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Investigativjournalist Jonathan Sachse im Interview
Warum Sie sich jetzt mit der Stadtsparkasse befassen sollten

Investigativjournalist Jonathan Sachse im Interview: Warum Sie sich jetzt mit der Stadtsparkasse befassen sollten
FOTO: IVO MAYR
Düsseldorf. Die Kontroverse ist zäh, das Thema ist komplex. Und doch: Sich mit der Stadtsparkasse Düsseldorf näher zu befassen, lohnt sich. Gerade jetzt, wo eine wichtige Entscheidung fällt. Journalist Jonathan Sachse, der sich investigativ mit dem Geschäft der Sparkassen befasst, erklärt, warum.

Am Freitag fällt die Entscheidung über die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Düsseldorf - und damit indirekt über die Zukunft des Konflikts um Ausschüttungen an die Stadt. Die wichtigsten Fakten zu dem Konflikt erklären wir hier. 

Jonathan Sachse ist Reporter beim investigativen Recherchebüro Correctiv. Dort befasst er sich unter anderem mit einem Crowd-Recherche-Projekt zu Sparkassen: Zusammen mit Bürgern analysiert er Daten zu Sparkassen in ganz Deutschland. Die Recherche-Ergebnisse veröffentlicht Correctiv hier.

RP Online Sparkassen sind ein komplexes Thema. Warum soll ich mir als normaler Bürger die Mühe machen, mich mit ihnen zu befassen?

Jonathan Sachse Sparkassen haben einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Region. Als öffentlich-rechtliche Banken sind sie ein wichtiger Partner für Politik und Firmen vor Ort. Das heißt: Was bei der Sparkasse schiefläuft, hat Einfluss auf viele andere wirtschaftliche Zusammenhänge.

Was kann denn schieflaufen?

Sachse Im Prinzip gibt es da zwei interessante Bereiche: Zum einen ist bei Sparkassen die Verflechtung zwischen Bänkern und Politikern groß, da es gemeinsame Gremien gibt, in denen beispielsweise über Spenden zusammen entschieden wird. Das zweite ist, dass die Sparkassen derzeit extrem damit zu kämpfen haben, dass die Zinseinnahmen rückläufig sind.  Denn Kredite sind ihr Kerngeschäft.

Sparkassen sind also wichtig für Politik und Mittelstand. Aber was haben sie mit dem ganz normalen Bürger zu tun?

Sachse Sparkassen haben eine Art Bildungsauftrag. Sie sollen den Menschen das Sparen beibringen und dem Gemeinwohl dienen. Das Sparbuch war für viele der Einstieg ins Thema Bank. Aber mittlerweile kann man praktisch nicht mehr bei einer Bank sparen, weil es keine Zinsen mehr gibt oder die Kontogebühren so hoch sind. Das ist eine Fehlentwicklung. Da kann man fragen: Ist die Sparkasse noch so für den Bürger da, wie sie es einmal war?

Wissen die Menschen genug über das Sparkassensystem oder ihre Sparkasse vor Ort?

Sachse Ich glaube, es lohnt sich total, sich mehr zu informieren. Ich habe im Austausch mit den Bürgern gemerkt, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie Sparkassen genau funktionieren - also, dass es zum Beispiel einen Aufsichtsrat gibt, der aus Lokalpolitikern besteht. Das ist aber wichtig, denn dadurch gibt es eben diese enge Verflechtung zwischen Bank und Politik.

Eine andere Sache, die viele spannend finden: Wenn Spenden vergeben werden, müsste es eigentlich eine Transparenzpflicht geben, so dass man sieht, wer eigentlich Spenden in der Region bekommt. Gibt es bei der Vergabe vernünftige Kriterien? Oder waren vielleicht persönliche Interessen von denen im Spiel, die über die Spenden entscheiden?

Wo sollte man denn anfangen, wenn man sich informieren will?

Sachse Ich würde einfach mal in den Jahresabschluss meiner Sparkasse reinschauen. Dieses Dokument kann jeder über die Seite bundesanzeiger.de einsehen. Für jedes Jahr kann man sehen, wie die Geschäfte laufen. Und man kann auch sehen, wer in den Gremien sitzt und was die so verdienen. Dafür muss man kein BWL studiert haben, sondern man kriegt schnell ein Gefühl, in welchen Dimensionen die Sparkasse vor Ort bewegt.

Eine andere Sache, die man konkret machen kann: sich das Preis- und Leistungsverzeichnis der Sparkasse mal anschauen. Dort kann man sehen, wie hoch die Dispozinsen sind oder ob es bei bestimmten Konten unterschiedliche Zinsen gibt. Und auf unserer Plattform crowdnewsroom.org kann jeder Interessierte all diese Daten für verschiedene Sparkassen vergleichen.

Die Fragen stellte Helene Pawlitzki.

 

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