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Ex-CC-Präsident Josef Hinkel
"Weitermachen? Ich wäre schnell mental tot"

Übersicht: Karnevalisten suchen neuen CC-Präsidenten
Übersicht: Karnevalisten suchen neuen CC-Präsidenten FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der scheidende CC-Präsident Josef Hinkel beklagt mangelnde Loyalität und hofft auf eine aktive Rolle der Vereine. Er war vor einigen Tagen von seinem Amt im Karneval zurückgetreten. 

Einige Tage hat Josef Hinkel gebraucht, jetzt nimmt er erstmals ausführlich Stellung. Der Bäckermeister will nicht länger Chef des Düsseldorfer Carneval Comitees (CC) sein, und er schließt auch eine Rückkehr an die Narrenspitze aus. Im Gespräch mit Uwe-Jens Ruhnau sagt er, was in seinen Augen jetzt auf dem Spiel steht.

Ihr Vizepräsident Rolf Herpens war kaum aus dem Krankenhaus, als er die Präsidenten der Karnevalsvereine per Mail aufforderte, Sie zu einem Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen. Wird er Erfolg haben?

Hinkel Erst einmal ist das für mich ein Zeichen der Wertschätzung, für das ich mich bei Rolf Herpens bedanke. Aber es wird keinen Rücktritt vom Rücktritt geben. Das hat mehrere Gründe, aber die Gesundheit spielt nach meiner Herzoperation dabei eine große Rolle.

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Es haben sich bei Herpens bereits mehrere Vereine gemeldet, die es gerne sähen, wenn Sie an Bord blieben. Kommt man bei so viel Zuneigung nicht ins Wanken?

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Hinkel Nein. Meine mentale Leistungsfähigkeit würde dies nicht hergeben. Wir haben zwar vieles gut geplant, aber es handelt sich um Karneval - und ich bin an vieles und auf viele immer mit Unbefangenheit herangegangen. Das ginge ja jetzt gar nicht mehr, permanent müsste ich mich einstellen und taktieren. Da wäre ich nach einem Jahr mental tot. Ich will mich nicht verbiegen.

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Es gibt Kritik an Ihrem Führungsstil. Sie hätten die anderen mehr einbinden müssen und mit Dino Conti Mica anders umgehen sollen.

Hinkel Ich wasche jetzt nicht schmutzige Wäsche. Geschäftsführer Christoph Joußen und ich haben zwar auch Vorgaben gemacht, aber den Vorständen immer viel Freiraum gelassen. Dann muss die Leistung aber auch stimmen. Der geschäftsführende Vorstand hat im Fall Conti Mica aus fachlichen Gründen einstimmig eine Entscheidung getroffen, die dann von einigen infrage gestellt wurde. Als CC-Chef sind Sie auf Loyalität angewiesen. Wer das nicht versteht, muss mit den Folgen leben.

Und jetzt? Wie soll es weitergehen?

Hinkel Das müssen andere entscheiden, vor allem die Präsidenten der Vereine. Ich hoffe, sie begleiten den Prozess sehr aktiv und wählen am Ende die richtigen Leute. Unsere Nachfolger müssen ja keine Angst haben: Das Feld ist bestellt, vieles ist vorbereitet.

Wie fällt denn Ihre Bilanz aus?

Hinkel Wir haben den Karneval intellektuell, organisatorisch und wirtschaftlich anders aufgestellt. Wir hinterlassen nicht rote Zahlen, sondern ein Finanzpolster in sechsstelliger Höhe. Gerade sind neue Marketingpakete fertiggestellt worden. Zu den Inhalten: Ich wollte neue Leute für die Bühnen gewinnen, etwa einen Büttenredner, der politisch so aktuell ist wie der Hoppeditz - die politische Schärfe ist ja ein Merkmal des Düsseldorfer Karnevals, das wollten wir ausbauen.

Sie wollten auch neue Zielgruppen erschließen.

Hinkel Das haben wir gemacht, schon mit den Prinzenpaaren. Mal aus der Wirtschaft, dann aus den Medien, dann geht es eher wieder um die Vereine. Die Familien nehmen wir auch in den Blick, Engelbert Oxenfort hat mit dem Kinderumzug begonnen. Wir wollten am nächsten Altweiber eine alkoholfreie Sitzung anbieten. Hoffentlich werden solche Ziele weiterverfolgt.

Quelle: RP
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