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Düsseldorf
Was Frauen tragen

Düsseldorf: Was Frauen tragen
Monika Müller (l.) und Anne Liewert haben die Ausstellung in der Uni-Bibliothek kuratiert. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Uni-Bibliothek stellte ihre Sammlung von Modejournalen aus sechs Jahrhunderten aus - vom Trachtenbuch bis zur "Vogue". Von Ute Rasch

Alles fließt. Vor über 100 Jahren zieht der Jugendstil die Frauen mit weich fallenden Stoffen und schmaler Silhouette an. Er befreit sie von der eingeschnürten Taille und von den Rüschenroben der Kaiserzeit. Eine ganze Generation legt das Korsett ab und manche Konventionen gleich mit dazu, so wie es die Journale aus Paris propagieren: Von der Matrone zur Ikone einer neuen Zeit. In der Uni-Bibliothek ist nun in einer Sommerausstellung zu sehen, welchen Einfluss Modejournale auf das gesellschaftliche Leben hatten - und umgekehrt. Vom Frauentrachtenbuch 1563 bis zur aktuellen Ausgabe der "Vogue".

Aus heutiger Sicht, geprägt von den Sehgewohnheiten des Jeans-Look, war Mode zu früheren Zeiten ein höchst luxuriöses Spiel um die Schönheit. Und mehr. "Mode bedeutete zu keiner Zeit nur, sich aktuell und schön zu kleiden", erläutern die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Anne Liewert, Leiterin der historischen Sammlung der Uni-Bibliothek, und die Kunsthistorikerin Monika Müller. Mode sei in früheren Zeiten viel stärker als heute ein Zeichen für den sozialen Stand einer Frau gewesen. Heißt: Frauen aus dem Volk trugen graue, abgewetzte Kleider, allein dadurch waren sie auf den ersten Blick als arm zu erkennen.

Die frühen Journale lieferten Wunschträume in Seide und Chiffon FOTO: ULB Düsseldorf

Aber Mode spiegelte auch die gesellschaftlichen Regeln: Ob der Ausschnitt ein Stückchen tiefer oder der Saum ein Stückchen höher rutschte, ob die blanken Arme zu sehen sein durften oder Frauen verpackt wie Bonbonieren und mit Schleifen verziert waren - es wurde getragen, was gerade als schicklich galt. Und was erlaubt war. Im späten Mittelalter waren Kleiderordnungen üblich (wer dagegen verstieß, wurde bestraft), so verfügte 1480 die Stadt Nürnberg, dass keine Frau ein Kleid tragen dürfe, das kürzer sei, "als sie mit gestracktem arm abwerts raychen mag."

In den ersten Mode-Journalen (der "Mercure Galant" erschien 1672 in Paris, wo sonst?) wurde die elegante Welt zelebriert. "Nicht unbedingt ein Abbild der Wirklichkeit, sondern vielmehr ein Wunschdenken", so Monika Müller. Wer sich von all den festlichen Roben aus Seide und Satin verführen ließ, bekam die passenden Schnittmuster gleich mitgeliefert, zumindest um die schlichtere Variante für den Hausgebrauch zu nähen. Diese Magazine, die eine Schule des guten Geschmacks sein wollten, zeigten auch, dass man unter Mode mehr verstand als schöne Kleider. Die Journale, die später ab 1800 auch in Weimar, Leipzig und schließlich in Berlin erschienen, waren in Zeiten einer blühenden Volkswirtschaft ein Schaufenster für Möbel und feines Reisegepäck, sie lieferten die Anleitung für gehäkelte Spitzentaschentücher, ja sogar die Tanzschritte für die beliebte Quadrille auf detailliert gezeichneten Blättern. Heute würde man sagen: sie waren die Lifestyle-Magazine jener Jahre.

Die "Rheinische Hausfrau" von 1914 zeigte Brautmode. FOTO: ULB

Und damit die Leserinnen-Schar stetig zunahm, bekamen die Journale bald noch ein paar Zutaten mehr: Lebensberatung, Bilderrätsel und romantische Fortsetzungsromane.

Die "Rheinische Hausfrau", ein Exemplar von März 1914 (Verkaufspreis damals: 10 Pfennige) zeigt auf dem Titelbild ein "apartes Brautkleid" im Jugendstil, darunter den Fortsetzungsroman "Der Knopf". Und im Anzeigenteil - falls die Botschaft von den fließenden Formen der neuen Zeit noch nicht überall angekommen ist - wirbt das "Corsethaus Juno" für seine Spezialität: "Massanfertigung für die starke Dame."

Das wird man in der aktuellen Ausgabe der Mode-Zeitschrift "Vogue", die in der Ausstellung direkt neben der "Rheinischen Hausfrau" liegt, nicht finden. Aber eine Diskussion darüber, was Luxus eigentlich ist, die ist so aktuell wie vor 100 Jahren.

Quelle: RP
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