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Schul-Analyse in Düsseldorf
Welche Gymnasien für Eltern attraktiv sind

Schul-Analyse in Düsseldorf: Welche Gymnasien für Eltern attraktiv sind
Zur besseren Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik. FOTO: Eigene Recherche/Stadt Düsseldorf/Grafik Markus Müller
Düsseldorf. Mit Spannung blicken die Gymnasien auf die Anmeldezahlen. In diesem Jahr setzte sich das Humboldt-Gymnasium vor die städtische Konkurrenz. Ungebrochen ist der Andrang an Konfessionsschulen. Wenig nachgefragt waren Görres- und Luisengymnasium. Von Jörg Janssen

Gebannt blicken die Schulleiter der Gymnasien jeden März auf Zahlenkolonnen, die das Schulverwaltungsamt zuvor fein säuberlich in die richtige Reihenfolge gebracht hat. Die spannende Frage: Wer steht bei den Anmeldungen der Grundschul-Kinder hoch im Kurs, wem kehren die Eltern den Rücken zu?

"Ein schwer berechenbares Spiel, bei dem mal der eine, mal der andere die Nase vorn hat", sagt Monika Matthes. Die Schulleiterin des Oberkasseler Comenius-Gymnasiums weiß, wovon sie spricht. Im vergangenen Jahr stand ihre Schule bei den 17 städtischen Gymnasien mit 178 Anmeldungen ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Dieses Jahr fiel sie hinter den neuen Spitzenreiter, dem mit stark musischem Schwerpunkt arbeitenden Humboldt-Gymnasium (225 statt zuletzt 174 Anmeldungen) ins Mittelfeld zurück. Platz 10 mit nur noch 112 Anmeldungen. Für Matthes eine gute Nachricht. "2012 musste ich beinahe jeden dritten Bewerber ablehnen, ein schmerzhafter Prozess mit vielen Enttäuschungen bei Eltern und Kindern."

In diesem Jahr richtet die Pädagogin vier Klassen mit je 28 Schülern ein. "Für uns der Idealfall". Über den Grund, warum 62 Schüler weniger gemeldet wurden, muss sie nicht lange rätseln. "Weil viele Eltern wussten, dass wir überlaufen sind, wollten sie sich offenbar eine Absage ersparen."

Tatsächlich dürfte genau das ein wichtiger Grund sein. Was viele Eltern ärgert: Wer beim Gymnasium seiner Wahl abblitzt, wird per "Umberatung" an eine Schule weitervermittelt, die noch Kapazitäten frei hat. Am Ende bleiben meist nur jene Gymnasien, die die Eltern so gar nicht auf dem Zettel haben, weil ihre Zweit- oder Drittwünsche ebenfalls überlaufen sind.

Attraktiv sind vor allem Schulen, die mit aktuellen Entwicklungen Schritt halten. Ein Punkt, der auch bei der tendenziell bürgerlichen Klientel der Gymnasien rasch an Bedeutung gewinnt, ist die Übermittag-Betreuung. Schulen, die wie das Benrather Schloss- oder das Pempelforter Leibniz-Gymnasium zäh um die seit langem geforderten Mensen ringen mussten, hatten in diesem Jahr weniger Interessenten.

In Benrath sank die Zahl von 112 (in 2012) auf 88, in Pempelfort von 110 auf 101. Für Reiner Zeh, stellvertretender Schulleiter am "Leibniz", ist das trotzdem keine Hiobsbotschaft. "Aus baulichen Gründen könnten wir ohnehin nicht durchgängig vier Klassen pro Jahrgang einrichten. Wir schöpfen unsere Kapazitäten aus, darauf kommt es am Ende doch an."

Auch Holger Cornels, Vize-Leiter am Gerresheimer Marie-Curie-Gymnasium (2012: Platz 2 mit 162 Anmeldungen, 2013: Platz 3 mit 150 Anmeldungen), warnt davor, in die Zahlen zu viel hineinzuinterpretieren. "Auch wenn sie natürlich zeigen, dass wir irgendwas richtig machen müssen und eine gute pädagogische Arbeit leisten."

Ganz viel richtig machen demnach drei der vier christlichen Schulen im Stadtgebiet. Absoluter Spitzenreiter (noch vor dem so erfolgreichen Humboldt-Gymnasium) ist das evangelische Theodor-Fliedner-Gymnasium in Kaiserswerth. 260 Schüler (2012: 220) wollten dorthin, gefolgt von den katholischen Schulen St. Ursula in der Altstadt (195, 2012: 145) sowie Suitbertus in Kaiserswerth (175, 2012: 132).

Claudia Haupt, die das erzbischöfliche Gymnasium in Kaiserswerth leitet, sieht das zugrundeliegende Konzept als entscheidenden Faktor für den Erfolg der Konfessionellen. "Wir nehmen in besonderer Weise und wertegebunden die Entwicklung der Gesamt-Persönlichkeit in den Blick, ohne dabei eng zu sein."

Für Stirnrunzeln dürften die jüngsten Zahlen dagegen an den beiden Innenstadt-Gymnasien sorgen. Mit 70 Anmeldungen (2012: 73) landete das Luisen-Gymnasium an der Bastionstraße auf dem vorletzten Platz. Die rote Laterne ging in diesem Jahr an Düsseldorfs traditionsreichste Schule: das Görres-Gymnasium an der Königsallee.

(ila)
 
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