich zukommen. Wie immer.

Quelle: RP
 
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