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Düsseldorf
Von Champignons und Wettersternen

Düsseldorf: Von Champignons und Wettersternen
Experte Jürgen Schnieber zeigt den Pilz-Interessierten bei der Führung auf dem Südfriedhof einen Röhrling. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Experte Jürgen Schnieber erklärte bei einer Wanderung auf dem Südfriedhof, wie man Pilze findet und voneinander unterscheidet. Von Beate Werthschulte

Obwohl das Thermometer kaum sieben Grad zeigt und es die meiste Zeit regnet, sind am Samstag rund 30 Interessierte zum Südfriedhof gekommen. Sie wollen von Friedhofsleiter Jürgen Schnieber Wissenswertes über die heimischen Pilze lernen. Der Pilzsachverständige, zertifiziert bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, hat sich in vielen Kursen und Seminaren ein breites Wissen angeeignet. Bei der rund zweistündigen Führung zeigt er den Teilnehmern etwa 20 verschiedene Arten und informiert unter anderem über Unterscheidungsmerkmale zwischen essbaren und nicht essbaren Pilzen. Zudem erklärt er, wie sich Pilzarten wie Röhrlinge, Ritterlinge, Becherlinge, Champignons oder der seltene Wetterstern erkennen lassen.

Das möchte auch Katharina Mertens wissen, die mit ihrem Sohn und ihrer Nichte an der Lehrwanderung teilnimmt. "Für Pilze interessieren wir uns in letzter Zeit besonders, denn wir haben dieses Jahr häufig welche gesehen, wissen aber nicht, ob es Speisepilze sind", sagt sie.

Dass sie so viele entdeckt hat, liegt vor allem daran, dass 2017 ein sehr gutes Pilzjahr ist. "Die Witterung mit viel Regen hat dafür gesorgt, dass es von Ende Juli bis Mitte Oktober so viele Pilze gab wie lange nicht mehr", erläutert Schnieber. Zwar sei die Saison fast vorbei, dennoch finde man auch jetzt in Düsseldorfer Parks, Wäldern und auf den Friedhöfen noch eine Reihe unterschiedlicher Arten, mit ein wenig Glück auch gute Speisepilze wie beispielsweise den Riesenchampignon.

Ihre Pilzkenntnisse auffrischen und erweitern möchten bei der Lehrwanderung Gabriele Bach und ihr Mann Reinhold. "Schon als Kind musste ich mit meinem Vater im Gerresheimer Wald Pilze suchen", erzählt sie. Später habe sie für einige Zeit im Sauerland gelebt und dort so häufig Pilze gesammelt, dass sie irgendwann zwölf Arten unterscheiden konnte. Auch Monika und Dieter Drabnitzke haben die Lust, Pilze zu sammeln, im Sauerland entdeckt. "Wir hatten wenig Ahnung, waren aber mit Leuten unterwegs, die sich auskannten, das hat großen Spaß gemacht", erzählen sie.

Wer Pilze bestimmen möchte, muss zunächst wissen, dass der Pilz dafür komplett aus der Erde genommen werden muss. "Für die Bestimmung brauchen wir immer den ganzen Fruchtkörper, er sollte also nicht abgeschnitten werden", erklärt Schnieber. So gibt es in Mitteleuropa etwa 5000 bis 6000 verschiedene Pilze - und längst nicht alle haben Hut und Stiel. Ist ein Hut vorhanden, sollte man sich für dessen Unterseite interessieren. Befinden sich dort etwa Lamellen oder Blätter, die bei Verletzung eine milchige Flüssigkeit aussondern, weiß der Kenner, dass sich um einen Pilz aus der Gruppe der Milchlinge handelt. "Darunter gibt einige wenige Speisepilze mit roter Milch", sagt Schnieber. Viele Milchlinge jedoch seien brennend scharf und daher ungenießbar.

Überhaupt, so der Experte, solle man nur Pilze essen, die man genau kenne, zu groß sei die Gefahr einer Vergiftung. Zudem rät Schnieber, Pilze - außer den handelsüblichen Zuchtchampignons - nicht roh, sondern nur gekocht oder gebraten zu essen und auch nicht täglich und nicht in großen Mengen. Denn es gibt Pilze, die in rohem Zustand giftig sind, zudem kann rohes Pilzeiweiß schwere Allergien auslösen.

Quelle: RP
 
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