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Wohnen in Düsseldorf
Warum es linksrheinisch keine günstigen Wohnungen gibt

Wohnen in Düsseldorf: Warum es linksrheinisch keine günstigen Wohnungen gibt
Gerne würden Familien vor allem mit Kindern im linksrheinischen Düsseldorf wohnen. Für viele ist das aber zu teuer. FOTO: andreas endermann
Meinung | Düsseldorf. Normalverdiener können es sich bald nicht mehr leisten, in Düsseldorf links vom Rhein zu wohnen. Der Baugrund in Ober-, Niederkassel und Lörick hat seinen Preis in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Unser Autor Hans Onkelbach weiß, warum.

Neulich lag eine Karte im Briefkasten. Darauf das Foto einer jungen Familie: Mutter, Vater, zwei niedliche Kinder. Darunter ein kurzer Text: Wir wohnen hier in der Gegend, aber unsere Wohnung ist zu klein und wir suchen was Neues, möchten aber nicht weg. Weil wir uns wohlfühlen. Können Sie helfen, haben Sie einen Tipp, verkauft jemand ein Grundstück oder ein Haus? Und: Bezahlbar sollt es sein. Nein, helfen konnten wir nicht. Die Familie lebte in Niederkassel, inzwischen ist sie in den Düsseldorfer Norden gezogen. In Niederkassel, Oberkassel und Lörick ist es nämlich nahezu unmöglich, Wohnungen oder Häuser - erstens - überhaupt zu finden und - zweitens - zu halbwegs erschwinglichen Preisen.

In den sauren Apfel beißen

Baugrund in diesen Stadtteilen hat seinen Preis in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Ein Grundstück, 2001 in Lörick für umgerechnet 400 Euro pro Quadratmeter gekauft, würde heute zwischen 800 und 1000 Euro kosten. Kommen Häuser überhaupt auf den Markt (was selten passiert), werden aberwitzige Preise abgefragt. Konkretes Beispiel: Ein Haus, rund 20 Jahre alt, knapp 200 Quadratmeter Wohnfläche mit 400 Quadratmeter Grundstück sollte 980.000 Euro kosten. Da es innen - sagen wir: eigenwillig - aufgeteilt ist, winkten die zahlreichen Interessenten schnell ab. Dennoch wird es weiter angeboten, nun für 920.000 Euro. Bald wird sich ein Käufer finden und in den sauren Apfel beißen, umbauen zu müssen.

Der Markt ist nicht etwa angespannt, weil es keine Baugrundstücke gibt - sie sind vorhanden. Aber sie werden nicht bebaut. Aus unterschiedlichen Gründen. Für das riesige Areal nord-westlich des Seesterns bis zur Büdericher Stadtgrenze gibt es angeblich seit Jahren einen Bebauungsplan, aber nichts bewegt sich, bis auf den Bau eines Flüchtlingsheims auf städtischem Grundstück, der schnell realisiert wurde. Der Rest, in weiten Teilen in privater Hand, liegt brach oder wird mit Rüben und Mais bebaut.

Kein Interesse zu bauen

Ein weiterer Grund: Die Grundstückseigentümer haben kein Interesse daran, zu bauen. Warum auch - lassen sie ihren Boden ungenutzt, wächst er dennoch pro Jahr im Wert, zehn Prozent sind realistisch. So viel Geld kann derzeit keine Bank für Geld auf dem Konto bieten. Außerdem sind eine Reihe von Grundstücken bereits für den Nachwuchs reserviert, der aber noch zu Schule geht und - wenn überhaupt - erst in 20 oder mehr Jahren Interesse hat, sesshaft zu werden. Neuerdings zu beobachten: Einige Vertreter einer neuen Generation der Grundstückseigentümer, längst versorgt mit nettem Eigenheim, verkauft nicht, sondern baut zwecks Vermietung. Der Trend: So preiswert wie möglich bauen - und so teuer es geht vermieten. Weil Familien mit Kindern Schlange stehen und unbedingt im gut versorgten Stadtteil (Läden, Kitas, Schulen, Ärzte in der Nähe) leben wollen, ist die Nachfrage hoch. Fraglich, wie sich das mal darstellt, wenn der Markt dereinst in eine andere Richtung geht.

Andere Regeln

Ist der Bauherr dagegen ein großer Investor, gelten ganz andere Regeln: Es gibt in den linksrheinischen Stadtteilen Dutzende neuer Wohnungen, die leer stehen - bei Quadratmeterpreisen deutlich über 5000 Euro ist die Zahl der Kaufinteressierten überschaubar. Denn so was zu kaufen und dann zu vermieten, lohnt nicht. Also wartet man auf Käufer, die selbst einziehen wollen - und in dem Bereich hat sich der Markt beruhigt: Wer in Düsseldorf eine Wohnung für über eine Million Euro kaufen kann, hat das vor Jahren getan, die Nachfrage ist rückläufig.

Fazit: Links vom Rhein in den begehrten Lagen hat ein Sylt-Effekt begonnen. Gemeint ist: Wie auf der Insel im Norden können es sich Normalverdiener bald nicht mehr leisten, dort zu wohnen.

Quelle: RP
 
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