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Kolumne Die Woche
Was man von Hamburg lernen kann

Düsseldorf. Nicht nur Polizeikonzepte lassen sich abgucken, auch ein Blick auf den Nahverkehr lohnt. Ein Gegenbesuch ist wünschenswert.

Die Stadt Düsseldorf hat eine offizielle Abordnung auf Dienstreise nach Hamburg geschickt. Man möchte von den Nordlichtern lernen. Das ist eine hervorragende Idee, der man als Bürger nur applaudieren kann. Ich habe mehr als 20 Jahre in der Freien und Hansestadt gelebt und damit eine für Journalisten ungewöhnlich gute Basis für ein eigenes Urteil. Hamburg ist eine durch und durch wunderschöne und großartige Stadt, die in vielerlei Hinsicht beispielhaft ist, wenn man vom Wetter einmal absieht.

Leider wollen sich Düsseldorfs Obere erst einmal nur Marketingtipps holen und Ratschläge für die Behandlung von Menschen, die ein indifferentes Verhältnis zum Rechtsstaat haben - vor allem, wenn es um die Rechte anderer geht. Die Hamburger Polizei hat im Reeperbahn-Milieu offenbar nützliche Verhaltensmuster trainiert, die sich möglicherweise auch im Umgang mit albanischen Türstehern und nordafrikanischen Tanzgruppen in der Düsseldorfer Altstadt nutzen lassen.

Ein guter Ansatz. Aber da ginge durchaus mehr. So könnte man sich auch den öffentlichen Hamburger Nahverkehr mal näher ansehen. Der funktioniert nämlich recht gut. Ende der 1950er Jahre beschloss der Senat der Hansestadt, alle Straßenbahnen abzuschaffen und stattdessen komplett auf U-Bahn und Bus zu setzen. Eine Entscheidung, die in Düsseldorf zwar zweifellos einen markenübergreifenden Aufschrei der Autowerkstätten zur Folge hätte, aber dafür vermutlich auch eine signifikante Erhöhung des Durchschnittsalters von Fußgängern. Außerdem könnten die Rheinbahn-Chefs in Hamburger U-Bahnhöfen live beobachten, wie stimmungsaufhellend es wirken kann, wenn auf einer Anzeigetafel das Wort "sofort" tatsächlich in Zusammenhang mit dem Eintreffen eines Zuges benutzt wird. Sportmuffel könnten sich Ratschläge abholen, wie eine Stadt mithilfe von Volksabstimmungen vor Großveranstaltungen geschützt werden kann und Sportfans könnten sich erklären lassen, wie man zweitklassigen Fußballvereinen treu und gleichmütig jahrelang beim Nichterreichen sportlicher Ziele zujubelt. Wie gesagt, die Stadt an der Elbe ist in vielerlei Hinsicht beispielhaft.

Allerdings ist Hamburg auch eine Stadt voller Hamburger. Menschen also, die glauben, dass als echter Hamburger nur gelten darf, wer in dritter Generation dort geboren wurde, dass an ein blaues Sakko goldene Knöpfe gehören und dass eine Kneipe voll ist, wenn an jedem Tisch zwei Personen sitzen. Vielleicht sollten die Hansestädter Düsseldorf daher bald einen Gegenbesuch abstatten, mit einer Abordnung aus Psychologen, Modedesignern und Gastronomen. Sie würden erleben, wie nett und bewusstseinserweiternd es sein kann, in einer brechend vollen Brauereikneipe mit bunt gekleideten, offenherzigen und vor allem gut gelaunten Rheinländern Altbier zu trinken. Es könnte der Beginn einer wunderbaren Städtefreundschaft sein. Beispielhaft!

Quelle: RP
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