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Düsseldorf
Was die Düsseldorfer Kultur kostet

Düsseldorf. Der Steuerzahlerbund kritisiert Schauspielhaus und Oper als teuerste Bühnen in NRW und fordert, Sparpotenziale zu suchen. Über diese Rechnung lässt sich streiten. Fest steht: Für jeden Besucher zahlt der Steuerzahler hohe Beträge. Von Arne Lieb

Wenn es nach dem Steuerzahlerbund geht, gibt die Stadt Düsseldorf zu viel für Kultur aus. In einem Vergleich von 22 Großstädten in NRW kommt die Landeshauptstadt auf den Spitzenplatz, was die Subvention pro Zuschauer angeht: Mit 162 Euro unterstützt die öffentliche Hand demnach jeden Besuch im Theater - unter diesem Begriff werden Schauspielhaus und Rheinoper in der Berechnung zusammengefasst. In Dortmund (Platz 2) sind es 154, in Köln (Platz 3) 144 Euro. In Duisburg zum Beispiel wird eine Karte mit nur 66 Euro subventioniert.

"Das Schauspiel- und das Opernhaus sind der Stadt Düsseldorf offenkundig heilig", kommentiert die Steuerzahler-Lobby bissig - und fordert, die Kosten auf den Prüfstand zu stellen. Man müsse darüber nachdenken, die Zahl der Spielstätten zu senken oder Fusionen einzugehen. "Angesichts dieser Zahlen muss in Zeiten angespannter Haushaltslagen auch darüber diskutiert werden dürfen, die Zuschüsse für Schauspiel und Oper zu senken, ohne dass gleich Kulturbanause geschrien wird."

Dieser Städtevergleich ist allerdings mit einiger Vorsicht zu genießen. Der Steuerzahlerbund hat als Grundlage die Summe der Zuwendungen ausschließlich für die Spielzeit 2011/2012 durch die Zahl der Zuschauer geteilt. Weil zu dieser Zeit im Schauspielhaus gebaut wurde, ergab sich für Düsseldorf eine relativ hohe Aufwendung, zugleich war die Spielzeit verkürzt, was Zuschauer kostete - so ergibt sich für das Schauspielhaus allein sogar ein Zuschuss von stolzen 203 Euro pro Karte. In anderen Jahren sind die Zahlen aber etwas besser. Außerdem hat Düsseldorf durch zwei große Bühnenhäuser automatisch höhere Kosten als zum Beispiel Städte, die nur ein Schauspielhaus ohne festes Ensemble haben. Die hohen Kosten sind also nicht unbedingt ein Zeichen von schlechtem Wirtschaften, sondern können auch auf höherwertige Angebote hindeuten.

Was das Schauspielhaus angeht, sieht aber auch Kulturdezernent Hans-Georg Lohe Handlungsbedarf. "Wir müssen die Auslastung erhöhen." Mit dem neuen Intendanten, der bald vorgestellt werden soll, werde die "Arbeit auf eine neue Basis" gestellt. Dass zugleich auch die Wirtschaftlichkeit der Rheinoper kritisiert wird, kann Lohe hingegen nicht verstehen. Durch die Opernpartnerschaft mit der Nachbarstadt Duisburg biete Düsseldorf ein "exzellentes Beispiel" für interkommunale Zusammenarbeit, wie sie der Steuerzahlerbund fordert. Andere Häuser auf diesem Niveau würden mit bedeutend höheren Zuschüssen arbeiten. Auch der Steuerzahlerbund erwähnt die Opernpartnerschaft lobend. Sie sei "ein Schritt in die richtige Richtung".

Trotzdem hat die Oper ihren Preis. Jede Karte schlägt für den Steuerzahler mit 151 Euro zu Buche, wie die Kämmerei auf Anfrage der Rheinischen Post ausgerechnet hat. Auch andere Kulturinstitute - und, zum Vergleich, auch nicht-kulturelle Angebote - werden mit mehr oder weniger hohen Beträgen pro Besucher unterstützt.

Der Kulturdezernent warnt aber davor, deshalb über eine Kürzung des Kulturetats nachzudenken - und weiß in dieser Frage eine breite Mehrheit in der Düsseldorfer Politik hinter sich. Auch das Land NRW hat sich trotz der dramatischen Haushaltslage dazu entschlossen, die Zuwendung für das gemeinsam mit der Stadt betriebene Schauspielhaus nicht zu kürzen.

"Natürlich müssen die Kulturhäuser gut wirtschaften", sagt Lohe. "Aber sie bieten einen wichtigen Wert für die Gesellschaft." Wer zum Beispiel die Eintrittspreise deutlich erhöhe, wie es der Steuerzahlerbund anregt, gefährde den Bildungsauftrag der Häuser.

Quelle: RP
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