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Düsseldorf
Wachsende Schülerzahl überfordert Gymnasien

Düsseldorf: Wachsende Schülerzahl überfordert Gymnasien
Auch im Keller des Comenius-Gymnasiums wird unterrichtet. Schulleiter Alfons Musolf (r.) fühlt sich von der Verwaltung "betrogen". FOTO: A. Endermann
Düsseldorf. Einige Schulen müssen künftig mehr Klassen pro Jahrgang aufnehmen. Manche sind massiv verärgert, andere zumindest verunsichert. Von Jörg Janssen

Die steigende Zahl Düsseldorfer Gymnasiasten und die Einrichtung zusätzlicher Klassen pro Jahrgang sorgt an mehreren Schulen für Verärgerung. Wie die Eltern des Pempelforter Humboldt-Gymnasiums fürchten auch andere Schulen, dass mehr Klassen pro Jahrgang einen ordnungsgemäßen Unterricht vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern, in Sport und in Musik gefährden könnten, wenn nicht zügig neue Klassenräume entstehen.

"Unsere Schulkonferenz hat zwar mit einem Stirnrunzeln einer zusätzlichen Klasse in Jahrgangsstufe 5 zugestimmt. Allerdings nur dann, wenn die gemachten Zusagen in Sachen Ausbau auch tatsächlich eingehalten werden", sagt Sabina Fahnenbruck, Leiterin des Niederkasseler Cecilien-Gymnasiums. 24 zusätzliche Räume sollen an ihrer Schule mittelfristig neu entstehen. "Ohne diese Kapazitäten können wir die anvisierte Fünfzügigkeit für alle künftigen Jahrgangsstufen nicht zusichern."

Doch genau solchen einmal gemachten Zusicherungen misstrauen einige Schulleiter. Zu ihnen zählt Alfons Musolf, Leiter des Oberkasseler Comenius-Gymnasiums. Bereits im April hatte der Pädagoge die Debatte um Raumnot, Sanierungsstau und nicht eingehaltene Zusicherungen der Schul- sowie der Bauverwaltung in einem fünfseitigen Brandbrief neu belebt. Auch die Oberkasseler Schule ist - ähnlich wie das Humboldt-Gymnasium - über einen mit ihr vereinbarten zusätzlichen Zug (ab August) massiv verärgert, fühlt sich überdies vom Schulverwaltungsamt dazu gedrängt. Der Kragen platzte dem Pädagogen, weil neue Räume, die die Stadt 2008 bei der Einrichtung des Ganztagsbetriebs zugesagt hatte, nach Auffassung der Schulgemeinde ganz überwiegend nicht geschaffen wurden. Stattdessen wird ein Teil der Schüler in veralteten Containern ohne Wärmedämmung und Schallschutz unterrichtet. "Wir fühlen uns bei diesem Thema betrogen", sagt Musolf, der seine Kritik nicht auf die Verwaltung beschränkt. Auch Gespräche mit Fachpolitikern aus dem Rat hätten ihn bislang "eher enttäuscht".

Die Stadt zeigt Verständnis für die Verärgerung beziehungsweise Verunsicherung an den Gymnasien. Schulverwaltungsamtsleiterin Dagmar Wandt warnt jedoch vor einer zu pessimistischen Sicht der Dinge. So sei die "Projektgruppe schulische Hochbaumaßnahmen" eigens gegründet worden, um Abläufe zu beschleunigen. Auch die Schulbaufirma Immobilien Projekt Management Düsseldorf GmbH (IPM) werde ihren Beitrag leisten. "Es sind bereits für Ende des Jahres mehrere Ausführungs- und Finanzierungsbeschlüsse in Vorbereitung", sagt Wandt. Ende August werde die Verwaltung weitere Projekte vorstellen, "damit der Gesamtbedarf von rund 370 fehlenden Unterrichtsräumen bis zum Schuljahr 2019/20 gedeckt werden kann". Dann werde auch die Planung beispielsweise für das Comenius-Gymnasium bekanntgegeben. "Und zwar zeitnah."

Doch davon muss ein Teil der Gymnasien wohl erst noch überzeugt werden. In ihrem Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte sich die Schulpflegschaft des Humboldt-Gymnasiums "auf das Schärfste gegen die verordnete Sechszügigkeit" gewandt. Die Einrichtung von sechs Klassen sei "gegen das Votum der Schulleitung" angeordnet worden. Ein ordnungsgemäßer Unterricht sei bei weiter steigenden Schülerzahlen möglicherweise nicht zu gewährleisten.

Quelle: RP
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