| 00.00 Uhr

Analyse
Was bleibt von Demag nach der Fusion?

Düsseldorf. Kaum ein Düsseldorfer Unternehmen wechselte so oft den Besitzer wie Demag und seine Sparte Gottwald. Jetzt fusioniert der Mutterkonzern Terex mit dem finnischen Wettbewerber Konecranes. Der Standort Benrath könnte glimpflich davon kommen. Von Thorsten Breitkopf

Die Nachricht, dass die ehemalige Demag Cranes mal wieder den Besitzer wechselt, wurde bei den Mitarbeitern im Benrather Werk mit relativer Gelassenheit aufgenommen. Nicht etwa, weil man sich davon eine bessere Zukunft erhofft. Die Beschäftigten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten schlicht daran gewöhnt, dass die Firma in unregelmäßigen Abständen den Besitzer wechselt.

Denn die Geschichte der Eigentümerschaft von Demag und dessen Hafenkranmarke Gottwald ist eine sehr lange. Der Kern von Demag entstand 1819 in Wetter an der Ruhr unter dem Namen Mechanische Werkstätten Harkort & Co. Dessen Rechtsnachfolger ging 1910 in der Deutschen Maschinenbau-Aktiengesellschaft auf, kurz Demag. Vier Jahre zuvor wurde in Düsseldorf die Maschinenfabrik Ernst Halbach AG gegründet, die wechselte den Besitzer und hieß ab 1917 Mukag, bis der Bankier Leo Gottwald sie 1928 übernahm und ihr später seinen Namen verpasste. Nach einigen weiteren Besitzerwechseln und Namensänderungen schlug Düsseldorfs Vorzeigekonzern Mannesmann 1988 zu und gliederte Gottwald schließlich mit der zuvor erworbenen Demag in den Konzern ein.

Doch Mannesmann wurde Ende der 1990er Jahre selbst feindlich vom Mobilfunker Vodafone übernommen. Bei der Zerschlagung des Konzerns im Jahr 2000 fiel die Demag Holding, die auch die Kranaktivitäten umfasste, an Siemens. Ein Jahr später verkaufte Siemens Demag an den US-amerikanischen Finanzinvestor KKR. Der wiederum brachte das Unternehmen als Demag Cranes an die Börse.

Als im Mai 2010 dann der schwedische Investor Cevian zehn Prozent von Demag übernahm, kam es zu einer Phase regelrechter Übernahmefantasien. Der heutige Fusionspartner Konecranes wurde genau so gehandelt wie andere Firmen. Nach dem Versuch einer feindlichen Übernahme durch den US-Baumaschinenhersteller Terex 2011 einigte man sich auf einen friedlichen Zusammenschluss mit Job- und Standortgarantien für Düsseldorf. Terex war ein alter Bekannter. Der frühere Ableger von General Motors hatte bereits Anfang der 2000er Jahre die Demag/Gottwald-Mobilkransparte in Zweibrücken übernommen.

Bei so vielen Besitzer- und Namenswechseln ist es erklärlich, warum sich die Aufregung in Grenzen hält. Doch es gibt auch handfeste Argumente, die den Standort Düsseldorf auch nach einer Fusion als gesichert erscheinen lassen.

Erstens hat Konecranes kein echtes Äquivalent im Portfolio zu den Produkten, die in Benrath entstehen. In dem Düsseldorfer Werk werden mobile Hafenkrane gebaut, wichtigster Konkurrent ist der bekannte Baggerhersteller Liebherr. Schwieriger könnte es für den Standort in Wetter werden. Dort entstehen Industriekrane, ein Kerngeschäft von Konecranes.

Zweitens wurde Düsseldorf innerhalb des Terex-Konzerns zum Kompetenzzentrum zur Entwicklung von Hafenmobilkranen und so genannten AGVs (fahrerlose Containertransporter) umgebaut. Der ebenfalls von Terex übernommene ehemalige Konkurrent in der Hafenkranbranche, Fantuzzi aus Italien, wird weitgehend aus Düsseldorf gesteuert.

Offen ist allerdings, ob die Fusion von Terex und Konecranes zu einer Verschlankung der Verwaltung in Düsseldorf genutzt wird. Dann wären auch am Rhein Jobs in Gefahr.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Was bleibt von Demag nach der Fusion?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.