| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Wellness für die Sittiche

Düsseldorfer züchten Wellensittiche
Düsseldorfer züchten Wellensittiche FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Während die meisten Züchter in Deutschland auf große Wellensittiche mit großen Federn setzen, züchten Kirsten und Saro Clesi in Lörick lieber Vögel mit schönen Farben und feinem Charakter. Von Christian Herrendorf und Andreas Bretz (Fotos)

Wer den Elfgenweg in Lörick hinunterläuft, scheint sich in einer ganz normalen Reihenhaussiedlung zu befinden. Backstein, Garage, die nächste Doppelhälfte. Auch Haus Nummer 32 macht da zunächst keine Ausnahme, abgesehen vielleicht von dem bunten Schild mit der Aufschrift "Casa Clesi". Dann aber hört man es: Gezwitscher. Und zwar so munter und vielstimmig, dass das unmöglich von einem, zwei oder vier Vögeln stammen kann. Der Eindruck stimmt, denn in der ehemaligen Garage von Düsseldorfs einzigen Wellensittichzüchtern leben rund 100 Tiere, vom klitzekleinen nackten Küken mit einigen wenigen Federn bis zur Grand Dame der Voliere, der achtjährigen Sky.

Angefangen hat das Hobby von Kirsten und Saro Clesi ganz gewöhnlich. Als die Kinder noch im Grundschulalter waren, wünschten sie sich einen Wellensittich. Erste einen, dann zwei, doch mit dem Zooladen und seinen Tieren wurden die Clesis nicht glücklich. Sie suchten und fanden einen Züchter, kauften ein halbes Dutzend Vögel bei ihm und erlebten eine sehr glückliche Zeit mit sehr zufriedenen Kindern. Irgendwann kam dann die entscheidende Frage: "Können die nicht Babys kriegen?"

Die Familie entschloss sich eine, aber wirklich nur eine Brut zu machen. Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Zooladen wollten die Clesis nichts falsch machen. Sie lasen viel, telefonierten, recherchierten, dann folgte die erste Brut. Schon bald flatterten sehr entspannte und farbenprächtige Sittiche durch die "Casa Clesi". Nach einem halben Jahr hatte die Familie dann doch schon vier Bruten gemacht. "An dem Punkt wussten, wir, dass wir entweder aufhören oder richtig züchten müssen", sagt Kirsten Clesi.

Die Wahl viel auf Letzteres. Aus der Garage verschwand das Auto, Käfige, Kokosnussschaukeln, Wellikarussells und Birdlamps zogen ein. Heute gibt es eine Brutstation mit Nistkästen, einen Kindergarten-Raum, die große Voliere. Auch die Tage der Clesis veränderten sich. Caro Clesi führt nach wie vor einen Friseursalon, Kirsten Clesi arbeitet auch immer noch. Allerdings gehen heute beide, wenn sie heimkommen, erst einmal in die Ex-Garage, schauen nach den Eiern, den frisch geschlüpften Sittichen und stellen sich mit Gras und Hirse bewaffnet in die große Voliere und freuen sich, wenn viele Vögel auf ihren Schultern und Händen landen und an der Hirse oder den Fingern ihrer Menschen knabbern. Vor 21 Uhr kommen die Clesis selten zur Ruhe. Auch die Samstagnachmittage sehen heute ganz anders aus als früher. Dann kommen die Menschen zu Besuch, die gerne besondere Wellensittiche aus Lörick hätten.

Die Vögel wechseln nur unter streng eingehaltenen Bedingungen den Eigentümer. Der Schnellhefter mit Tipps, den Kirsten Clesi jedem Käufer mitgibt, umfasst mehr als 20 Din A4-Seiten - klein und eng beschrieben. Die Düsseldorfer geben Vögel nie in Einzelhaltung ("Wellensittiche sind Schwarmtiere"), bitten um geeignete Flugbereiche und jede Menge Spielzeug für die Tiere sowie darum, keine unnatürlichen Dekorationsgegenstände zu verwenden. Keine Plastikstangen, keine Plastikvögel.

So idealistisch wie bei der Weitergabe sind die Clesis auch bei der Zucht. Die Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung gibt für offizielle Schauen vor, welche Größe, Statur, Kopfform, Federn als "Standard" gelten. Das Ergebnis sind recht große Sittiche mit großen, langen Federn, mit denen sie sich in der Regel nicht in der Luft halten können. Die Clesis haben andere Werte. Ihre Vögel sollen gesund sein, nicht zu groß, nicht zu schwer. Diese Größe trägt den wunderbaren Namen Hansibubi. Die Wellis sollen einen guten Charakter haben, also Vertrauen zu den Menschen und anderen Vögeln. Das lernen sie von ihren Eltern. Wenn die zutraulich sind und nichts dagegen haben, wenn die Menschen schon die Küken auf die Hand nehmen, dann ahmen die Kleinen das nach.

Schließlich sollen die "Wellis" auch einen schönen Farbschlag haben. Saro und Kirsten Clesi können stundenlang über Verläufe, Töne, Mischungen schwärmen und werfen ganz nebenbei mit Vokabeln um sich wie Biologieprofessoren. Wer und was wie dominant oder rezessiv sein muss, um einen "Rainbow", "Texas Clearbody" oder "Lacewing" zu erhalten, wissen die Clesis aus dem Stegreif. Ebenso wie die Namen aller rund 90 Sittiche, die dauerhaft am Elfgenweg in Lörick leben.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Wellness für die Sittiche


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.