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Düsseldorf
Von Nackten, Röntgenbildern und Hut-Trägern

Düsseldorf. Heute und morgen findet das Art & Sound-Forum zum 18. Mal im Atelier von Harry Döhrn statt. Von Bernd Schuknecht

Künstler aus dem Stadtteil präsentieren ihre neuen Arbeiten, interessante Gäste erweitern den künstlerischen Spannungsbogen, dazu gibt es Musik und eine besondere Edition der beteiligten Künstler zum Kunstfreunde-Preis von 30 Euro.

Dies ist grob das Konzept des zweitägigen Art & Sound-Forums, das alljährlich viele Kunstinteressierte überzeugt. Aus diesem Grunde findet es heute und morgen bereits zum 18. Mal im Atelier von Hardy Döhrn an der Benrodestraße 18 statt. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer eingespielten Zusammenarbeit Döhrns mit dem Urdenbacher Künstlerpaar Andrea und Bertolt Mohr. Die Drei laden an beiden Tagen jeweils ab 15 Uhr zur Besichtigung der Arbeiten ein. Zu den künstlerischen Gästen zählen diesmal die Urdenbacherin Elena Engel sowie Thomas Bernstein, der von 1978 bis 1985 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Fritz Schwegler studiert hat, und von 2006 bis 2012 selbst eine Professur an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg innehatte.

Bernstein, 1957 im Westerwald geboren, nutzt Erinnerungen an die Jugendzeit in Mündersbach, wo es ländlich, aber nicht unbedingt sittsam zuging, als thematische Grundlage für seine Zeichnungen, die von nackten Menschen dominiert werden. Allerdings wirkt die Nacktheit nicht als erotische Anziehungskraft. Im Gegenteil, die Männer und Frauen wirken neutral wie FKK-Anhänger, selbst auf Partys sind sie Ich-Bezogen, trinken, spritzen Heroin oder rauchen Joints. Das spontane Lachen bleibt bei den Zeichnungen, die auf den ersten Blick Karikaturen ähneln, schnell im Hals stecken. Fast verstörend wirkt das autistische Tun der Nackten, befreiend dagegen die Skulptur "W.D. Simon", die mittels Stahl sowie einem Paar Skischuhe und einem Filzhut an einen westerwälder Jugendfreund erinnert.

Auf der Suche nach der seelischen Mitte des Menschen zeigt Elena Engel ein Pendel-Objekt, quasi als physikalisches Hilfsmittel. Sie hat sich aber auch ein Bild vom Inneren des Menschen gemacht. Ihre Arbeiten erinnern an Thorax-Röntgenbilder, auf denen dunkel die zum Brustkorb gewölbten Rippenbögen zu sehen sind. Auf die Feinjustierung der Seelenortung weisen Schwerpunktlinien oder Pendel hin.

"In diesem Sommer hab' ich mal wieder einen malerischen Aufruhr in mir verspürt und wieder kräftig Farbe zum Einsatz gebracht", erklärt Döhrn, der die Jahre zuvor mit künstlerischen Foto-Experimenten zugebracht hatte. Es bleibt sein Humor, wie auf einem Bild, das Erich Honecker und Joseph Beuys als überzeugte Hutträger vereint. Einen dynamischen Pinselstrich und ein malerisches Ergebnis, das teils dem Zufall geschuldet ist, aber deswegen nicht weniger assoziativ wirkt, zeichnen die Bilder von Bertolt Mohr aus.

Zu entdecken gibt es einen geköpften Schädel, Landschaften, Eisenspäne in Magnetfeldern oder Panzer aus dem Ersten Weltkrieg. Andrea Mohr zeigt Malerei sowie Objekte, die meist aus Holz, das ihr am Rhein aufgefallen ist, gefertigt sind. Weiße Kreide oder Blattgold schaffen Verfremdungseffekte.

Quelle: RP
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