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Düsseldorf
Von Stoffwindeln und Korbwagen

Düsseldorf: Von Stoffwindeln und Korbwagen
Marlies Fenners (rechts) zu Beginn ihrer Zeit bei Baby Kochs - damals waren die Kinderwagen im Sortiment noch deutlich weniger geländegängig. FOTO: Baby Kochs
Düsseldorf. Marlies Fenners hat 63 Jahre lang beim Traditionsgeschäft Baby Kochs gearbeitet. Erst mit 77 hörte sie jetzt dort auf. Von Dagmar Haas-Pilwat

Manchmal kann sie es selbst kaum glauben: Was hat sie doch für ein glückliches Leben. Marlies Fenners strahlt. Sie wirkt so frisch und jugendlich, dabei ist sie stolze 77 Jahre alt. Bis vor wenigen Monaten hat sie trotzdem noch gearbeitet und, wie fast ihr ganzes Leben lang, Baby- und Kindermode verkauft - seit unglaublichen 63 Jahren. Wie viele Jungen und Mädchen oder besser gesagt deren Eltern, Großeltern, Patentanten oder Onkel sie beim Kauf von Stramplern oder Kleidchen beraten, mit ihnen geredet und gelacht hat - wer soll das wissen?

"Gezählt habe ich sie nicht, doch es waren schon viele, sehr viele", sagt die temperamentvolle Einzelhandels-Kauffrau. Damals, im Alter von 14 Jahren, hat sie sich nach der Volkschule ("nur mein Bruder durfte auf eine weiterführende Schule") eine Lehrstelle gesucht. "Weil ich unbedingt etwas mit Kindern machen, aber nicht in einem Kaufhaus arbeiten wollte, habe ich bei Baby Kochs angerufen", erzählt sie. Der Großvater von Dominic de Lange, der das 1877 gegründete Düsseldorfer Traditionsgeschäft mit seiner Frau Yasmin in der fünften Familiengeneration führt, hat sie einst eingestellt. "Aber erst, nachdem ich zum Test mal schnell ein paar Rechenaufgaben gelöst habe, denn Kopfrechnen war im Einzelhandel ganz wichtig", erinnert sich Marlies Fenners.

Überhaupt waren die Zeiten damals ganz anders: "Wir trugen Kittel in Rosa und Hellblau. Die Stoffwindeln lagen auf Kante gestapelt im Regal, die Erstausstattungen in gläsernen Vitrinen." Anstelle von modernen Babyschalen gab es Korbwaren, und die Kinderwagen waren auch alles andere als geländegängig. Baby Kochs im Rosa Haus am Wehrhahn war eines der ersten Geschäfte in Deutschland, das alles rund ums Baby und Kind im Sortiment hatte, auch Spielwaren. Und Marlies Fenners war in ihrem Element. Bis heute hat sie ein Faible für Mode und legt Wert auf gepflegtes Äußeres.

Mit 16, damals trug sie Pferdeschwanz und Petticoat-Kleider, hat sie ihren späteren Mann bei einer Tanz-Matinee im Apollo kennengelernt. Die beiden kamen sich näher, haben mit elterlicher Erlaubnis geheiratet, zwei Söhne bekommen. Inzwischen haben sie auch zwei Enkel.

All diese Jahre, auch nach dem Umzug des Stammhauses in die Breite Straße, ist die gebürtige Düsseldorferin ihrem Arbeitgeber mal in Voll- oder Teilzeit und zuletzt aus Aushilfe treu geblieben. "Wir haben jedes Jahr alle gemeinsame Ausflüge gemacht, waren Schwimmen und Skilaufen im Sauerland, sind mit den damaligen Chefs Ingrid und Jan de Lange auf der Kirmes gewesen oder wandern." Marlies Fenners hat ihr Berufsleben genossen, mit vielen ihrer Kolleginnen ist sie befreundet, man trifft sich in der Freizeit.

"Mein Mann hat mich immer unterstützt und das in einer Zeit, als wir Frauen nur mit Genehmigung unserer Ehemänner überhaupt arbeiten durften." Selbst als sie das Rentenalter erreicht hatte, dachte sie nicht ans Aufhören. "Mir hätte was gefehlt", davon ist sie überzeugt. Und Dominic de Lange wollte schon gar nicht auf sie verzichten. "Wenn sie im Laden war, hatte ich stets ein gutes Gefühl", sagt der Inhaber.

Wenn die 77-Jährige heute auf die Jahrzehnte zurückblickt, ist sie davon überzeugt, dass ihre Kunden, alle die Kinder mit ihren Eltern und den spendablen Großeltern, sie fit gehalten haben. "Es hat so viel Spaß gemacht." Heute trifft sie sich regelmäßig mit ihren Enkelsöhnen (15 und 25 Jahre alt). Die gehen dann mit Oma zum Mittagessen ins Steakhaus und anschließend zum Shoppen.

Quelle: RP
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