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Falsche Brandmeldungen in Düsseldorf
Darum ist im Tunnel ständig Alarm

Kö-Bogen-Tunnel: so klingt die Katastrophen-Durchsage
Düsseldorf. 16 Fehlalarme seit Januar, allein zwei in der vergangenen Woche: Bei Feueralarm im Kö-Bogen-Tunnel wird die Straße gesperrt, die Feuerwehr rückt an, und im Tunnel gibt es Warndurchsagen. Wir erklären, warum das derzeit häufiger passiert. Von Helene Pawlitzki
  • Wie häufig hat es Fehlalarme gegeben?

Nach Auskunft der Stadt sind seit Januar 2016 im Einsatzleitrechner 16 Alarmierungen der Feuerwehr im Kö-Bogen-Tunnel gelistet. Bei keiner hat die Feuerwehr einen Brand festgestellt. Zwei Alarme gab es letzte Woche, am Dienstag (04.10.2016) und am Freitag (07.10.2016). Davor gab es einen Fehlalarm Anfang September, der eine zweistündige Sperrung im Berufsverkehr auslöste.

  • Was passiert bei einem Alarm?

Die Feuerwehr wird automatisch verständigt und schickt sofort aus beiden Richtungen Löschzüge in den Tunnel. Sie überprüft, ob es tatsächlich brennt – und löscht natürlich, wenn nötig.

Auch die Polizei wird verständigt. Sie soll dafür sorgen, dass es kein Verkehrschaos gibt. Denn die Anlage sperrt die Tunnelzufahrten und eine automatische Ansage fordert die Menschen auf, ihre Autos im Tunnel zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Das hat in der Vergangenheit schon häufiger zu längeren Staus geführt. 

16 Mal gab es in diesem Jahr schon Fehlalarme im Tunnel FOTO: Joris Hielscher
  • Warum gibt es so viele Fehlalarme?

Hauptsächlich, weil die Brandmeldeanlage sehr sensibel eingestellt ist. Für sie fühlt sich vieles nach einem Brand an, was keiner ist.

Beim Fehlalarm am Freitag (07.10.2016) war beispielsweise ein schneller Temperaturanstieg der Auslöser: "Der Alarm wurde im Tunnel Immermannstraße durch Hitzeeinwirkung auf das Brandmeldekabel ausgelöst. Die Aufzeichnung zeigt eine Temperaturveränderung größer als 20 Grad Celsius in einer Minute an", berichtet ein Sprecher der Stadt Düsseldorf auf Anfrage unserer Redaktion. Das könne zum Beispiel durch ein Fahrzeug mit Hitzeabstrahlung wie einen Gussasphalt-Kocher verursacht worden sein. So ein Kocher erhitzt den Asphalt vor dem Verteilen auf über 200 Grad.

Dieser Hinweis zeigt: Die Bauarbeiten sind mit Schuld an den vielen Fehlalarmen. Auf der Baustelle gibt es offenbar viel, was die Brandmeldeanlage verwirren kann. Gleichzeitig ist die Anlage offenbar noch zu sensibel eingestellt. Derzeit wird bei jedem Fehlalarm nachjustiert, so die Stadt.

  • Was waren die konkreten Auslöser bei den Fehlalarmen?

Neben der großen Hitzeentwicklung beim letzten Alarm (vielleicht durch den Gussasphalt-Kocher) nennt die Stadt folgende Ursachen:

Die Ursachen sind also vielfältig, haben aber hauptsächlich damit zu tun, dass die Brandmeldeanlage noch nicht richtig eingestellt ist. Dazu kommen die Bauarbeiten im Tunnel.

  • Warum können Staub oder ein Kabelbruch einen Brandalarm auslösen?

Eine Brandmeldeanlage besteht im Wesentlichen aus einem Brandmeldekabel, das an der Tunneldecke entlang führt. An diesem Kabel befinden sich Sensoren in einem bestimmten Abstand – im Fall des Kö-Bogen-Tunnels sind es rund 6000 Stück.

Solche Sensoren messen meistens zwei Dinge: einen schnellen Temperaturanstieg, beispielsweise mehr als 20 Grad in einer Minute. Und die Temperaturdifferenz zwischen zwei hintereinanderliegenenden Sensoren. Bei einem Feuer wird es sehr schnell sehr heiß – anders als beispielweise wenn ein Lkw im Tunnelstau steckt und seine Abgase die Luft langsam erhitzen. Wenn aber ein Gussasphalt-Kocher darunter steht und 200 Grad heißen Asphalt rührt, kann der Alarm schon mal auslösen. Genau so wie, wenn das Kabel kaputt geht.

Zusätzlich gibt es im Kö-Bogen-Tunnel Staubdetektoren, die auf trübe Luft reagieren. Wenn durch Bauarbeiten besonders viel Staub aufgewirbelt wird, hält die Anlage ihn für Rauch.

  • Wird es weitere Fehlalarme geben?

Ja, sehr wahrscheinlich. "Da es sich um eine hochsensible technische Anlage handelt, kann dies speziell in der Bau- und Inbetriebnahmephase zu Fehlern, Störungen und Fehlalarmen führen", schreibt die Stadt Düsseldorf auf Anfrage unserer Redaktion. "Zu beachten ist, dass im Tunnel immer noch gearbeitet wird und dass die Technik im laufenden Betrieb erweitert wird. Natürlich wird jeder Fehlalarm analysiert und die Ursache abgestellt. Auch für die Zukunft können Fehlalarme nicht ausgeschlossen werden. Nach der Fertigstellung sollte das aber nur noch sehr selten vorkommen."

  • Wann sind die Bauarbeiten im Kö-Bogen-Tunnel voraussichtlich beendet?

Am kommenden Montag, 17.10.2016 werden die Verkehrseinschränkungen zurückgebaut, so dass im Laufe des Tages alle Fahrspuren in allen Tunneln durchgängig befahrbar sind. In den nächsten Wochen sind dann laut Stadtverwaltung noch Rest-, Nach- und Einstellarbeiten (an der Technik) überwiegend in den Nachtstunden erforderlich. Hier kann es noch zu einzelnen Einschränkungen und Teilsperrungen kommen. "Voraussichtlich alle Arbeiten im Tunnel werden bis spätestens zum Jahresende erledigt sein", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung Düsseldorf. 

Klar ist: Lieber ein Fehlalarm zuviel als ein Brand im Tunnel, der zu lange unentdeckt bleibt.

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