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Landgericht Düsseldorf
Start des Wehrhahn-Prozesses von Protesten begleitet

Wehrhahn-Prozess in Düsseldorf: Proteste zum Auftakt
Die Protestgruppe vor dem Düsseldorfer Landgericht. FOTO: Helene Pawlitzki
Düsseldorf. Vor Beginn des Wehrhahn-Prozesses haben am Donnerstagmorgen ein knappes Dutzend Antifaschisten vor dem Landgericht in Düsseldorf protestiert. Sie fordern eine lückenlose Aufklärung des Falls. Von Helene Pawlitzki

Nach Angaben einer Sprecherin handelt es sich um einen losen Zusammenschluss politisch Gleichgesinnter, die teils bereits im Jahr 2000 unmittelbar nach dem Sprengstoff-Anschlag, bei dem neun Menschen teils schwer verletzt wurden, auf ein mögliches fremdenfeindliches Motiv der Tat hingewiesen hätten.

"Wir sind heute hier, um zu zeigen, dass die Opfer mit ihren vielen Fragen nicht allein sind", sagte die Sprecherin. Man begreife sich als kritische Öffentlichkeit. Es bestünden Zweifel an der Einzeltäter-These von Polizei und Staatsanwaltschaft. "Wir haben bisher den Berichten der Behörden nicht entnehmen können, dass im Neonazi-Milieu gründlich ermittelt wurde, ob Ralf S. Mittäter hatte."

Video: Wehrhahn-Attentat – so lief der Einsatz vor 16 Jahren

In einem Flugblatt, das die Protestierenden verteilen, heißt es: "Die Staatsanwaltschaft wird alles daran setzen, einen Schlussstrich unter das langwierige Kapitel 'Wehrhahn-Anschlag' (zu) setzen sowie die Ermittlungsarbeit, die Anklage und den Prozess zu einer Erfolgsgeschichte erklären zu können." Bereits jetzt sei aber klar, dass es sich nicht um eine Erfolgsgeschichte handele: Es würden bei alleiniger Anklage gegen Ralf S. zahlreiche Fragen unbeantwortet bleiben.

Dem 51 Jahre alten Ralf S. wird zwölffacher Mordversuch vorgeworfen. Er soll im Juli 2000 gegen 15 Uhr eine selbst gebastelte Sprengladung am S-Bahnhof Wehrhahn gezündet haben. Von zwölf osteuropäischen Sprachschülern, denen der damalige Anschlag laut Anklage offenbar gezielt gegolten habe, wurden zehn verletzt, eines der Opfer war eine hochschwangere Frau, die durch die Tat ihr ungeborenes Baby verloren hat. Erst 17 Jahre nach der Tat wird S. nun der Prozess gemacht.

 
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