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Serie So wohnt Düsseldorf
"Was auf unserem Mist gewachsen ist"

Serie So wohnt Düsseldorf: "Was auf unserem Mist gewachsen ist"
Elke Richter und Ulrich Hassenpflug haben in ihren Garten ihr "ganzes Geld und unsere Liebe" gesteckt. FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Ein Künstlerpaar öffnet Besuchern Haus und Garten. Eine "gepflegte Wildnis" in Eller, in der Skulpturen markante Akzente setzen. Von Ute Rasch

In Eller liegen die Gegensätze nah beieinander. Kaum hat man der Siedlungs-Dichte an der Von-Krüger-Straße den Rücken gekehrt, öffnet sich ein schmaler, leicht zu übersehener Weg ins Grüne. Am Tor solle man rechts gehen, hatte Ulrich Hassenpflug am Telefon gesagt, und nach ein paar Schritten sei das Ziel dann erreicht. Er sprach von einer "gepflegten Wildnis." Dass man rund um sein Zuhause sein grünes Wunder erleben würde, hatte er nicht gesagt. So werden Überraschungen eingefädelt.

Wohin zuerst schauen? Auf das riesige, stählern glänzende Jojo, eine Skulptur des Bildhauers Hassenpflug, die vor einem mächtigen Trompetenbaum den Besucherblick auf sich lenkt - vor allem, wenn sie in Bewegung gerät. Auf den stillen Seerosenteich ("mit eigener Krötenpopulation") oder die üppige Rosenpracht, über 100 Sorten, die jetzt verschwenderisch Blüten treiben. 2600 Quadratmeter groß ist dieser Garten des Künstlerpaares Elke Richter und Ulrich Hassenpflug, seine Geschichte ist untrennbar mit der Geschichte des Hauses verbunden.

Die großen Stahlskulpturen von Ulrich Hassenpflug setzen in dem Garten in Eller markante Akzente. FOTO: Andreas Bretz

Sie beginnt Ende der 1980-er Jahre. Damals brauchte die Gesamtschule Kikweg (heute Dieter-Forte-Gesamtschule) wegen einer notwendigen Asbest-Sanierung dringend Ausweichquartiere. Schnell wurden drei Pavillons gebaut, einige Jahre genutzt, dann standen sie leer - und verrotteten allmählich. Bis 1997 bei der Stadt jemand auf die Idee kam, ob dort nicht Künstler arbeiten könnten. Künstler mit starker handwerklicher Begabung, die sich die Räume selbst herrichten sollten. "Hier war absolut nichts mehr in Ordnung", erklärt das Paar rückblickend. Dach kaputt, Fensterscheiben zertrümmert, alle Leitungen defekt.

Wo heute in der großen Werkstatt Ulrich Hassenpflugs tonnenschwere Stahl-Skulpturen Form annehmen, war einst das Lehrerzimmer. Wo heute das Paar einen Ausstellungsraum mit Esszimmer kombiniert, waren früher die Schülertoiletten. "Alles war total beschmiert, irgendwann hatte es auch mal gebrannt. Man brauchte schon sehr viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie es mal werden könnte", erinnert sich Elke Richter. Das gilt für Innen und Außen, auch im Garten wuchs außer Brennnesseln und Disteln: nichts.

Ein Jahr lang haben sie "nur geackert", bis das Haus bereit war für Mensch und Kunst. Bis nicht nur seine Werkstatt, sondern auch ihr Atelier hergerichtet war, in dem Elke Richter nun in ihrem ganz eigenen Stil malt: Vor allem kleine, historische Porzellanfigürchen, denen sie in ihren Bildern zu Größe und neuem Eigenleben verhilft. Und sie starteten ein gemeinsames Projekt mit enormem Wachstum: Sie bepflanzten ihren Garten. "Darin steckt unser ganzes Geld und unsere Liebe", meint Elke Richter.

Eine Zuneigung, die man sehen, riechen und schmecken kann. So gedeihen in einem gläsernen Gewächshaus gerade zehn verschiedene Sorten Basilikum. Neben dem Hauseingang wuchert Zitronenmelisse und jedes Mal, wenn jemand rein oder raus geht, transportiert er einen Hauch Zitronenduft.

Dass der Gemüsegarten mit Zucchini, Kohlrabi, Salat in riesigen Tontöpfen gedeiht, ist Folge einer allgegenwärtigen Gefahr: der Schneckenplage. "Die fressen sonst alles weg." Und dass sie an milden Sommertagen unter dem gewaltigen Trompetenbaum sitzen, haben sie vermutlich Elke Richters beherztem Einsatz zu verdanken. Als der Baum noch jung und wankelmütig war, brauste ein Sturm über Eller hinweg. Da stützte Elke Richter ihn mit ihrem Körper ab - im Regen. So wird Liebe buchstabiert!

Zwischen all den Rosen, die zwischen Esche, Ahorn, Kiwi ("die Früchte sind leider ungenießbar") blühen, setzen die Skulpturen von Ulrich Hassenpflug markante Akzente: rostige Oberflächen im dichten Grün. Die meisten sind mit sanftem Schwung in Bewegung, auch die acht hohen Stäbe, mit denen der Wind spielt. Nur der "Schwebebalken" bleibt unveränderlich, wird aber von hohem Gras bei jedem Luftzug umschmeichelt.

Es gibt viel zu bestaunen in dieser "gepflegten Wildnis", die das Paar am nächsten Wochenende für Besucher öffnet. Da zeigen die beiden ihre Kunst und ihren Garten - also "alles, was auf unserem Mist gewachsen ist".

Quelle: RP
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