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Mein Düsseldorf
Von leeren Flaschen und vollen Automaten

Düsseldorf. In einigen Supermärkten sollen die Kunden an Selbstbedienungskassen tätig werden. Und nun hat auch der Getränkemarkt einen neuen Automaten. Ärger ist programmiert.

Was haben wir gemeckert in der Service-Wüste Düsseldorf. Einkaufsstadt nannte sie sich stets gern, aber sie galt vielen als arrogant, weil man den Eindruck hatte, das Personal sei von Adel und lasse sich nur ungern zu uns herab, dem Kundenpöbel. Ein paar Mal hätte unser flammender Zorn fast die Sprinkleranlage in ihren feinen Läden aktiviert und das Wasser wäre ihnen in die hoch getragene Nase gedröppelt. Ehrlicherweise muss man sagen: die Zeiten sind vorbei, heute achten perfekt ausgebildete Leute auf uns (bzw. unser Geld), man hat begriffen, dass der eigene Job vom zufriedenen Kunden abhängt.

Aber nun sehen wir erneut ein Austrocknen der Komfortzonen. Das passiert allerdings diskret und wird - geschickt verpackt - dem Konsumenten als weitere Verbesserung verkauft. Ist es aber nicht, in Wahrheit macht man ihn zur unbezahlten Aushilfe. Beispiele kennen Sie alle: Viele Supermärkte haben, noch zu Testzwecken, automatische Kassen installiert, an denen keiner mehr sitzen muss, um Waren über ein Lesegerät zu ziehen. Wer das stattdessen macht? Wer wohl? Wir selbst. SB-Kassen heißen die Dinger, und der Name ist ehrlich - man bedient sich selbst und entlastet damit den Kostenapparat der Lebensmittelkette. Was seinen Aufwand mindert, aber für uns Arbeit bedeutet: Einscannen des Preisschildes, alles in Beutel packen und auf eine Waage stellen, per EC-Karte bezahlen - fertig. Ein Mensch an der Kasse ist nicht mehr nötig. Derzeit allerdings noch ein Aufpasser, weil wir Handlanger noch in der Ausbildung sind und Fehler machen, also Hilfe brauchen. Aber das wird sich bald ändern, wenn sämtliche Artikel einen Codierungs-Chip haben und man mit dem Wagen nur noch durch eine Barriere fährt, in der alles erfasst und berechnet wird. Was tatsächlich ein Fortschritt wäre, weil man nichts mehr anfassen muss. Ärgerlich jedoch ist das, womit uns jetzt der Getränkehändler unseres Vertrauens in Heerdt überraschte. Dessen Umsatz steigern wir seit Jahren, weil es dort direkt vor der Tür ausreichend Parkplätze gibt (was für den wöchentlichen Einkauf an größeren Mengen Wasser etc. wichtig ist!) und unmittelbar am Eingang eine Theke stand, hinter der nette Jungs einem das Leergut abnahmen und einen entsprechenden Bon in die Hand drückten.

Das ist jetzt vorbei, jedenfalls für den größten Teil der leeren Flaschen. Denn wir müssen nun - man fasst es nicht! - vorsortieren, weil alles, was nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff ist und eine bestimmte Markierung hat, nun von uns selbst in einen Automaten gesteckt werden soll. Wer diese Geräte kennt, weiß um ihren Aggressions-Steigerungs-Faktor: Entweder sind sie defekt, oder melden nach längerem Warten das Ende ihrer Aufnahmekapazität, oder eine lange Schlange steht davor, oder sie spucken manche Behälter - keine Ahnung, warum - wieder aus.

Dann stehst Du davor, empfindest plötzlich Interesse für die Technik jener Verbrecher, die Geldautomaten in die Luft jagen - und fragst Dich nur noch, ob es nicht ein erfüllendes Gefühl wäre, dem Gerät eine explosive Flaschenpost unterzujubeln, die weder leer noch gut für ihn ist . . .

Quelle: RP
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