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Kurioser Bau in Düsseldorf
Der Turmbau zu Heerdt

Wasserturm in Düsseldorf: Der Turmbau zu Heerdt
Nur von einem benachbarten Privatparkplatz aus kann man den denkmalgeschützten Wasserturm an der Wiesenstraße betrachten. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Ein alter Wasserturm im Stadtteil Heerdt wird plötzlich von einer Industriehalle umschlossen. War das eine gute Idee? Die Düsseldorfer Politiker sind nicht mehr so sicher. Von Oliver Burwig

So richtig glücklich mit dem Wasserturm ist niemand. Politiker, Denkmalschützer und Eigentümer hatten zwar alle etwas beizutragen, als das umliegende Gelände neu bebaut werden sollte. Das Resultat ist aber eher kurios geworden. Der 1892 errichtete Turm gilt als Denkmal, das die wilhelminische Industriearchitektur bezeugt. Er bleibt zwar erhalten, aber nur unter ungewöhnlichen Umständen: Er ist neuerdings eingeschlossen von einem Logistikzentrum - und ein Zeugnis davon, dass sich offenbar auch Experten irren dürfen.

Bezirksbürgermeister Rolf Tups (CDU), der wie die anderen Mitglieder der Bezirksvertretung 4 (BV) der Bauanfrage des Grundstückeigentümers Hillwood zustimmte, ist sich nicht mehr so sicher, ob diese Entscheidung gut war. U-förmig umschließt die gerade erste fertiggestellte Logistikhalle den Turm, der nur noch vom (umzäunten) privaten Nachbargrundstück zu sehen ist. "Man hätte eher darauf achten müssen, dass Dinge wie Zugänglichkeit und Sichtbarkeit berücksichtigt werden", sagt Tups. "Das hätte aber vom Denkmalschutz kommen müssen." Es sei auch Aufgabe der Stadtverwaltung, darauf zu achten, dass Denkmäler zur Geltung kommen. "Industriedenkmäler haben in der Stadt nicht denselben Stellenwert wie Wohndenkmäler", sagt Tups. Man gehe ganz anders an ein Denkmal heran, an dem "keiner vorbeikommt, der nicht dort wohnt oder arbeitet", als beispielsweise eines, das am Kaiser-Friedrich-Ring stehe.

"Wir haben da nicht so drüber nachgedacht"

"Ich würde das eher nicht noch mal unterschreiben", sagt auch Markus Loh (Grüne) angesichts des umzäunten und eingebauten Wasserturms. Der Bezirksvertreter fände es "nicht gut, wenn der Turm ohne Nutzung und Zugänglichkeit" bleibt. Dieses Problem sei aber gar nicht diskutiert worden: "Wir haben da nicht so drüber nachgedacht." Eventuell hätte man sich sogar gegen das Logistikzentrum entscheiden müssen, sagt Loh. Er wolle noch einmal in der Bezirksvertretung ansprechen, ob es nicht auch nachträglich noch machbar sei, den Turm für Bürger zugänglich zu machen.

Die Denkmalschutzbehörde zeigt sich indes schon damit zufrieden, dass der 1990 von ihr als schützenswert erklärte Wasserturm nicht abgerissen wurde: "Es konnte erreicht werden, dass die Neubauhallen nicht mehr unmittelbar an den Turm angebaut wurden, sondern mit Abstand zu den Turmaußenwänden ringsum einen kleinen eingezogenen Hof ausbilden", erklärt Matthias Berg vom Institut für Denkmalschutz. Den Bauantrag für die Halle habe die Stadt genehmigt, nachdem seine Behörde um Stellungnahme gebeten worden sei. Dass der Wasserturm, der sich im Besitz des Grundstückseigentümers Hillwood befinde, nur von der A52 erkennbar sei, stelle kein Problem dar: "Ein Denkmal muss nicht zwingend und für jedermann zugänglich sein", sagt Berg. "Wichtig ist der Erhalt." Der Backsteinturm sei ein eindrucksvolles Stück späthistoristisch-wilhelminischer Prunkarchitektur, das "vor allem aus baukünstlerischen, architekturwissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz" stehe. Das US-Unternehmen Hillwood müsse sich laut Berg künftig nur noch darum kümmern, den Turm "zu erhalten, vor Gefahren zu schützen" und "zumindest so instand zu halten, dass sich sein Zustand nicht verschlechtert".

Hillwoods Deutschland-Geschäftsführer Peter Schuijlenburg gibt sich wortkarg: "Wir haben Geld investiert, um den Turm zu erhalten." Dafür, dass einige Bürger mit der jetzigen Anmutung nicht zufrieden seien, habe man aber zumindest "Verständnis".

Quelle: RP
 
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