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Düsseldorf
Was von der Sommerparty übrigbleibt

Düsseldorf: Was von der Sommerparty übrigbleibt
Ronja (rechts), Kathinka und Benny (am Grill) von der Austauschinitiative ESN feiern mit anderen Erasmusstudenten am Rhein - und versichern, auch nach dem Grillen keinen Müll zu hinterlassen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Die Hitze lockt in Scharen die Griller an den Rhein. Doch liegengelassener Müll sorgt bei Spaziergängern immer wieder für Ärger. Die Stadt steuert mit einer Kampagne gegen und reinigt die Ufer für 300 000 Euro im Jahr. Von Henning Rasche und Denisa Richters

Tim legt schon mal ein paar Würste auf den Grill. Die Kohle will zwar noch nicht so recht, aber der Hunger ist größer als die Geduld. Der 20-Jährige ist mit seiner alten Klasse zur Rheinwiese unterhalb der Oberkasseler Brücke gekommen. Abiturjahrgang 2013, Heinrich-Hertz-Berufskolleg. "Klassentreffen - klingt doch gut, oder?", sagt Tim. Sie sind eine Handvoll Leute, die sich ganz nah an den Rhein herangetraut hat.

Tim (links am Grill) und Paulo feiern mit ehemaligen Mitschülern ein Klassentreffen am Rheinufer. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Es ist Samstagabend auf der Rheinwiese in Oberkassel. Wen die Sonne nicht zu sehr gegrillt hat, der sitzt hier am Rheinufer und sorgt für seine Bräune oder das Abendessen. Junge Mädchen liegen im Bikini auf der Wiese, die Jungen tragen Unterhemden und schauen den Mädchen hinterher. Ein, zwei Flaschen Bier liegen neben ihnen, mehr aber auch nicht. Ein paar Verrückte schwimmen im Rhein. Viele haben offenbar wegen der wahnsinnigen Hitze nicht die große Lust auf Grillen in freier Natur. Nur vereinzelt sind Grüppchen um Holzkohlefeuer versammelt. So wie Tim und seine ehemalige Klasse.

Und sie sind gewiss nicht dafür verantwortlich, dass überall auf den Wiesen Abfall vor sich her dümpelt. In ihrem Bollerwagen haben sie Kühlboxen aufgestellt, einen Sonnenschirm ausgeklappt und: Sie haben Mülltüten dabei. "Man will ja noch mal wiederkommen können", sagt Tim. Für ihn ist es selbstverständlich, dass sie die Reste ihres Klassentreffens auch wieder mitnehmen oder selbst entsorgen.

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Es liegt noch recht viel Müll herum, vermutlich von den Letzten, die hier gegrillt haben. Tetrapaks, Plastiktüten, Folie, leere Getränkebecher. Paulo, der auch zu dem Klassentreffen gehört, findet aber, dass es schon besser geworden ist: "Vor fünf Jahren war ich noch regelmäßig hier, da sah es deutlich schlimmer aus", sagt der 21-Jährige.

Auf dem Spaziergang über die Rheinwiesen trifft man am Samstagabend auch auf Sandra, Anna und Dominik. Sie werben im Auftrag der Stadt für Sauberkeit und Ordnung. "Restlos entspannen", heißt die Kampagne. Die drei laufen umher, gehen zu den einzelnen Gruppen und geben ihnen Müllsäcke und eine Postkarte mit einem Rezept für einen Nudelsalat mit getrockneten Tomaten, Parmesan, Rucola und Oliven. Egal wen sie ansprechen, alle reagierten sehr höflich, berichtet Dominik von ihrer Arbeit. "Viele sind dankbar für die Mülltüten." Alle hätten Verständnis, würden die gute Sache loben. "Wir machen eigentlich nur positive Erfahrungen", findet auch Sandra.

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Warum dann trotzdem noch recht viel Abfall herumliegt, bleibt ein gewisses Rätsel. Denn auch Ronja, Kathinka und Benny, die ein Austauschtreffen von Erasmusstudenten aus Düsseldorf und Köln organisiert haben, sind mit Müllbeuteln ausgerüstet. Ronja experimentiert noch mit der Höhe des Rosts auf dem Schwenkgrill, ein paar Jungs stehen daneben und können auch nicht unbedingt weiterhelfen. Höher oder tiefer? Mehr Kohle?

Die drei Studenten von der Austauschinitiative ESN Düsseldorf haben die Gaststudenten an den Rhein geholt, weil der ja die beiden vermeintlich ach so verfeindeten Städte Köln und Düsseldorf verbindet. Sonst grillen sie nicht so oft hier, eher im Volksgarten mal. Sie finden es natürlich, sich um den eigenen Müll zu kümmern. Unter der Brücke oben würden häufiger Glasscherben liegen, hätten sie beobachtet, sonst aber wäre der Grad der Verschmutzung sogar noch erträglich.

Die Stadt steuert seit einigen Jahren mit einer Kampagne gegen: Sie hat zusätzliche Müllbehälter aufgestellt, an warmen Wochenenden sind zudem Promotion-Teams unterwegs, die Infokarten und Müllsäcke an die Feiernden verteilen. Der Vorstoß ist relativ erfolgreich, was sich laut Stadtsprecher Volker Paulat an der Zahl der Beschwerdeanrufe zum Thema bei der Servicehotline Stadtsauberkeit ablesen lässt: Gab es 2011 noch 29 Beschwerden zum Rheinufer, waren es 2014 sechs und in diesem Jahr bisher fünf.

Rund 300 000 Euro lässt sich die Stadt die Säuberung der Rheinufer (inklusive Beseitigung des Hochwassertreibguts) bei der beauftragten Stadttochter Awista kosten. Sechs bis acht Mitarbeiter sind den Angaben zufolge an warmen Wochenenden und an den Montagen danach jeweils ab morgens 6 Uhr im Einsatz, um die Ufer des Rheins zu reinigen - auf den Wiesen im Linksrheinischen, im Hafen, in Kaiserswerth, an den Ufern von Hamm, Flehe, Volmerswerth und Benrath. Rund 100 Tonnen Müll kommen nach Schätzungen der Awista pro Jahr zusammen.

Beschwerden gibt es dennoch: "Es wird gefeiert, Glasscherben bleiben liegen und Holzkohle brennt noch am nächsten Tag nach", sagt Elke Alberts. Sie musste mit ihrem Hund schon mehrfach in die Tierklinik, weil er sich durch Glasscherben die Pfoten aufgeschnitten hat. "Die Awista sammelt auch Glasflaschen und Scherben auf, jedoch liegen sie manchmal so versteckt, dass eine Verletzung eines Hundes, der über die Wiese tobt, nicht ausgeschlossen werden kann", sagt Stadtsprecher Paulat. Solche Fälle seien bedauerlich, aber Hundehalter hätten eben auch eine Aufsichtspflicht.

Quelle: RP
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