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Düsseldorf
Warum wegfahren? Düsseldorf ist doch wie...

Internationale Stadt: Düsseldorf ist doch wie....
Internationale Stadt: Düsseldorf ist doch wie.... FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Bis zu 80.000 Menschen sind im Moment jeden Tag am Düsseldorfer Flughafen, um in die Ferien zu fliegen oder diese so langsam ausklingen zu lassen, 3,4 Millionen werden es insgesamt zwischen Ende Juni und Mitte August sein. Von Oliver Burwig und Christian Herrendorf

Will man sich wirklich mit so viel Konkurrenz in einen Flieger quetschen, um in Südeuropa oder in anderen heißen Gefilden zu urlauben? Will man nicht. Muss man auch nicht, denn Düsseldorf bietet auf 217 Quadratkilometern eine wunderbare Kurz- und Zusammenfassung aller Vorzüge der genannten Ziele.

Wer im portugiesischen Viertel an der Erkrather Straße in Flingern Süd ausgeht, muss nicht mehr nach Lissabon reisen, um erst landestypische Kaltgetränke und dann in der Dämmerung eine Cataplana zu sich zu nehmen. Der Unterbacher See mag nicht so groß sein wie der Gardasee in Oberitalien, so schön und abwechslungsreich ist er mit zwei Stränden und den diversen Wassersportangeboten trotzdem. Mindestens kräftige Spuren von Karibik und Südfrankreich gibt es in Düsseldorf auch noch: unter den Palmen am Stresemannplatz und bei den Boulespielern am Rheinufer oder auf den Plätzen in den Stadtteilen von Unterbilk bis Friedrichstadt. Und wer es zugleich sommerlich und kosmospolistisch mag, der kann sich wie die New Yorker in den hiesigen Central Park flüchten: in den Volksgarten.

Das vielleicht schönste Beispiel für Urlaubsgefühle in der Landeshauptstadt liegt nur wenige Meter vom Hafen entfernt. Weißer Sand, glühende Hitze und eine bunte Menschenmenge im Wasser - es könnte die Costa Brava sein, wären da nicht die vorbeifahrenden Containerschiffe, die den Besucher des "Paradiesstrandes" daran erinnern, dass er nicht an der spanischen Küste, sondern mitten in Düsseldorf am Rhein liegt. Obwohl der Strand am Rheinknie sich nur wenige hundert Meter am Fluss entlangschmiegt, zeigen sich auf seiner Strecke doch einige Phänomene, die man ansonsten nur aus dem fernen Sommertourismus kennt.

"Ja... zocken?" - "Ne, lass erstmal chillen", hört man die Abstimmung zweier Jugendlicher, die sich am südlichen Teil des Strandes mit wenigen Worten darauf einigen, vor dem Frisbeespielen im Wasser erst einmal die Sonne vom Ufer aus zu genießen. Die Temperaturen der Wetterberichte, allzu gnädig im Schatten gemessen, straft die Sonne beim Volleyballspielen und Strandspaziergang mit dem Hund Lügen. Dankbar nutzen viele Liegende den Schatten der Bäume, die nur wenige Meter vom Ufer entfernt stehen. So auch René Ruhnke, der mit seiner Slackline - ein Spanngurt, auf dem man zwischen zwei Bäumen entlangbalanciert - die Hitze des Tages entweder unter dem Laubdach der Bäume oder im Wasser verbringt. Fast schon philosophisch klingen die Tipps des 48-Jährigen, mit denen man sich angeblich auf der wackeligen Leine halten könne: "Man darf nicht nach unten schauen. Ich versuche immer, durch den Baum hindurch zu blicken." Auch Ran und sein 17-jähriger Sohn Raphael mögen es lieber ruhig, weshalb der südliche Teil des Strandes ihr Refugium ist. "Hier ist es viel entspannter als in der Nähe der Fußgängerbrücke", sagt Ran.

Gentrifizierung am Strand? Ein bisschen gibt es das schon. Aus den Jugendlichen, die bei elektronischer Musik in der Sonne sitzen, ihre Bierkästen im Wasser kühlen und die Flaschen zum Baustoff grün funkelnder Pyramiden neben der Liegedecke machen, werden mit zunehmender Entfernung vom Parlamentsufer junge Familien mit Hund, Sonnenhut und dem Wunsch nach Schatten. Es fehlt nur ein einziges Detail der deutschen Urlaubs-, Pool- und Strandkultur im Ausland: Noch reservieren am Nordende des Strandes keine Handtücher die besten Plätze.

Quelle: RP
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