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Düsseldorf
WDR-Mitarbeiter rätseln: Kommt Phoenix?

Das sagen WDR-Mitarbeiter zum Umzug nach Köln
Das sagen WDR-Mitarbeiter zum Umzug nach Köln FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Nach der Entscheidung, dass die Programmgruppe Aktuelles Fernsehen bis 2021 in mehreren Schritten von Düsseldorf nach Köln umziehen wird, herrscht durchwachsene Stimmung im Funkhaus. Gerüchte werden laut, dass der Sender Phoenix nach Düsseldorf wechseln könnte.  Von Denisa Richters und Uwe-Jens Ruhnau

Im Foyer des WDR-Gebäudes steht ein freier Mitarbeiter. "Aus Düsseldorfer Sicht ist die Entscheidung tragisch, dumm und blöd", sagt der Mann am Mittwochnachmittag. "Den Medienhafen kann man bald nicht mehr so nennen. Da sind ja bereits einige Privatsender weggegangen und mit ihnen Produktionsfirmen." Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Anders Burkhard Lueneberg von der Poststelle. "Wer weiß, ob mein Job bleibt", sagt er. "Ich bin seit 25 Jahren hier. Soll ich jeden Tag bei meinem kleinen Gehalt nach Köln pendeln? Dann sehe ich meinen Sohn abends nicht mehr." Als WDR-Intendant Tom Buhrow am Dienstag im Düsseldorfer Funkhaus den Umzug der Sendungen "Aktuelle Stunde", "WDR aktuell" und "WDR extra" bis 2021 nach Köln verkündete, habe Ängstlichkeit die Stimmung geprägt, sagt Lueneberg.

In der Düsseldorfer WDR-Redaktion für Aktuelles Fernsehen arbeiten etwas mehr als 100 angestellte und feste freie Mitarbeiter. Noch mal so viele sind es im Bereich Produktion, also Kameraleute, Cutter uns andere. Wie viele von diesen wechseln, ist unklar, weil sie auch für Sendungen arbeiten, die in Düsseldorf verbleiben, wie etwa die Lokalzeit. Ungefähr die Hälfte des Redaktionsteams für das Aktuelle wohnt in Köln und pendelt täglich in die Landeshauptstadt.

"Es kommt bei der Beurteilung auch auf die persönliche Betroffenheit an", sagt Redaktionsleiter Stefan Brandenburg, der im Norden von Köln wohnt. Angela Bormann, Chefin vom Dienst für "WDR aktuell", wohnt in Willich. Sie bedauert, dass die Nähe zum Landtag wegfällt, das bisschen mehr Fahrerei macht ihr jedoch nichts aus. Brandenburg sagt, er selbst habe die "absolute Einsicht, dass dies richtig ist, ich spüre aber auch Melancholie". Es gehe etwas zu Ende, das gut gewesen sei. "Das spüre ich bei vielen." Andreas Schallenkamp von der Produktion befürchtet sogar Nachteile. "Wir sind hier flexibler als der Riesenapparat in Köln." Er ist seit 25 Jahren dabei.

Zu rechnen war mit der Umzugsentscheidung wohl nicht. Erst vor einem Jahr wurde das multimediale Planungszentrum für die aktuellen Formate in der dritten Etage des Düsseldorfer Funkhauses eingerichtet. Radio, Fernsehen, die Verwaltung mit dem Zugriff aufs Archiv sowie Produktion und Aufnahmeleitung sitzen seitdem am "Düsseldorfer Stern" zusammen. WDR-weit einzigartig, effektiv und hochgelobt. 1,8 Millionen Euro hat der Umbau gekostet. Buhrow beglückwünschte damals das Team: "Ihr habt Euch rechtzeitig entschieden, die Zukunft zu gestalten." Nachhaltig war das nicht, wie sich nun herausstellt.

In der Politik wird das Votum der WDR-Spitze intensiv verfolgt. "Es ist bedauerlich für den Standort Düsseldorf, ich halte die Entscheidung des WDR aber für nachvollziehbar und richtig", sagt Petra Kammerevert, SPD-Europaabgeordnete aus Düsseldorf und Mitglied des WDR-Rundfunkrats. Der Grundgedanke, im Kölner Filmhaus die Crossmedialität des WDR zu stärken, sei medienpolitisch und journalistisch sinnvoll.

Ein solches Filmhaus in Düsseldorf anzusiedeln, wäre deutlich aufwändiger gewesen, weil dann die Hörfunk- und Online-Bereiche von Köln hätten umziehen müssen. Wichtig ist laut Kammerevert aber, dass das Landesstudio in der Landeshauptstadt bleibt. Da die "Aktuelle Stunde" erst 2021 nach Köln ziehen soll, habe man nun fünf Jahre Zeit, um zu überlegen, welche Bereiche stattdessen in das WDR-Gebäude in Düsseldorf ziehen. "Ich werde mich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass es eine Kompensation gibt", versichert Kammerevert.

Auf den Fluren des WDR ist in diesem Zusammenhang immer wieder das Gerücht zu hören, der Sender Phoenix könnte von Bonn nach Düsseldorf wechseln. Dort müsse investiert werden, in Düsseldorf sei die Technik vorhanden. Eine Bestätigung für diese Option ist gestern bei dem Sender jedoch nicht zu bekommen.

Auch bei den Düsseldorfer Landtagsabgeordneten sind die WDR-Pläne Thema: "Das ist ein Verlust", sagt Walburga Benninghaus (SPD), die auch im Medienausschuss des Landesparlaments sitzt. "Ich halte solche Umstrukturierungsprozesse für nachvollziehbar, aber wenig sinnvoll", sagt Martin-Sebastian Abel (Grüne). Das politische Zentrum des Landes sei nun mal Düsseldorf und nicht Köln. Deshalb sollte auch die aktuelle Produktion vor Ort sein.

"Das ist sehr schade und schlecht für die Stadt", sagt Architekt Christoph Parade auf Anfrage unserer Redaktion. Nach seinem Entwurf wurde das WDR-Gebäude gebaut - es ist der Form eines Volksempfängers nachempfunden. "Der WDR gerät dadurch in Düsseldorf in die Provinzialität", ist Parade überzeugt.

Quelle: RP
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